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Orange Wings


Orange Wings / Bilder: © Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB Orange Wings / Bilder: © Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB
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Orange Wings / Bilder: © Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB Orange Wings / Bilder: © Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB

Menschen, die beruflich viel Zeit in ihrem Auto und auf diversen Raststationen verbringen, kennen das Problem: Man sucht eine Unterkunft, die auf unnötigen Luxus verzichtet, aber trotzdem Sauberkeit und rationalen Komfort bietet. In Krems und Wiener Neustadt wurden in den letzten beiden Jahren zwei Hotels eröffnet, die genau diesen Vorstellungen entsprechen. Das Beherbergungsprinzip, genannt „Orange Wings“, baut dabei auf drei Schwerpunkte: Innovation, Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit.

Wer steht hinter Orange Wings? Einerseits das Unternehmen List General Contractor GmbH - dessen 250 Mitarbeiter 90 Prozent ihrer Leistungen im Ausland erbringen. Deswegen waren die Probleme und Wünsche Geschäftsreisender vertraut, und man wollte unnötig komplizierte Auslandsaufenthalte und zu hohe Hotelrechnungen in der Vergangenheit wissen. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Architekten Josef Weichenberger und jungen Absolventen der IMC-Tourismusfachhochschule in Krems wurde ein neues, straffes Hotelkonzept entwickelt. Es beginnt an der Rezeption, die es nämlich nicht gibt. Stattdessen checkt der Hotelgast bei einem „Hotelomat“ mittels Kredit- oder Bankomatkarte selbst ein, erhält daraufhin eine Chipkarte, die für die Dauer des gebuchten Aufenthaltes gültig ist und mit Tag der Abreise automatisch verfällt.
Gestrafft wurde auch am Sektor Mitarbeiter: Anstelle der wuselnden Schar des sonst üblichen Servier- und Dienstpersonals gibt es bei Orange-Wings-Hotels lediglich einen Mitarbeiter, der von 15-21 Uhr im Hotel ist, um etwaige Kundenfragen zu beantworten. Der Gast kann allerdings auch vom Hotelzimmer aus mittels Internet, das in den 42 Euro pro Übernachtung inkludiert ist, Anregungen und Beschwerden an die Hotelleitung mailen. Beschwerden bezüglich der Sauberkeit der Hotelräumlichkeiten wird es höchstwahrscheinlich nie geben - sobald der Gast ausgecheckt hat, wird eine ausgelagerte Reinigungsfirma über elektronische Dateninformation benachrichtigt, und das Zimmer wird unverzüglich gereinigt.
Neben Sauberkeit bieten die Zimmer außerdem Satellitenempfang, Pay TV, Radio und Spielstation. Die Zimmer selbst wurden in Krems und den Nachfolgern in Wr. Neustadt als 16 m2 große Standardzimmer mit Bad und getrennt begehbarem WC ausgeführt. Wünscht der Gast ein größeres Zimmer, so werden Appartements mit Kochnische für bis zu vier Personen angeboten.
Nach einer geruhsamen Nacht im Zimmer der Wahl werden in der Lobby entweder Snacks aus dem Automaten angeboten oder ein Frühstück in der Lounge um nur 5 Euro - falls man es besonders eilig hat gibt es das Frühstück auch zum Mitnehmen.
Wundert man sich, warum das Orange Wings viel günstiger als andere Hotels ist, so hat das nicht mit Fehlkalkulationen der Betreiber zu tun, sondern viel mehr mit einem ausgeklügelten System, das sich durch alle Ebenen des Hotels zieht. Die Investitionskosten pro Zimmer belaufen sich auf nur 35.000 Euro, was etwa der Hälfte des in der Hotellerie üblichen Baubudgets entspricht.
Diese günstigen Baukosten waren allerdings nur durch ein ausgetüfteltes technisches System möglich. In eine Stahlgrundkonstruktion werden die vorgefertigten Zimmerboxen gesteckt. Somit ist eine unglaublich kurze Bauzeit von nur 3 Monaten möglich. Aber auch wenn das Hotel schon in Betrieb ist hört die Effizienz nicht auf: Mittels eines Industrie-Bus-Systems wird jedes immer energetisch einzeln angesteuert. Somit kann jeder Gästeraum individuell auf Online- oder Standby-Modus gestellt werden, je nach Bedürfnis des Nutzers. Auch das Buchungssystem ist ungemein fortschrittlich und weltweit der einzig vollkommen personenlose Buchungsvorgang. Die Kundendaten werden nach dem ersten Check-in auf einem Server in Wien gespeichert und sind somit von allen anderen Orange-Wings-Standorten jederzeit abrufbar.
Die momentanen Standorte des modernen Hotels sind zwar „nur“ Wr. Neustadt und Krems, zwei weitere Standorte befinden sich allerdings in Planung - nämlich in Hainburg/NÖ und Graz/Stmk.
Das Ziel des auf Franchise orientierten Hotels ist es, die nächsten zehn Jahre 70 bis 100 weitere Standorte in Europa zu schaffen. Grundauflage ist nur, dass ein Bedarf nach einem Hotel dieser Art am gewünschten Standort herrscht. Am Beispiel der Arena Nova in Wr. Neustadt ist klar zu sehen, was die Betreiber und Franchisegeber meinen: Das Dach der Veranstaltungshalle wurde als Bauplatz für das Orange Wings gesehen, und es konnte auf Räume für Restaurant- und Café-Bereich verzichtet werden, da diese ohnehin in der Arena Nova vorhanden sind. Anders wurde das Hotel in Krems ausgeführt: Hier wurde dem im „Nirgendwo“ Rastenden ein „All-inclusive-Hotel“ gebaut: Cafébereich, Seminarräume, Veranstaltungshalle und selbstverständlich Zimmer stehen dem Durchreisenden zu Verfügung. Möglicherweise ist das Orange Wings das erste groß angelegte Franchiseprojekt im gastronomischen Bereich, das auf ausgeklügelte Mitarbeiter-Beschäftigungsstrategien verzichtet und stattdessen das Know-how verschiedener Professionen in einem gelungenen Produkt vereint.


Orange Wings

Standort Krems: Hofrat-Erben-Straße 4, A-3500 Krems

Standort Wr. Neustadt: Rudolf-Diesel-Straße 32, A-2700 Wr. Neustadt

Bauherr: BTB Beteiligungs- u. Errichtungs-G.m.b.H.
Planung: Josef Weichenberger
Mitarbeit: Verena Boyer, Friedrich Hähle, Rainer Enk
Statik: Bilek & Krischner
Grundstücksfläche 3.850m²
Bebaute Fläche: 1.000m²
Umbauter Raum: 5.850m³
Planungsbeginn: 02. 2003
Bauzeit: 05. 2003-09. 2003
Fertigstellung: 09. 2003
Bänke: Nappaleder, dunkelbraun
Außenlogo: Isolierglas mit Kaffeebohnen
Fotos: © Mark Steinmetz, Karl Grabherr, BTB
Text: Sandra Knöbl

Ausstattung:

Osterbauer / Kirchschlag

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