hotelstyle hotelstyle hotelstyle hotelstyle hotelstyle hotelstyle
ABO MAGAZIN KALENDER PARTNER ARCHIV NEWSLETTER REISEN

< Zurück



Das Nöckler


Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim
Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim
Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim Das Nöckler / Bilder: © Jürgen Eheim

Allen Vorurteilen von dunklen, feuchten und engen Weinkellern zum trotz entschied sich der Getränkevertrieb F. Harpf & Co. im Frühjahr 2004 Architekt Bergmeister aus Brixen mit der Gestaltung eines solchen zu beauftragen. Er sollte der Präsentation, Degustation und dem Führen von Verkaufsgesprächen mit Kunden dienen.

Als Bühne für diese neue Produktschiene des Familienbetriebes wählte man einen Keller aus dem 13.-Jahrhundert. Dieser befindet sich in einem Gebäude im Zentrum Brunecks, das seit langer Zeit im Familienbesitz der Harpfs steht.
Durch Denkmalschutzauflagen und die außergewöhnliche Bausubstanz ergab sich für Bergmeister eine wesentliche Vorgabe für sein gestalterisches Konzept: Die Architektur sollte als eigenständiges Element in den Bestand „hineingesetzt“ werden. Nur eine einfache, zurückhaltende Formensprache war imstande, den vorhandenen, raumbildenden Elementen in ihrer Unregelmäßigkeit und Massivität entgegenzu stehen ohne mit ihnen zu konkurrieren.
Von einem rostigen Tor auf Straßenniveau wird der Besucher von Bruchsteinmauerwerkwänden gesäumt über eine Lärchenholztreppe in den Keller geführt. Auf dem ersten Podest trifft er auf eine vorgesetzte, hinterleuchtete Wand, in der sich der rostige Stahl des Eingangstores wiederholt. Vom Besucher fast unbemerkt verengt sich die Stufenbreite während dem Hinabsteigen trotz gleich bleibender Gangbreite stetig. Geleitet wird er einerseits von einem warmen Handlauf aus Kork und andererseits von der rotbraunen Stahlwand, die nun immer mehr durch leuchtende Öffnungen durchbrochen wird. Die dahinter liegende Steinmauer wird dadurch bildhaft in Szene gesetzt. Der Korkhandlauf wurde als „Kunst am Bau“ von dem Vinschgauer Künstler Manfred Alois Mayr gestaltet.
Hat der Besucher nun den Hauptraum erreicht, öffnet sich die Treppenbreite wieder und trägt ihn weit in den Raum hinein.
Um die Dominanz der wuchtigen Steinsäule mitten im Raum etwas zu durchbrechen, wurde ihr einerseits ein großer, massiver Lärchenholztisch und andererseits eine braungrüne Glassäule, in der sich der Weißwein-Klimaschrank befindet, gegenübergestellt.
Die umlaufenden Regale, ebenfalls aus Lärchenholz, besitzen an ihrer Frontseite einzelne braungrüne Glasschiebeelemente, die für Präsentationen einzelner Weinmarken in Position gebracht werden können.
In einem Nebenraum wurde ein kleiner Küchenbereich eingerichtet, der bei bestimmten Veranstaltungen dem Koch oder Catering-Unternehmen für die kulinarische Untermalung als Arbeitsbereich dient.
Die Beleuchtung wurde so ausgebildet, dass sowohl bei der Präsentation eines Weinherstellers als auch bei intimeren geschäftlichen Gesprächen oder Verkostungen die richtige Atmosphäre erzeugt werden kann. Dazu wählte Bergmeister ein abgehängtes, umlaufendes gerostetes Stahlprofil, in dem kleine dimmbare Reflektorstrahler für die Beleuchtung der Regale integriert wurden. Unabhängig davon kann der Lärchenholztisch und die hinterleuchtete Stahlwand je nach Bedarf lichttechnisch bespielt und so die Konzentration des Kunden gelenkt werden.
Da der Degustationskeller nicht öffentlich zugänglich ist, konnten zwar Behördenauflagen gering gehalten werden, trotzdem war der Aufwand sanitärer und lüftungstechnischer Installationen groß. Ein ideales Klima für die Lagerung des Weines konnte durch das Herstellen einer Luftzirkulationsschichte zwischen dem angehobenen Lärchenholzfußboden und dem bestehenden Untergrund geschaffen werden. Durch 7 mm breite Fugen zwischen den Holzdielen kann die Luft nun nach oben austreten und so den entsprechenden Luftwechsel gewährleisten.
Die Sanitärzelle ist von einem Podest der Treppe aus begehbar und wirkt auf den ersten Blick äußerst spartanisch. Licht, Farben und Oberflächen alleine übernehmen hier den Stellenwert der Dekoration. Auf runde Formen wurde hier - abgesehen von dem Oval des Waschbeckens - gänzlich verzichtet.
Die Architektur des Nöckler ist ein ständiges Spiel des Materials und seiner Oberflächen. Die raue Unregelmäßigkeit des Natursteinmauerwerks, unterbrochen von den klaren Kanten der glatten Holz- und Glaselemente, bilden ein optisches sowie haptisches Erlebnis für den Besucher. Reduziert auf das Wesentliche erfüllt die „hineingestellte“ Architektur die gestellte Aufgabe. Die mittelalterliche Bausubstanz bildet die vollendende Zutat für eine „gehaltvolle“ Atmosphäre.


Das Nöckler

I-39031 Bruneck/Südtirol, Stadtgasse 53

Bauherr: Lukas Harpf, F. Harpf & Co. - Getränke
Planung: Gerd Bergmeister/ Brixen
Mitarbeiter: Markus Hofer, Stefan Griesser
Nutzfläche: 102,86m²
Planungsbeginn: März 2004
Bauzeit: 6 Monate
Fertigstellung: September 2004
Beleuchtung: LICHTFABRIK HALOTECH G.M.B.H., Innsbruck
Gesamte Einrichtung: Innenausbau Barth
Kunst am Bau: Manfred Alois Mayr
Fotos: © Jürgen Eheim
Text: Nicole Büchl

< Zurück