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51 www.architektur-online.com Architekt DI Reinhardt Gallister Im Sinne einer nutzerfreundlichen Bibliothekslandschaft gelangt man über eine gläserne Verbindungsbrücke zum Freihandbereich für Noten im ehemaligen Anatomiegebäude. Hier ist die vermutlich weltweit strukturierteste Notenbibliothek zu finden. Fein säuberlich geordnet stehen die Noten in Regalen für die interessierten Studenten bereit. Die Weitläufigkeit und Übersichtlichkeit der Räume konnte nur durch ein rigoroses Entfernen sämtlicher Zimmerchen und Zwischenwände erzielt werden. Die so eingesparte Belastung wird kann für die Regale samt Inhalt verwendet werden. Einer der beiden ehemaligen Seziersäle im Erdgeschoss des Altgebäudes dient heute als Lesesaal der Bibliothek, der andere als Bankett- und Veranstaltungssaal. Durch das Bewahren der hohen, gusseisernen Säulen blieb der architektonische Charakter dieser beiden Säle erhalten. Um jedoch die Säulen als tragende Konstruktion brandschutztechnisch unverkleidet lassen zu können, musste man allerlei Kunstgriffe durchführen. Es war ja das Gewicht der Notenbibliothek im ersten Stock sowie der gesamte Dachausbau mit Musiksälen statisch zu bewältigen. Also ertüchtigte man die wichtigen Außenpfeiler mit Kunststoffinjektionen derart, dass über jeweils zwei große Träger – welche die Lasten des obersten Geschosses abfangen – diese in die Grundmauern übertragen werden konnten. (rp) Bibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Österreich Bauherr: BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. Planung: Architekt Reinhardt Gallister Statik: Fröhlich & Locher und Partner Grundstücksfläche: 35.894 m2 (Campus) Bebaute Fläche: 1.531 m2 Nutzfläche: 4.208 m2 Planungsbeginn: 04/2014 Bauzeit: 14 Monate Fertigstellung: 11/2016 Baukosten: 11,2 Mio. Euro In der Mitte dieses Traktes befindet sich ein Stiegenhaus in druckbelüfteter Ausführung. Im Brandfall wird hier ein Überdruck erzeugt, sodass kein Rauch aus den angrenzenden Räumen eindringen kann, es also rauchfrei bleibt. Gleichzeitig sorgt die Steuerung einer Ausgleichsklappe dafür, dass der Überdruck nie zu groß wird, um die Funktion der Fluchttüren zu beeinträchtigen. Druckbelüftete Stiegenhäuser bilden in Neubauten kein Problem, stellen jedoch in einem historischen Altbau eine echte Herausforderung dar. Die Musiksäle im Dachgeschoss des „Anatomietraktes“ öffnen sich visuell über große Dachverglasungen zum Himmel. Auch hier ist auf die bestmögliche Akustik geachtet worden. Abgehängte Segel kühlen die Räume und folgen gleichzeitig in ihrer Geometrie den Erfordernissen der Raumakustik. Stoffbespannte Paneele befinden sich geparkt in Wandnischen und können zur Anpassung der Halligkeit an die jeweilige Nutzung hervorgezogen werden. In den Grundrissen wurde Parallelität vermieden. So verhindern die schiefwinkelig gestellte Wände das gefürchtete Flatterecho. Bis auf die dezent farbigen Stoffpaneele in den Konzert und Unterrichtssälen ist das Farbkonzept im Alt- und Neubau bewusst zurückhaltend. Die einzige Ausnahme bildet hier die neue Mensa – hier „blühen“ die bunten Stühle in Farben wie auf einer Frühlingswiese.


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