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www.architektur-online.com Magazin ben mit sich bringen, welche die Errichtung und Vermietung von Mikroapartments zum Gegenstand und Ziel haben. Eine Alternative wäre allenfalls, die Apartmentanlage als Beherbergungsbetrieb zu errichten und zu führen, wobei jedoch andere, insbesondere gewerberechtliche Schranken und Hindernisse zu berücksichtigen wären. Zumindest verschafft das Studentenheimgesetz hinsichtlich der Vertragslaufzeit eine gewisse – wenn auch bescheidene – Flexibilität, weil es anders als das MRG grundsätzlich kurze Vertragslaufzeiten auf die Dauer eines Studienjahres zulässt. Nach dem MRG wäre die Befristung eines Wohnungsmietvertrages nur zulässig, wenn diese zumindest auf die Dauer von drei Jahren erfolgt. Eine kürzere Befristung hätte zur Folge, dass der damit vereinbarte Endtermin gegenüber dem Mieter nicht gerichtlich durchsetzbar wäre und das Mietverhältnis als auf unbestimmte Dauer abgeschlossen gilt. Das Mietverhältnis wäre für den Vermieter diesfalls nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes gemäß § 1118 ABGB oder § 30 Abs 2 MRG kündbar. Davon ausgenommen wäre nur die Kurzzeitmiete, deren vertragsgemäße Dauer jedoch ein halbes Jahr nicht übersteigen darf. Eine solche Kurzzeitmiete wäre zudem von der Anwendbarkeit des MRG ausgeschlossen. Das MRG trägt somit dem Wunsch des Marktes nach mehr Flexibilität keine Rechnung und lässt eine flexible Gestaltung der Vertragslaufzeiten nicht zu, wenngleich es dem Mieter einer Wohnung zumindest das Recht einräumt, nach Ablauf eines Jahres der Vertragsdauer das Mietverhältnis unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist zu kündigen. Die Anwendbarkeit des Studentenheimgesetzes ist nicht frei vereinbar. In der Praxis ist die Anwendbarkeit des Studentenheimgesetzes in der oben dargestellten Konstellation meist nicht bekannt. Die Praxis operiert in solchen Konstellationen vielmehr mit Vertragsgrundlagen, welche von der Anwendung des MRG ausgehen. Sollte sich in solchen Fällen – z. B. als Folge eines von einem Mieter lancierten Rechtsstreits – ergeben, dass das Studentenheimgesetz anwendbar ist, droht der Vermieter mit Forderungen von Mietern auf Rückzahlung des zu viel bezahlten Mietzinses und auf Herabsetzung der Mietzinshöhe bis zur Höhe einer „Kosten-Miete“ konfrontiert zu werden. Das Wohn- und Baurecht bedarf sohin einer dringenden Novellierung, die den aktuellen Anforderungen des Marktes an zeitlich und örtlich flexibles, kompaktes, städtisches und modernes Wohnen Rechnung trägt und anders als die aktuelle Rechtslage vermeidet, dass Immobilienentwickler oder Vermieter solche Wohnbauprojekte unter einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko im legistischen Graubereich realisieren und betreiben müssen.


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