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58 architektur FACHMAGAZIN Bildung für alle Ein Jahrhundert Bildung Sala Beckett / Barcelona / Flores & Prats Architects Fotos: Adrià Goula Die Architekten Ricardo Flores und Eva Prats haben einen ca. hundert Jahre alten Kulturbau in Barcelona restauriert und zu einem zeitgemäßen Kulturzentrum verwandelt. Zitate, Erinnerungen und neue, konstruktive Elemente verbinden sich raffiniert in dieser Architektur, die einen weiteren Identitätsfaktor in der wachsenden, kreativen Szene der Stadt darstellt. Konsum, Kultur und Bildung waren große Anliegen der Arbeiterbewegung im Spanien der 1920er Jahre. Um diesen Wünschen gerecht zu werden, errichtete man in Barcelona, in Poblenou im Bezirk Sant Martí, die Konsumgenossenschaft „Pau i Justicia“. Der heute unter dem Namen „Sala Beckett“ bekannte Kulturraum, den die Flores & Prats Architects restauriert und für die Nutzungen Theater, Tanz und Experimente in einen zeitgemäßen Zustand gebracht haben, ist in seinem Inneren von einer außergewöhnlichen Lebhaftigkeit und voll von überraschenden Bezügen und Zitaten zur Geschichte. Man könnte ihn auch als Museum einer sozial(istisch)en Kulturentwicklung bezeichnen. Im November 2016 wurde das Gebäude in Poblenou wiedereröffnet. Es befindet sich in einem Industriegebiet, das schon durch die Olympischen Spiele 1992 große Veränderungen erfahren hat und nun durch die Ansiedlung einer Kreativszene und zahlreicher Künstler zu neuem Leben erwacht. Der Entwurf der Architekten Ricardo Flores und Eva Prats reflektiert die vielen Erinnerungen der industriellen Vergangenheit des Ortes. Die beiden sahen ihre Aufgabe aber nicht in einer Restaurierung im Sinn der Wiederherstellung, sondern eher in einer Neunutzung vorhandener Substanzen und der Adaptierung der Räume, unter Einbeziehung der sich überlagernden Schichten der Zeit. Sie nahmen also das „Ruinöse“ mit in die Zukunft und machten es zu einem Mitspieler in der Architektur. Die große Herausforderung war für sie eine Neunutzung, ohne den Geist der Geschichte zu verbannen. Diese Erneuerung kann man auch als ein Beispiel für ein „upcycling“ einer verbrauchten, architektonischen Substanz im Sinne der Nachhaltigkeit sehen. u


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