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8 architektur FACHMAGAZIN Start UrgentCity sieht sich als Werkzeug, um all diese Begriffe und Worte zu definieren, zu verstehen und in den zeitgemäßen interdisziplinären Diskurs einzubringen. Es soll so eine Basis, von der aus die dringenden urbanen Probleme behandelt und verbalisiert werden können, geschaffen werden. In der kommenden Zukunft werden die Bürger, die Regierungen und auch die NGOs eng und aktiv in die urbane Diskussion bezüglich Stadtplanung und -entwicklung eingebunden sein müssen. Es wird um die Zusammenarbeit gehen. architektur unterhielt sich mit einer der KuratorInnen der Veranstaltung: Cristina Ampatzidou, eine der Gründerinnen der Plattform „Amateur Cities“ (Holland) meinte auf die Frage nach dem Erfolg des Projektes: „Ja, das Event war sicherlich ein Erfolg, vor allem die Ergebnisse der Workshops. Wir hatten eine Unmenge von Worten und Begriffen, die wir während des „open call“ gesammelt haben. Es war eine Herausforderung, verschiedene Wege, um mit diesem Vokabular zu arbeiten, herauszufinden. Es ging ja um die Beziehungen der Begriffe untereinander, die Bedeutung der Worte ändert sich heute sehr schnell und die Menschen interpretieren sie – je nach persönlichem Hintergrund und Kontext – sehr verschieden. Wir haben versucht, „Wortfamilien“ zu schaffen und die Querbeziehungen der Worte aus verschiedenen Kategorien miteinander in Verbindung zu setzen. Das muss natürlich laufend up-gedated werden, der Prozess ist nie zu Ende.“ Auf die Frage nach der Auswirkung auf die Stadtplanung formulierte sie: „Das Projekt kann uns auf einer breiteren Basis helfen. Zu sehen, wie Personen mit verschiedenen Hintergründen Prioritäten setzen, welche Worte sie benutzen, um wichtige Dinge zu benennen, ist ein kleiner Schritt zum besseren gegenseitigen Verständnis. Das war auch der Grund, aus dem wir eine möglichst diverse Gruppe von Teilnehmern angestrebt haben. Es ging und geht auch darum, bestimmte Annahmen und Voraussetzungen, die wir von Stadt haben, neu zu denken. Sowohl aus der professionellen Sicht wie auch aus der des Bürgers. Wir müssen sensitiver gegenüber all den Personen werden, die in das „Citymaking“ involviert sind.“ Rebekka Kiesewetter vom „Depot Basel“ begrüßte vor allem das Eingeständnis, dass es nicht um eine Einzementierung und Terminologisierung von Wörtern ging, sondern eher darum, ein anderes Verständnis für Worte und den Gebrauch von Worten zu entwickeln und auch deren Ambiguität anzuerkennen. Esau Acosta Perez, vom multidisziplinären Architekturbüro Estudio SIC aus Madrid formulierte eine Art Kritik an der Sprachlichkeit folgendermaßen: „Es geht nicht darum, neue Worte zu finden, wir müssen die Vorhandenen in unserem Konzept des täglichen Gebrauchs neu definieren. Architektur ist in sich schon sehr komplex und unsere Sprache ist sehr grob. Hier (UrgentCity) denken wir zum Beispiel über die Domestizierung unserer eigenen Sprache nach. Können wir zum Beispiel in architektonischen Projekten dieselben Worte, die wir auch in unserem Familienkreis gebrauchen, verwenden? Wir glauben, auch an den Hochschulen immer, dass wir alle Worte gebrauchen können, um etwas zu beschreiben. Diese Beiläufigkeit kann auch der Beginn eines Krieges sein!“


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