Page 37

AF816_eMag

37 www.architektur-online.com architekturszene durch soll die Grünfläche auf dem Nordbahnhof eine wichtige Verbindung zwischen den beiden Freizeitarealen der Stadt darstellen, wodurch auch Personen, die nicht am ehemaligen Nordbahnhof wohnen, in den neuen Stadtteil gelockt werden sollen. Laut der Stadt Wien wird aber nicht nur die „Stadtwildnis“ für die Belebung des Areals sorgen. Bei allen neu gebauten Gebäuden wird nämlich auf eine adäquate Nutzung der Erdgeschosszonen großen Wert gelegt – im Parterre der Wohnhäuser sollen sich in Zukunft also nicht Garagen, sondern Geschäftslokale befinden. Auf diese Weise soll der neue Bezirksteil zu einem lebendigen Viertel in der Leopoldstadt heranwachsen. Den Grundstein für das heutige Konzept zur Neugestaltung des Stadtentwicklungsgebiets legte die Stadt Wien im Jahr 1994. Damals wurde das Leitbild 1994 entwickelt, welches als Vorbild für das heutige Bebauungsvorhaben des Areals diente. Die Grundsätze dieses Konzepts schlugen eine Nutzung des Gebiets auf Basis seiner Anbindung an den öffentlichen Verkehr vor. Des Weiteren wurden die Bedeutung des Grünraumes und dessen Erhaltungswürdigkeit sowie die Wichtigkeit der ökologischen Aspekte im Städtebau unterstrichen. Gleichzeitig sah das Konzept eine Verschmälerung der ehemaligen Bahntrasse vor. Bis auf den letztgenannten Vorschlag wurden nahezu alle Ideen des ursprünglichen Leitbildes in den neuen Masterplan für das Areal eingearbeitet. Ideale Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger Das Areal wird sowohl durch die S-Bahn als auch durch die U-Bahn erschlossen. Dadurch sind die Bewohner des Gebiets nicht auf ihren PKW angewiesen. Zusätzlich wird eine Verlängerung der Straßenbahnlinie O bis zur Kreuzung Taborstraße/Leystraße im 2. Wiener Gemeindebezirk angestrebt. Zur Verringerung des KFZ-Verkehrs im Wohngebiet sollen zudem Durchfahrtssperren sowie autofreie Zonen, welche die Lärmbelästigung minimieren und die Verkehrssicherheit erhöhen, sorgen. Kennzeichnend für das Areal des ehemaligen Nordbahnhofes sind im bereits fertiggestellten Wohnviertel große, breite Wege und weitläufig angelegte Straßenräume. Hiermit ist dafür gesorgt, dass Fahrradfahrer und Fußgänger problemlos nebeneinander Platz finden, wodurch ein wichtiger Beitrag zur Attraktivierung des Rad- und Fußverkehrs am ehemaligen Nordbahnhofgelände im 2. Wiener Gemeindebezirk geleistet wird. Ein neuer Stadtteil schafft über 8.000 Arbeitsplätze Ein weiteres Projekt, das den Charakter des neuen Stadtteils durchaus prägen wird, ist das Wirtschaftszentrum „Austria Campus“, welches sich derzeit noch in Bau befindet. Auf 303.000 m² Fläche werden im Süden des ehemaligen Nordbahnhofareals fünf Bürogebäude erreichtet. Daneben will der Bauträger Signa auf dem Gelände ein Ärztezentrum, einen Kindergarten, Einzelhandelsketten sowie ein Hotel realisieren. Diese Einrichtungen werden mit einer eigenen Infrastruktur ausgestattet und verfügen durch die Nähe zur S-Bahn-Station „Praterstern“ bereits jetzt über eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Dies hat den Vorteil, dass selbst Personen, die nicht in der Nähe des Nordbahnhofes leben, den „Austria Campus“ selbst ohne PKW leicht erreichen können und zusätzlich ein umfassendes Angebot an Nahversorgungseinrichtungen zur Verfügung haben. Um sich ein umfassendes Bild über die Funktionalität und das Zusammenspiel der einzelnen Bereiche im innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiet machen zu können, muss die Fertigstellung des Projekts abgewartet werden. Derzeit verspricht die ausgewogene Mischung aus Bebauung und Grünfläche, die gleichzeitig mit einer guten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz punktet, zu einem für die Stadt Wien prägenden Ortsteil heranzuwachsen. Durchaus positiv fällt jetzt schon die Tatsache auf, dass sich der Stadtteil am ehemaligen Nordbahnhofgelände räumlich öffnet. Im bereits fertiggestellten Wohnviertel wirken die breiten Wege gepaart mit den verkehrsberuhigten Straßen auch auf ortsfremde Passanten einladend. Zudem ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Grünflächen und Parkanlagen im nördlichen Abschnitt des Gebiets zu einem für die Stadt Wien wichtigen Naherholungsgebiet avancieren.


AF816_eMag
To see the actual publication please follow the link above