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architektur FACHMAGAZIN 52 Stadt – Zeit Our Future City? Seit 2006 findet jährlich die Evolo Skyscraper Competition statt. Dabei geht es um visionäre Ideen für Hochhausbauten. Der Preis wird an Projekte mit herausragenden Ideen, welche den Skyscraper neu definieren, sei es durch die Einbringung neuer Technologien, Materialien, Programme, Ästhetik aber auch für die Berücksichtigung der Globalisierung, Flexibilität und digitalen Revolution, verliehen. In diesem Forum wird über die Beziehung zwischen Skyscraper und der Natur, der Gemeinschaft und der Stadt diskutiert. Die beiden diesjährigen Awardgewinner, Yitan Sun and Jianshi Wu gingen mit ihrem Siegerprojekt „New York Horizon“ einen entgegengesetzten Weg. Sie legten die 1,3 km große Fläche des Central Park in New York um 300 Meter tiefer. Den Park bestimmen nicht mehr Turtle Pond und Great Lawn, sondern die jetzt freigelegten Felsen, auf denen New York errichtet wurde. Eigentlich kreierten sie einen Negativraum, sie agieren mit dem Leerstand. Der umlaufende Freiraum ist bei ihnen von einer Art Gebäude gefasst, eine dicke Mauer aus hoch reflektierenden Glaspaneelen. Diese spiegeln gleichzeitig den Umraum bis in die Unendlichkeit und schaffen so einen neuen Horizont. In dieser umgrenzenden Hochhausbebauung sollen viele Ebenen bewohnbarer Raum, aber auch Shops, Bibliotheken, Museen und dergleichen entstehen. Diese „wirklichen“ Skyscraper haben dann allesamt einen ungestörten Blick in die „neue Natur“. Mit 18 Quadratkilometern Geschossfläche ist die Nutzfläche 80 Mal größer als die des Empire State Building. Das Projekt mit Ausmaßen von 300 x 30 Metern stellt einen Kontrast zu den dicht verbauten Stadtstrukturen dar und bietet gleichzeitig den New Yorkern mehr Möglichkeiten, dem geschäftigen, urbanen Leben der Stadt in die Natur zu entkommen. An vielen Kreuzungspunkten, entsprechend dem Straßenraster Manhattans, sollen Lifte und Stiegen den Zugang zu den unteren Ebenen und dem Park ermöglichen. Das Erdreich, das aus dem Park entfernt wird, soll an anderen un- oder unterentwickelten Stellen Manhattans zur Aufschüttung von neuen künstlichen Minihügeln verwendet werden und dort ebenfalls Natur in die Stadt bringen. Im neuen, tiefer gelegten Central Park selbst sind alle erdenklichen Sport- und Freizeitaktivitäten möglich. Ein anderer Gedanke drängt sich bei diesen Renderings allerdings auch auf: Die Erde in einem Urzustand wie Gott sie geschaffen hat und der Mensch (oder wahlweise die Stadt) hinter gläsernen Wänden aus dem Paradies ausgesperrt. Eine für manche sicher apokalyptische, für andere wiederum erlösende Utopie, sicherlich aber eine, die kaum jemals umgesetzt werden wird. Renderings: Yitan Sun und Jianshi Wu (rp)


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