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Style Hotel Wien


Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz
Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz
Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz Style Hotel / Bilder: © Marcel Gonzales-Ortiz

Aufenthalt in den zeitgenössisch interpretierten Wiener Zwanziger Jahren

Fabrilia movent orbem (Handwerk bewegt die Welt), so lautet eine der lateinischen Inschriften aus dem Jahr 1915, die die Hauptfassade des in einem Jugendstilgebäude in sezessionistischer Bauweise situierten Style Hotels in der Herrengasse 12 in Wien ziert. Diese Inschrift stammt noch aus früheren Zeiten, als das Gebäude als Bankgebäude von der Zivnostenská banka Prag 1914/19 nach Plänen des mährischen Otto-Wagner-Schülers Franz Krásny errichtet wurde.

Handwerk in Form von perfekt ausgeführten Detaillösungen, Kunstobjekten und Designer-Möbel findet sich zuhauf in diesem erst kürzlich eröffneten Design-Hotel im Herzen der Wiener Inneren Stadt, und bewegt sind nicht nur die Wiener Gemüter von den äußerst gelungenen neu gestalteten Räumlichkeiten. Innerhalb von eineinhalb Jahren ist dem freistehenden Gebäude in einem der exklusivsten und historisch interessantesten Palais-Straßenzüge des 1. Bezirks eine neue Nutzung zuteil geworden. Während der Bauzeit ist man sich auch der Bedeutsamkeit des Gebäudes bewusst geworden und es wurde unter Denkmalschutz gestellt.
Denkmalschutz bedeutet immer auch Bauen mit erschwerenden Auflagen und Restriktionen, doch diese haben der Architekt Heribert Thanner, der mit der Gesamtplanung beauftragt war, und die Londoner Innenarchitektin Maria Vafiadis wie selbstverständlich zu lösen gewusst. Der Baubestand wurde in seiner Struktur bewusst erhalten und nur durch geringfügige Eingriffe verändert. Detailgetreu nach alten Vorlagen wurde innen wie außen renoviert. Obwohl die Eingriffe nur sanft sind, ergibt sich ein schlüssiges Raumkonzept für die neue Funktion als Hotel.
Auf Eingangsniveau bilden die Lounge, Rezeption, Bar und das Restaurant die öffentlichen Begegnungsorte, die als elegantes Ensemble verbunden wurden. 78 individuell gestaltete Zimmer und Suiten in zeitgenössischem Design sind ebenso wie ein Besprechungsbereich mit Blick auf das Palais Ferstel in den Obergeschoßen untergebracht.
Im ersten Untergeschoß sind der Fitnessraum und die finnische Sauna mit Entspannungsbereich situiert. Die dicken, schweren Tresortüren aus der ehemaligen Bank wurden erhalten und muten nach neuem Design an.
Der farbliche Eindruck des Style Hotel ist warm und erdig. Heimelig und ein wenig „maskulin“ ziehen sich die Farben Braun, Ocker und Beige durch das ganze Hotel. Edle Materialien wie Marmor, Alabaster, Onyx, dunkles Holz, Leder, Samt, Seide und Kristall erinnern an Königsmärchen und begleiten den Gast durchs ganze Haus.

Der öffentliche Bereich

Der früher als Kassenhalle genutzte ovale Raum im Zentrum des Hotels bildet heute die Lounge des Hotels. Lange Öffnungen geben den Blick bereits beim Betreten durch den aus Teilen der Originaltüre bestehenden Haupteingang in das Herz des Hotels frei. Hier befindet sich linker Hand der zur Erschließung der Zimmer eingebaute Doppellift. Auf allen Seiten verspiegelt wird die Präsenz des wohl größten baulichen Eingriffs in die Substanz optisch aufgehoben. Genau gegenüber wurde ein „Weinkeller“ in einem Glaskubus symmetrisch angeordnet. 600 erlesene Flaschen Wein finden hier sichtbar für alle Platz. Der Parkettboden und die Wandverkleidung in diesem Ovalraum sind aus geräucherter Eiche. Eine Einlegearbeit aus Glas im Bodenbelag setzt im Lobbybereich wohl das stärkste Zeichen. Während des Tages wechselt dieses Mosaik die Farben und erstrahlt immer wieder in neuen Erscheinungen. Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden zeigen alltägliche Momente der Stadt in künstlerischen Abbildungen. Werke von österreichischen Künstlern runden das geschmackvoll zusammengestellte Ensemble ab.
Hinter dem gläsernen „Weinkeller“ befindet sich die lang gestreckte Bar.
Sie gliedert sich in einen gemütlichen Sitzbereich, der Bar selbst aus hinterleuchtetem Alabaster mit dovor gruppierten Stehtischen und einem Bereich rund um den Kamin. Besonders viel Wert wurde hier wie auch im Restaurant auf das Spiel mit dem steuerbaren Licht gelegt.
Italienische Eleganz erwartet den Gast im italienischen Gourmet-Restaurant Sapori, welches die Hotelgäste sowohl vom Wohlfühlfaktor als auch die Gaumenfreuden betreffend verwöhnt. Eine tragende Stütze in der Mitte des Raumes wird von einem in großer Geste drapiertem changierenden Vorhang verdeckt. Der Parkettboden aus geräucherter Eiche ist im Schachbrettmuster aus 1,2 m langen Dielen verlegt und vermittelt Landhausflair.

Die Hotelzimmer und Suiten

Da das Gebäude freistehend ist, öffnet sich jedes Zimmer mit großzügigen Fensterflächen zu einer der vier umgebenden Straßen und gibt den Blick frei auf die gewachsene historische Bebauung des 1. Wiener Bezirks.
Alle Räume zeichnen sich durch ihre hohen Raumhöhen aus. Grundriss und Größe sind bei jedem Zimmer individuell. Es versteht sich von selbst, dass die technische Ausstattung vom Flachbildschirm, CD/DVD-Player über kabellose Highspeed-Internetverbindung alle Stückerl spielt. Handgetufte Teppichböden in den Zimmern und den Korridoren dämpfen die Geräusche und vermitteln Gemütlichkeit.
Die eher kleinen Badezimmer wirken durch ihre großzügigen Verspiegelungen dennoch nicht beengend, sie sind elegant mit Bisazza-Fliesen ausgestattet. Die Waschtische bestehen aus spanischem Empirator-Marmor. Fußboden- und Spiegelheizung wärmen angenehm und erleichtern das Leben.
Ganz im Gedankengut der Errichtungszeiten, wo der für die Wiener Moderne frühe Stahlbetonbau bereits mit dazumal innovativster Technik und modernstem Komfort ausgestattet war und somit heute als technisches Denkmal erachtet wird, ist das Hotel technisch mit den neuesten Technologien bezüglich Klimatisierung und Lichtsteuerung ausgestattet. Heute werden der gesamte Dachraum, das zweite Untergeschoß sowie Teile des ersten Untergeschoßes, d. h. ca. 1.100 m2 der insgesamt 3.500 m2 von Technikeinrichtungen belegt.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit des Wiener Architekten und der Londoner Architektin verleihen ein exklusives Lebensgefühl. Das atmosphärische Hotel der Luxusklasse, ausgestattet mit edelsten Materialien und Designerstücken, die ein heimeliges Ambiente schaffen, sollte nicht nur internationalen Geschäftsreisenden und Privatgästen vorbehalten bleiben. Allen, die Design lieben, sei empfohlen einen Blick in die Herrengasse 12 zu werfen. Zurückversetzt in die Zwanzigerjahre, kann man hier Lifestyle erleben!


Style Hotel

A-1010 Wien, Herrengasse 12

WSF Boutique Hotel G.m.b.H.,
Herbert Haselbacher
THANNER Workgroup,
Heribert Thanner, Wien
Mitarbeiter: Wolfgang Hann
Millik & Neffe
MKV Design: Maria Vafiadis, London,
Andrea Haselbacher, Wien
Grundstücksfläche 536m²
Bebaute Fläche: 536m²
Umbauter Raum: 14.874m³
Planungsbeginn: Februar 2003
Bauzeit: 16 Monate
Verglasungen: ESG-Verglasungen, Apfelgrün lackiert
Farben: Mandarine, Apfelgrün
Fotos: © Marcel Gonzales-Ortiz
Text: Katharina Tielsch

Ausstattung:

Backhausen
MICROS 3700: Hugin Sweda
Mobile Beleuchtung: Vargha Leuchten G.m.b.H.
Beleuchtung Einbau: L-Tech G.m.b.H.
Parkettboden: Gager
Heizung/Klima/Sanitär: Offner G.m.b.H.
Zimmer-, und Badmöbel: Wolte@Hotel G.m.b.H.

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