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Das Nöckler
Allen Vorurteilen von dunklen, feuchten und engen Weinkellern zum trotz entschied sich
der Getränkevertrieb F. Harpf & Co. im Frühjahr 2004 Architekt Bergmeister aus Brixen mit
der Gestaltung eines solchen zu beauftragen. Er sollte der Präsentation, Degustation und
dem Führen von Verkaufsgesprächen mit Kunden dienen.
Als Bühne für diese neue Produktschiene des
Familienbetriebes wählte man einen Keller aus dem 13.-Jahrhundert. Dieser befindet sich in
einem Gebäude im Zentrum Brunecks, das seit langer Zeit im Familienbesitz der Harpfs steht.
Durch Denkmalschutzauflagen und die außergewöhnliche Bausubstanz ergab sich für Bergmeister
eine wesentliche Vorgabe für sein gestalterisches Konzept: Die Architektur sollte als
eigenständiges Element in den Bestand „hineingesetzt“ werden. Nur eine einfache,
zurückhaltende Formensprache war imstande, den vorhandenen, raumbildenden Elementen in
ihrer Unregelmäßigkeit und Massivität entgegenzu stehen ohne mit ihnen zu konkurrieren.
Von einem rostigen Tor auf Straßenniveau wird der Besucher von Bruchsteinmauerwerkwänden
gesäumt über eine Lärchenholztreppe in den Keller geführt. Auf dem ersten Podest trifft er
auf eine vorgesetzte, hinterleuchtete Wand, in der sich der rostige Stahl des Eingangstores
wiederholt. Vom Besucher fast unbemerkt verengt sich die Stufenbreite während dem
Hinabsteigen trotz gleich bleibender Gangbreite stetig. Geleitet wird er einerseits von
einem warmen Handlauf aus Kork und andererseits von der rotbraunen Stahlwand, die nun immer
mehr durch leuchtende Öffnungen durchbrochen wird. Die dahinter liegende Steinmauer wird
dadurch bildhaft in Szene gesetzt. Der Korkhandlauf wurde als „Kunst am Bau“ von dem
Vinschgauer Künstler Manfred Alois Mayr gestaltet.
Hat der Besucher nun den Hauptraum erreicht, öffnet sich die Treppenbreite wieder und trägt
ihn weit in den Raum hinein.
Um die Dominanz der wuchtigen Steinsäule mitten im Raum etwas zu durchbrechen, wurde ihr
einerseits ein großer, massiver Lärchenholztisch und andererseits eine braungrüne Glassäule,
in der sich der Weißwein-Klimaschrank befindet, gegenübergestellt.
Die umlaufenden Regale, ebenfalls aus Lärchenholz, besitzen an ihrer Frontseite einzelne
braungrüne Glasschiebeelemente, die für Präsentationen einzelner Weinmarken in Position
gebracht werden können.
In einem Nebenraum wurde ein kleiner Küchenbereich eingerichtet, der bei bestimmten
Veranstaltungen dem Koch oder Catering-Unternehmen für die kulinarische Untermalung als
Arbeitsbereich dient.
Die Beleuchtung wurde so ausgebildet, dass sowohl bei der Präsentation eines
Weinherstellers als auch bei intimeren geschäftlichen Gesprächen oder Verkostungen die
richtige Atmosphäre erzeugt werden kann. Dazu wählte Bergmeister ein abgehängtes,
umlaufendes gerostetes Stahlprofil, in dem kleine dimmbare Reflektorstrahler für die
Beleuchtung der Regale integriert wurden. Unabhängig davon kann der Lärchenholztisch und
die hinterleuchtete Stahlwand je nach Bedarf lichttechnisch bespielt und so die
Konzentration des Kunden gelenkt werden.
Da der Degustationskeller nicht öffentlich zugänglich ist, konnten zwar Behördenauflagen
gering gehalten werden, trotzdem war der Aufwand sanitärer und lüftungstechnischer
Installationen groß. Ein ideales Klima für die Lagerung des Weines konnte durch das
Herstellen einer Luftzirkulationsschichte zwischen dem angehobenen Lärchenholzfußboden und
dem bestehenden Untergrund geschaffen werden. Durch 7 mm breite Fugen zwischen den
Holzdielen kann die Luft nun nach oben austreten und so den entsprechenden Luftwechsel
gewährleisten.
Die Sanitärzelle ist von einem Podest der Treppe aus begehbar und wirkt auf den ersten
Blick äußerst spartanisch. Licht, Farben und Oberflächen alleine übernehmen hier den
Stellenwert der Dekoration. Auf runde Formen wurde hier - abgesehen von dem Oval des
Waschbeckens - gänzlich verzichtet.
Die Architektur des Nöckler ist ein ständiges Spiel des Materials und seiner Oberflächen.
Die raue Unregelmäßigkeit des Natursteinmauerwerks, unterbrochen von den klaren Kanten der
glatten Holz- und Glaselemente, bilden ein optisches sowie haptisches Erlebnis für den
Besucher. Reduziert auf das Wesentliche erfüllt die „hineingestellte“ Architektur die
gestellte Aufgabe. Die mittelalterliche Bausubstanz bildet die vollendende Zutat für eine
„gehaltvolle“ Atmosphäre.
Das Nöckler
I-39031 Bruneck/Südtirol, Stadtgasse 53
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| Bauherr: |
Lukas Harpf, F. Harpf & Co. - Getränke |
| Planung: |
Gerd Bergmeister/ Brixen |
| Mitarbeiter: |
Markus Hofer, Stefan Griesser |
| Nutzfläche: |
102,86m² |
| Planungsbeginn: |
März 2004 |
| Bauzeit: |
6 Monate |
| Fertigstellung: |
September 2004 |
| Beleuchtung: |
LICHTFABRIK HALOTECH G.M.B.H., Innsbruck |
| Gesamte Einrichtung: |
Innenausbau Barth |
| Kunst am Bau: |
Manfred Alois Mayr |
| Fotos: |
© Jürgen Eheim |
| Text: |
Nicole Büchl |
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