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Theresia Gartenhotel


Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter
Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter
Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter Theresia Gartenhotel / Bilder: © Archiv Hotel, Fa. Felder Images, Karl Schrotter

Internationalität, Regionalität und Leidenschaft - um nur einige Merkmale dieses renommierten Hauses zu nennen.

Architektonisch bizarr anmutende Bettenhochburgen mit erschlagendem Angebot am Gesundheits- und Schönheitssektor sind das täglich Brot in der österreichischen Tourismuslandschaft. Dass Geschmack, Stil und Lebensfreude für Alpinhotelbetreiber das verführerischste Erfolgsrezept sein können, zeigen Marianne und Harald Brettermeier. Das Hotelierpaar führt das 1980 erbaute Theresia Gartenhotel und Aparthotel im wunderschönen Hinterglemm. Selbstredend ist, dass sich die formale Sprache touristischer Institutionen die letzten 25 Jahre gravierend veränderte. Und so kam es, dass ein in Wien lebender Stammgast - seines Zeichens engagierter und weltoffener Architekt - von den Hoteliers nach seiner fachkundigen Meinung über ihr Hotel befragt und schließlich auch mit dem Umbau des Gartenhotels beauftragt wurde. Der Architekturschaffende versuchte sensibel mögliche positive Änderungen der Bausubstanz vorzuschlagen, ohne den Bestand in seiner ursprünglichen Erscheinung herabsetzen zu wollen. Vielmehr sollten die Erneuerungen den Anspruch der internationalen Gäste widerspiegeln - von Alpinkitsch musste unbedingt abgesehen werden und stattdessen das Hotelangebot in der neuen Architektur abzulesen sein.
Nun stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie denn Kitsch zu definieren sei? Der Duden tut es folgendermaßen: der Kitsch: geschmacklos empfundenes Produkt der Kunst. Genau das sollte das neue Theresia Gartenhotel also nicht vermitteln, sondern vielmehr dem Anspruch an zeitgemäße Tradition nachkommen. In zwei Bauetappen machte man sich an die Arbeit: zuerst erhielten die öffentlichen Bereiche Halle, Bar und Buffet ein architektonisches Facelifting, in der zweiten Phase kamen Sanitärbereiche und Erschließungszonen wie das Stiegenhaus unter das Skalpell des Architekten.
Dem ursprünglichen Hotel lagerte man einen neuen Raum vor und setzte neue Eingänge. Somit präsentiert sich das Gartenhotel nach der ersten Umbauphase mit einem neuen, einladenderen Gesicht, und auch nach Betreten der Halle wird dieser Eindruck weitervermittelt. Diese Halle gibt sich einerseits introvertiert, andererseits extrovertiert, was durch unterschiedliche Sitzgruppen sowie offene Teilbereiche vermittelt wird.
Doch um noch einmal auf das Thema Kitsch zurückzukommen: liebe Leser, können Sie sich ein alpines Bildmotiv fern des Kitsches vorstellen? Andy Warhol konnte es, und nachdem der Bauherr und Hotelier ein Kunstliebhaber ist und er seine visuellen Freuden gerne mit den Gästen teilt, schmückt der Wahrholdruck der prominenten violetten Kuh als „Pinzgaureferenz“ eine Wand im Barbereich. Und wo eine Kuh auftaucht ist natürlich auch ein Kuhfell nicht allzu weit entfernt, und somit scheint die Entscheidung, die Barhocker mit Kuhfellimitaten zu überziehen, als ironischer Seitenhieb auf alpinistische Formalismen interpretierbar zu sein.
Weniger ironisch als vielmehr unglaublich sensibel wurde auf Lichtstimmungen im gesamten Haus eingegangen. Es nimmt den Anschein, dass der Architekt weniger mit einem Bleistift sondern gewissermaßen mit Licht zeichnet. Gleich wenn der Gast die Lobby betritt, wird er von einer Rezeptionistin begrüßt, hinter deren Rücken es in allen Farben leuchtet. Verantwortlich für diesen „Alice-im-Wunderland-Effekt“ zeichnet eine Folie, hinter der steuerbare Lichtquellen angebracht sind, die unterschiedlichste „emotionale“ Lichtstimmungen simulieren können. Dass Licht auch Freuden des Gaumens beeinflussen kann zeigt die Resonanz der Hotelgäste: Seit dem Umbau „schmeckt das Buffet viel besser“, was vermutlich auf die speziell für dieses Haus entworfenen Lampen im Buffetbereich zurückzuführen ist. Das Außergewöhnliche an diesen Leuchtkörpern ist nicht ihre zylindrische Form, sondern ihr Material, das aus Holzfurnier besteht. Eine Eigenschaft dieses Werkstoffes ist seine Porosität und Lichtdurchlässigkeit. Außerdem spiegeln sich die linear angeordneten Lampen in der dunklen, glatten Decke wider, was dem Raum zusätzliche Tiefenwirkung gibt.
Wirkungsvoll sind auch die schlichten Möbel inszeniert: Sie bestechen durch ihre klaren Formen, und anstelle rustikaler Eiche oder Kiefer wählte der Architekt die moderne wie elegante Buche für seine Möbellinie. Konsequent schlicht fand auch der Umbau der Zimmer statt, die keine Änderung in der Raumkonfiguration erfuhren, sondern lediglich neu ausgestattet wurden. In den zugehörigen Bädern dominieren dunkle Natursteinplatten, während man auf sonst übliche Verfliesung verzichtete und stattdessen unterschiedlich verarbeitete Gläser zum Einsatz brachte.
Dieses Hotel scheint spielbar internationales Flair in eine provinzielle Ecke Österreichs zu bringen - einerseits durch konsequente und wohlüberlegte Architektur, andererseits durch ein mehrsprachiges Mitarbeiterteam sowie herausragende Gäste- plus Kinderbetreuung. Und der „Carpe Diem“ Wellbeing Award 2004 hebt das Hotel in die Höhen der „55 Besten der Besten“ gehobenen 4- und 5-Sterne-Hotels in den Bereichen Beauty, Spa und Wellness im Alpenraum.


Theresia Gartenhotel

Glemmtaler Landesstr. 208, A-5754 Saalbach/Hinterglemm

Bauherr: Hotel Theresia G.m.b.H.
Planung: Atelier Pichelmann, Wien
Planung Umbau Gartenhotel: Gustav Pichelmann, Wien
Mitarbeiter: N. Anzenberger, K. Huber, J. Sobek
© Archiv Hotel, Fa. Felder Images,
Karl Schrotter
Text: Sandra Knöbl

Ausstattung:

GU für Innenausbau: Cserni Wohnen
Heizung, Lüftung: Fahrner AG
Lampenbau: Vargha Leuchten G.m.b.H.

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