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Theresia Gartenhotel
Internationalität, Regionalität und Leidenschaft -
um nur einige Merkmale dieses renommierten Hauses zu nennen.
Architektonisch bizarr anmutende Bettenhochburgen mit
erschlagendem Angebot am Gesundheits- und Schönheitssektor sind das täglich Brot in der
österreichischen Tourismuslandschaft. Dass Geschmack, Stil und Lebensfreude für
Alpinhotelbetreiber das verführerischste Erfolgsrezept sein können, zeigen Marianne und
Harald Brettermeier. Das Hotelierpaar führt das 1980 erbaute Theresia Gartenhotel und
Aparthotel im wunderschönen Hinterglemm. Selbstredend ist, dass sich die formale Sprache
touristischer Institutionen die letzten 25 Jahre gravierend veränderte. Und so kam es,
dass ein in Wien lebender Stammgast - seines Zeichens engagierter und weltoffener Architekt
- von den Hoteliers nach seiner fachkundigen Meinung über ihr Hotel befragt und schließlich
auch mit dem Umbau des Gartenhotels beauftragt wurde. Der Architekturschaffende versuchte
sensibel mögliche positive Änderungen der Bausubstanz vorzuschlagen, ohne den Bestand in
seiner ursprünglichen Erscheinung herabsetzen zu wollen. Vielmehr sollten die Erneuerungen
den Anspruch der internationalen Gäste widerspiegeln - von Alpinkitsch musste unbedingt
abgesehen werden und stattdessen das Hotelangebot in der neuen Architektur abzulesen sein.
Nun stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie denn Kitsch zu definieren sei? Der Duden tut
es folgendermaßen: der Kitsch: geschmacklos empfundenes Produkt der Kunst. Genau das sollte
das neue Theresia Gartenhotel also nicht vermitteln, sondern vielmehr dem Anspruch an
zeitgemäße Tradition nachkommen. In zwei Bauetappen machte man sich an die Arbeit: zuerst
erhielten die öffentlichen Bereiche Halle, Bar und Buffet ein architektonisches Facelifting,
in der zweiten Phase kamen Sanitärbereiche und Erschließungszonen wie das Stiegenhaus unter
das Skalpell des Architekten.
Dem ursprünglichen Hotel lagerte man einen neuen Raum vor und setzte neue Eingänge. Somit
präsentiert sich das Gartenhotel nach der ersten Umbauphase mit einem neuen, einladenderen
Gesicht, und auch nach Betreten der Halle wird dieser Eindruck weitervermittelt. Diese
Halle gibt sich einerseits introvertiert, andererseits extrovertiert, was durch
unterschiedliche Sitzgruppen sowie offene Teilbereiche vermittelt wird.
Doch um noch einmal auf das Thema Kitsch zurückzukommen: liebe Leser, können Sie sich ein
alpines Bildmotiv fern des Kitsches vorstellen? Andy Warhol konnte es, und nachdem der
Bauherr und Hotelier ein Kunstliebhaber ist und er seine visuellen Freuden gerne mit den
Gästen teilt, schmückt der Wahrholdruck der prominenten violetten Kuh als „Pinzgaureferenz“
eine Wand im Barbereich. Und wo eine Kuh auftaucht ist natürlich auch ein Kuhfell nicht
allzu weit entfernt, und somit scheint die Entscheidung, die Barhocker mit Kuhfellimitaten
zu überziehen, als ironischer Seitenhieb auf alpinistische Formalismen interpretierbar zu
sein.
Weniger ironisch als vielmehr unglaublich sensibel wurde auf Lichtstimmungen im gesamten
Haus eingegangen. Es nimmt den Anschein, dass der Architekt weniger mit einem Bleistift
sondern gewissermaßen mit Licht zeichnet. Gleich wenn der Gast die Lobby betritt, wird er
von einer Rezeptionistin begrüßt, hinter deren Rücken es in allen Farben leuchtet.
Verantwortlich für diesen „Alice-im-Wunderland-Effekt“ zeichnet eine Folie, hinter der
steuerbare Lichtquellen angebracht sind, die unterschiedlichste „emotionale“
Lichtstimmungen simulieren können. Dass Licht auch Freuden des Gaumens beeinflussen kann
zeigt die Resonanz der Hotelgäste: Seit dem Umbau „schmeckt das Buffet viel besser“, was
vermutlich auf die speziell für dieses Haus entworfenen Lampen im Buffetbereich
zurückzuführen ist. Das Außergewöhnliche an diesen Leuchtkörpern ist nicht ihre
zylindrische Form, sondern ihr Material, das aus Holzfurnier besteht. Eine Eigenschaft
dieses Werkstoffes ist seine Porosität und Lichtdurchlässigkeit. Außerdem spiegeln sich
die linear angeordneten Lampen in der dunklen, glatten Decke wider, was dem Raum
zusätzliche Tiefenwirkung gibt.
Wirkungsvoll sind auch die schlichten Möbel inszeniert: Sie bestechen durch ihre klaren
Formen, und anstelle rustikaler Eiche oder Kiefer wählte der Architekt die moderne wie
elegante Buche für seine Möbellinie. Konsequent schlicht fand auch der Umbau der Zimmer
statt, die keine Änderung in der Raumkonfiguration erfuhren, sondern lediglich neu
ausgestattet wurden. In den zugehörigen Bädern dominieren dunkle Natursteinplatten,
während man auf sonst übliche Verfliesung verzichtete und stattdessen unterschiedlich
verarbeitete Gläser zum Einsatz brachte.
Dieses Hotel scheint spielbar internationales Flair in eine provinzielle Ecke Österreichs
zu bringen - einerseits durch konsequente und wohlüberlegte Architektur, andererseits
durch ein mehrsprachiges Mitarbeiterteam sowie herausragende Gäste- plus Kinderbetreuung.
Und der „Carpe Diem“ Wellbeing Award 2004 hebt das Hotel in die Höhen der „55 Besten der
Besten“ gehobenen 4- und 5-Sterne-Hotels in den Bereichen Beauty, Spa und Wellness im
Alpenraum.
Theresia Gartenhotel
Glemmtaler Landesstr. 208, A-5754 Saalbach/Hinterglemm
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| Bauherr: |
Hotel Theresia G.m.b.H. |
| Planung: |
Atelier Pichelmann, Wien |
| Planung Umbau Gartenhotel: |
Gustav Pichelmann, Wien |
| Mitarbeiter: |
N. Anzenberger, K. Huber, J. Sobek |
| Fotos: |
© Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter |
| Text: |
Sandra Knöbl |
Ausstattung:
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| GU für Innenausbau: |
Cserni Wohnen |
| Heizung, Lüftung: |
Fahrner AG |
| Lampenbau: |
Vargha Leuchten G.m.b.H. |
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