Am Anfang der Wiener Mariahilferstraße in unmittelbarer Nähe
zum Museumsquartier befindet sich im Mezzanin eines schönen Jahrhundertwendehauses mit
Geschichte - denn hier ist schon der Kaiser ein- und ausgegangen, wenn er seinen Haus- und
Hof-Fotografen aufsuchte - seit Anfang Oktober 2004 das Lutz - die Bar, die ein exklusives
Lebensgefühl vermittelt! Edelste Materialien, ein klar durchdachtes Raumkonzept und der
subtile Umgang mit Licht machen dieses Ambiente zu etwas behaglich Besonderem.
Die Idee, eine Bar zu eröffnen, schwirrte schon lange
in den Köpfen von Prof. Hansheinz und Jürgen Lutz, denen besagtes Gründerzeitgebäude gehört.
Vater und Sohn Lutz, beide bislang in Branchen fernab von der Gastronomie tätig, wurden zu
Jahresende 2003 aktiv, als die Lagerräume der „Kofferzentrale“ in ihrem Haus frei wurden
und schrieben einen kleinen, privaten Architekturwettbewerb aus. In einer klaren Sprache
ein nicht kühles Ambiente zu schaffen, waren die Vorgaben der Bauherren.
Bernhard Rapf und Philipp Janes, Gründer und Inhaber
des Architekturbüros A2K, überzeugten mit ihrem Konzept einer „Leitlinie, die sich vom
Eingang von der Straße durchs gesamte Lokal zieht“. Das zum Sieg verholfen habende Image
dieses Leitbandes immer weiterverfolgend wurde der Vorentwurf mit seinen Situierungen noch
des Öfteren verändert.
Die größte Herausforderung dieser Lokalität, die sich zwar in bester Innenstadtlage
befindet, jedoch abgehoben um 4 m vom Straßenniveau im Mezzanin des Gebäudes liegt und
damit von der Straße nicht einsehbar ist, war es, wie man die Laufkundschaft und
potenziellen Gäste nach oben lockt. Großflächige Beschilderung war aufgrund von Platzmangel
an der Fassade, die von einem großen Schild mit der Aufschrift „Kofferzentrale“ dominiert
wird, nicht möglich. So entstand die Idee der Wegführung mittels eines hinterleuchteten
Holzbandes. Die auffällige Maserung des amerikanischen Nussholzes zieht den Blick an und
wird zum treuen Begleiter im Hauseingang, auf der Kaisertreppe und in der Bar selbst, wo es
zum bestimmenden Element wird. Den Raum einfassend fungiert es zunächst als Träger von
Zigarrenvitrinen, wird dann zur Holzskulptur und endet schließlich als lichtspendender
Baldachin über der eigentlichen Theke selbst.
Rund 100 Personen können wählen zwischen unterschiedlichen Stimmungsbereichen auf den 260
m2 Fläche der Lutz-Bar. Die warmen Naturfarben der lederbezogenen Möbel in Creme, Caramel
und Schockobraun laden zum Hinsetzen ein. Das dicke, schwere Leder stammt von 70 deutschen
Kühen und wurde zur Verarbeitung nach Italien geschickt. Der dunkle Industrieparkettboden
aus kerngeräucherter Eiche und die in Beige gestrichene Wände vermitteln Wärme und machen
einen samtigen Eindruck. Durch die Öffnung zur Straße blickt man in die Kronen der die
Mariahilferstraße säumenden Bäume. Die Fenster sind im unteren Bereich als Hubfenster
ausgeführt und können im Sommer ganz geöffnet werden. Der Eindruck entsteht, im Freien zu
sitzen. Hier kann man abgehoben und stressfrei das rege Treiben auf der pulsierenden
Einkaufsstraße beobachten.
Die zwei im mittleren Bereich der Bar situierten Säulen wurden in ihrer Innenzone
verspiegelt, wodurch ein Spiel mit Perspektiven und Geometrien ausgelöst wird.
Verblüffende Täuschungen und Raumwirkungen werden einem Spiegelkabinett ähnlich erwirkt.
Spiegel sind auch ein Element, das bei den Fenstern eingesetzt wurde. Verspiegelte
Leibungen holen die belebte Straße für Gäste ohne Fensterplatz in den Raum.
Die Theke der Bar wird von einem Baldachin, dem
Ausläufer des als Funktions- und Designelement fungierenden Bandes, bekrönt. Das Licht wird
geschickt gelenkt, damit niemand geblendet wird. Die Kaffeemaschine und die Kaffeemühle im
hinteren Barbereich wurden extra umlackiert, damit sie ins Farbkonzept des Raumes passten.
Zunächst nur als Nachtbar konzipiert, wurde später auch ein Tagesbetrieb mitgeplant. So ist
es möglich, hier die internationalen Zeitungen lesend einen Frühstückskaffee oder
kulinarische Köstlichkeiten bei Tageslicht zu genießen. Tagsüber wirkt der große Raum ganz
anders als am Abend, nicht zuletzt aufgrund der Beleuchtungsmöglichkeiten.
Fünf arbeitsintensive Monate voller Nachtschichten
dauerte die Ausführungsplanung, und weitere vier Monate lang gab es die Baustelle.
Mit dem Möbeldesign betraten die beiden jungen Architekturschaffenden absolutes Neuland.
Prototypen der Entwürfe für die Tische, Hocker, Bar und Sitzbänke türmten sich in ihrem
Büro, und ständig wurde mit dem Tischler, Polsterer, dem Schlosser und den Firmen
telefoniert, umgeplant, konferiert …
Das Verhältnis zu den voll involvierten Bauherren war während der gesamten Planungsphase
spannend und intensiv, auch die Bauherren haben sich mit diesem Unternehmen auf Neuland
gewagt.
„Der Zeitdruck war enorm, da der Eröffnungstermin der
Bar von Anbeginn feststand. Wir wurden immer penibler, und indem wir mehr und mehr Details
mitbedachten, fühlten wir uns immer ein Stück hinterher“, erzählen Bernhard Rapf und
Philipp Janes. Selbst bei den Gläsern und dem Besteck hatten sie ein Mitspracherecht, und
auch die Speisekarten und Schürzen der Kellner entwickelten sie mit.
Das Ergebnis der Mühen und schlaflosen Nächte lässt
Wien wieder einen Schritt näher an die Metropolen Paris, London und New York treten, wo
schon lange solche Bars, die als Synonym für Lebensgefühl stehen, existieren. Wir
gratulieren dem Architekten-Duo, das den Raum bravourös inszeniert hat!