Aufenthalt in den zeitgenössisch interpretierten Wiener Zwanziger Jahren
Fabrilia movent orbem (Handwerk bewegt die Welt), so
lautet eine der lateinischen Inschriften aus dem Jahr 1915, die die Hauptfassade des in
einem Jugendstilgebäude in sezessionistischer Bauweise situierten Style Hotels in der
Herrengasse 12 in Wien ziert. Diese Inschrift stammt noch aus früheren Zeiten, als das
Gebäude als Bankgebäude von der Zivnostenská banka Prag 1914/19 nach Plänen des mährischen
Otto-Wagner-Schülers Franz Krásny errichtet wurde.
Handwerk in Form von perfekt ausgeführten
Detaillösungen, Kunstobjekten und Designer-Möbel findet sich zuhauf in diesem erst
kürzlich eröffneten Design-Hotel im Herzen der Wiener Inneren Stadt, und bewegt sind nicht
nur die Wiener Gemüter von den äußerst gelungenen neu gestalteten Räumlichkeiten.
Innerhalb von eineinhalb Jahren ist dem freistehenden Gebäude in einem der exklusivsten
und historisch interessantesten Palais-Straßenzüge des 1. Bezirks eine neue Nutzung zuteil
geworden. Während der Bauzeit ist man sich auch der Bedeutsamkeit des Gebäudes bewusst
geworden und es wurde unter Denkmalschutz gestellt.
Denkmalschutz bedeutet immer auch Bauen mit erschwerenden Auflagen und Restriktionen, doch
diese haben der Architekt Heribert Thanner, der mit der Gesamtplanung beauftragt war, und
die Londoner Innenarchitektin Maria Vafiadis wie selbstverständlich zu lösen gewusst. Der
Baubestand wurde in seiner Struktur bewusst erhalten und nur durch geringfügige Eingriffe
verändert. Detailgetreu nach alten Vorlagen wurde innen wie außen renoviert. Obwohl die
Eingriffe nur sanft sind, ergibt sich ein schlüssiges Raumkonzept für die neue Funktion als
Hotel.
Auf Eingangsniveau bilden die Lounge, Rezeption, Bar und das Restaurant die öffentlichen
Begegnungsorte, die als elegantes Ensemble verbunden wurden. 78 individuell gestaltete
Zimmer und Suiten in zeitgenössischem Design sind ebenso wie ein Besprechungsbereich mit
Blick auf das Palais Ferstel in den Obergeschoßen untergebracht.
Im ersten Untergeschoß sind der Fitnessraum und die finnische Sauna mit Entspannungsbereich
situiert. Die dicken, schweren Tresortüren aus der ehemaligen Bank wurden erhalten und
muten nach neuem Design an.
Der farbliche Eindruck des Style Hotel ist warm und erdig. Heimelig und ein wenig
„maskulin“ ziehen sich die Farben Braun, Ocker und Beige durch das ganze Hotel. Edle
Materialien wie Marmor, Alabaster, Onyx, dunkles Holz, Leder, Samt, Seide und Kristall
erinnern an Königsmärchen und begleiten den Gast durchs ganze Haus.
Der öffentliche Bereich
Der früher als Kassenhalle genutzte ovale Raum im
Zentrum des Hotels bildet heute die Lounge des Hotels. Lange Öffnungen geben den Blick
bereits beim Betreten durch den aus Teilen der Originaltüre bestehenden Haupteingang in das
Herz des Hotels frei. Hier befindet sich linker Hand der zur Erschließung der Zimmer
eingebaute Doppellift. Auf allen Seiten verspiegelt wird die Präsenz des wohl größten
baulichen Eingriffs in die Substanz optisch aufgehoben. Genau gegenüber wurde ein
„Weinkeller“ in einem Glaskubus symmetrisch angeordnet. 600 erlesene Flaschen Wein
finden hier sichtbar für alle Platz. Der Parkettboden und die Wandverkleidung in diesem
Ovalraum sind aus geräucherter Eiche. Eine Einlegearbeit aus Glas im Bodenbelag setzt im
Lobbybereich wohl das stärkste Zeichen. Während des Tages wechselt dieses Mosaik die
Farben und erstrahlt immer wieder in neuen Erscheinungen. Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden
zeigen alltägliche Momente der Stadt in künstlerischen Abbildungen. Werke von
österreichischen Künstlern runden das geschmackvoll zusammengestellte Ensemble ab.
Hinter dem gläsernen „Weinkeller“ befindet sich die lang gestreckte Bar.
Sie gliedert sich in einen gemütlichen Sitzbereich, der Bar selbst aus hinterleuchtetem
Alabaster mit dovor gruppierten Stehtischen und einem Bereich rund um den Kamin. Besonders
viel Wert wurde hier wie auch im Restaurant auf das Spiel mit dem steuerbaren Licht gelegt.
Italienische Eleganz erwartet den Gast im italienischen Gourmet-Restaurant Sapori, welches
die Hotelgäste sowohl vom Wohlfühlfaktor als auch die Gaumenfreuden betreffend verwöhnt.
Eine tragende Stütze in der Mitte des Raumes wird von einem in großer Geste drapiertem
changierenden Vorhang verdeckt. Der Parkettboden aus geräucherter Eiche ist im
Schachbrettmuster aus 1,2 m langen Dielen verlegt und vermittelt Landhausflair.
Die Hotelzimmer und Suiten
Da das Gebäude freistehend ist, öffnet sich jedes
Zimmer mit großzügigen Fensterflächen zu einer der vier umgebenden Straßen und gibt den
Blick frei auf die gewachsene historische Bebauung des 1. Wiener Bezirks.
Alle Räume zeichnen sich durch ihre hohen Raumhöhen aus. Grundriss und Größe sind bei jedem
Zimmer individuell. Es versteht sich von selbst, dass die technische Ausstattung vom
Flachbildschirm, CD/DVD-Player über kabellose Highspeed-Internetverbindung alle Stückerl
spielt. Handgetufte Teppichböden in den Zimmern und den Korridoren dämpfen die Geräusche
und vermitteln Gemütlichkeit.
Die eher kleinen Badezimmer wirken durch ihre großzügigen Verspiegelungen dennoch nicht
beengend, sie sind elegant mit Bisazza-Fliesen ausgestattet. Die Waschtische bestehen aus
spanischem Empirator-Marmor. Fußboden- und Spiegelheizung wärmen angenehm und erleichtern
das Leben.
Ganz im Gedankengut der Errichtungszeiten, wo der für die Wiener Moderne frühe
Stahlbetonbau bereits mit dazumal innovativster Technik und modernstem Komfort
ausgestattet war und somit heute als technisches Denkmal erachtet wird, ist das Hotel
technisch mit den neuesten Technologien bezüglich Klimatisierung und Lichtsteuerung
ausgestattet. Heute werden der gesamte Dachraum, das zweite Untergeschoß sowie Teile des
ersten Untergeschoßes, d. h. ca. 1.100 m2 der insgesamt 3.500 m2 von Technikeinrichtungen
belegt.
Das Ergebnis der Zusammenarbeit des Wiener Architekten und der Londoner Architektin
verleihen ein exklusives Lebensgefühl. Das atmosphärische Hotel der Luxusklasse,
ausgestattet mit edelsten Materialien und Designerstücken, die ein heimeliges Ambiente
schaffen, sollte nicht nur internationalen Geschäftsreisenden und Privatgästen vorbehalten
bleiben. Allen, die Design lieben, sei empfohlen einen Blick in die Herrengasse 12 zu
werfen. Zurückversetzt in die Zwanzigerjahre, kann man hier Lifestyle erleben!
Style Hotel
A-1010 Wien, Herrengasse 12
|
| Betreiber/Bauherr: |
WSF Boutique Hotel G.m.b.H., Herbert Haselbacher |
Planung (Ausführung, Projektsteuerung, Detailplanung): |
THANNER Workgroup, Heribert Thanner, Wien |
| Mitarbeiter: |
Wolfgang Hann |
Abbruch-, Baumeister-, u. Stahlbauarbeiten: |
Millik & Neffe |
| Innenraumdesign: |
MKV Design: Maria Vafiadis, London, Andrea Haselbacher, Wien |
| Grundstücksfläche |
536m² |
| Bebaute Fläche: |
536m² |
| Umbauter Raum: |
14.874m³ |
| Planungsbeginn: |
Februar 2003 |
| Bauzeit: |
16 Monate |
| Verglasungen: |
ESG-Verglasungen, Apfelgrün lackiert |
| Farben: |
Mandarine, Apfelgrün |
| Fotos: |
© Marcel Gonzales-Ortiz |
| Text: |
Katharina Tielsch |
Ausstattung:
|
Gesamte textile Ausstattung in Zimmern und öffentl. Bereich: |
Backhausen |
Hotelsoftware, Fidelio/OPERA Restaurantsystem: |
MICROS 3700: Hugin Sweda |
| Mobile Beleuchtung: |
Vargha Leuchten G.m.b.H. |
| Beleuchtung Einbau: |
L-Tech G.m.b.H. |
| Parkettboden: |
Gager |
| Heizung/Klima/Sanitär: |
Offner G.m.b.H. |
| Zimmer-, und Badmöbel: |
Wolte@Hotel G.m.b.H. |