Menschen, die beruflich viel Zeit in ihrem Auto und
auf diversen Raststationen verbringen, kennen das Problem: Man sucht eine Unterkunft, die
auf unnötigen Luxus verzichtet, aber trotzdem Sauberkeit und rationalen Komfort bietet. In
Krems und Wiener Neustadt wurden in den letzten beiden Jahren zwei Hotels eröffnet, die
genau diesen Vorstellungen entsprechen. Das Beherbergungsprinzip, genannt „Orange Wings“,
baut dabei auf drei Schwerpunkte: Innovation, Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit.
Wer steht hinter Orange Wings? Einerseits das
Unternehmen List General Contractor GmbH - dessen 250 Mitarbeiter 90 Prozent ihrer
Leistungen im Ausland erbringen. Deswegen waren die Probleme und Wünsche Geschäftsreisender
vertraut, und man wollte unnötig komplizierte Auslandsaufenthalte und zu hohe
Hotelrechnungen in der Vergangenheit wissen. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Architekten
Josef Weichenberger und jungen Absolventen der IMC-Tourismusfachhochschule in Krems wurde
ein neues, straffes Hotelkonzept entwickelt. Es beginnt an der Rezeption, die es nämlich
nicht gibt. Stattdessen checkt der Hotelgast bei einem „Hotelomat“ mittels Kredit- oder
Bankomatkarte selbst ein, erhält daraufhin eine Chipkarte, die für die Dauer des gebuchten
Aufenthaltes gültig ist und mit Tag der Abreise automatisch verfällt.
Gestrafft wurde auch am Sektor Mitarbeiter: Anstelle der wuselnden Schar des sonst üblichen
Servier- und Dienstpersonals gibt es bei Orange-Wings-Hotels lediglich einen Mitarbeiter,
der von 15-21 Uhr im Hotel ist, um etwaige Kundenfragen zu beantworten. Der Gast kann
allerdings auch vom Hotelzimmer aus mittels Internet, das in den 42 Euro pro Übernachtung
inkludiert ist, Anregungen und Beschwerden an die Hotelleitung mailen. Beschwerden
bezüglich der Sauberkeit der Hotelräumlichkeiten wird es höchstwahrscheinlich nie geben -
sobald der Gast ausgecheckt hat, wird eine ausgelagerte Reinigungsfirma über elektronische
Dateninformation benachrichtigt, und das Zimmer wird unverzüglich gereinigt.
Neben Sauberkeit bieten die Zimmer außerdem Satellitenempfang, Pay TV, Radio und
Spielstation. Die Zimmer selbst wurden in Krems und den Nachfolgern in Wr. Neustadt als 16
m2 große Standardzimmer mit Bad und getrennt begehbarem WC ausgeführt. Wünscht der Gast ein
größeres Zimmer, so werden Appartements mit Kochnische für bis zu vier Personen angeboten.
Nach einer geruhsamen Nacht im Zimmer der Wahl werden in der Lobby entweder Snacks aus dem
Automaten angeboten oder ein Frühstück in der Lounge um nur 5 Euro - falls man es besonders
eilig hat gibt es das Frühstück auch zum Mitnehmen.
Wundert man sich, warum das Orange Wings viel günstiger als andere Hotels ist, so hat das
nicht mit Fehlkalkulationen der Betreiber zu tun, sondern viel mehr mit einem ausgeklügelten
System, das sich durch alle Ebenen des Hotels zieht. Die Investitionskosten pro Zimmer
belaufen sich auf nur 35.000 Euro, was etwa der Hälfte des in der Hotellerie üblichen
Baubudgets entspricht.
Diese günstigen Baukosten waren allerdings nur durch ein ausgetüfteltes technisches System
möglich. In eine Stahlgrundkonstruktion werden die vorgefertigten Zimmerboxen gesteckt.
Somit ist eine unglaublich kurze Bauzeit von nur 3 Monaten möglich. Aber auch wenn das
Hotel schon in Betrieb ist hört die Effizienz nicht auf: Mittels eines Industrie-Bus-Systems
wird jedes immer energetisch einzeln angesteuert. Somit kann jeder Gästeraum individuell
auf Online- oder Standby-Modus gestellt werden, je nach Bedürfnis des Nutzers. Auch das
Buchungssystem ist ungemein fortschrittlich und weltweit der einzig vollkommen personenlose
Buchungsvorgang. Die Kundendaten werden nach dem ersten Check-in auf einem Server in Wien
gespeichert und sind somit von allen anderen Orange-Wings-Standorten jederzeit abrufbar.
Die momentanen Standorte des modernen Hotels sind zwar „nur“ Wr. Neustadt und Krems, zwei
weitere Standorte befinden sich allerdings in Planung - nämlich in Hainburg/NÖ und Graz/Stmk.
Das Ziel des auf Franchise orientierten Hotels ist es, die nächsten zehn Jahre 70 bis 100
weitere Standorte in Europa zu schaffen. Grundauflage ist nur, dass ein Bedarf nach einem
Hotel dieser Art am gewünschten Standort herrscht. Am Beispiel der Arena Nova in Wr.
Neustadt ist klar zu sehen, was die Betreiber und Franchisegeber meinen: Das Dach der
Veranstaltungshalle wurde als Bauplatz für das Orange Wings gesehen, und es konnte auf
Räume für Restaurant- und Café-Bereich verzichtet werden, da diese ohnehin in der Arena
Nova vorhanden sind. Anders wurde das Hotel in Krems ausgeführt: Hier wurde dem im „Nirgendwo“
Rastenden ein „All-inclusive-Hotel“ gebaut: Cafébereich, Seminarräume, Veranstaltungshalle
und selbstverständlich Zimmer stehen dem Durchreisenden zu Verfügung. Möglicherweise ist
das Orange Wings das erste groß angelegte Franchiseprojekt im gastronomischen Bereich, das
auf ausgeklügelte Mitarbeiter-Beschäftigungsstrategien verzichtet und stattdessen das
Know-how verschiedener Professionen in einem gelungenen Produkt vereint.
Orange Wings
Standort Krems: Hofrat-Erben-Straße 4, A-3500 Krems
Standort Wr. Neustadt: Rudolf-Diesel-Straße 32, A-2700 Wr. Neustadt
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| Bauherr: |
BTB Beteiligungs- u. Errichtungs-G.m.b.H. |
| Planung: |
Josef Weichenberger |
| Mitarbeit: |
Verena Boyer, Friedrich Hähle, Rainer Enk |
| Statik: |
Bilek & Krischner |
| Grundstücksfläche |
3.850m² |
| Bebaute Fläche: |
1.000m² |
| Umbauter Raum: |
5.850m³ |
| Planungsbeginn: |
02. 2003 |
| Bauzeit: |
05. 2003-09. 2003 |
| Fertigstellung: |
09. 2003 |
| Bänke: |
Nappaleder, dunkelbraun |
| Außenlogo: |
Isolierglas mit Kaffeebohnen |
| Fotos: |
© Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB |
| Text: |
Sandra Knöbl |
Ausstattung:
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Elektrotechnische Planung des Objektes und Installation der gesamten Elektroanlage inkl. BUS-System: |
Osterbauer / Kirchschlag |