Ausgereizte Grundstücksgrenzen, ein moderner Bauherr
und ein kompaktes Raumprogramm stellten die Ausgangssituation für das seit Herbst 2004
finalisierte Skihotel Galzig dar.
Im Augenblick ist kulturell und architektonisch
einiges los im Westen Österreichs. In Innsbruck teilen sich die Lager momentan in pro und
kontra Weltkulturerbe-Verfechter, am 14. Jänner 2005 übersiedelte das Architekturforum
Tirol in das umgebaute Innsbrucker Sudhaus Adambräu, der Architekt Anton Pöschl plante das
renommierte Antonhotel in St. Anton fern von geschnitzter Tiroler Balkontradition,
driendl*architects realisierten das Stahl-Holz-Glas dominierte Hotel Lux Alpinae, und im
November 2004 wurde ein weiteres Hotel eröffnet, das Tiroler Tradition neu interpretiert.
Der junge und ambitionierte Architekt Karl Fahner und sein OFA-Architektur-Team wurden 1999
mit der Planung eines Skihotels im Herzen St. Antons beauftragt, dessen zentraler Standort
durch das Auflassen des alten Bahnhofes im Zuge der Ski-WM 2001 ermöglicht wurde. Das
Zentrum des bekannten Skiortes setzt sich aus Handelsgeschäften, Banken, Hotels, Restaurants
und Ski- wie Souvenirgeschäften zusammen. Der unmittelbarste Nachbar des Skihotels Galzig
ist einerseits eine Talstation - was dem Hotelgast das Vergnügen schafft, beinahe bis in die
Lobby fahren zu können - und andererseits das Hotel Anton, das 2002 fertig gestellt wurde.
Bei der Planung des Skihotels Galzig peilte man ein Gebäude an, das zwar die
zeitgenössische Architektursprache des Hotel Anton aufnimmt, man versuchte allerdings mit
ruhigeren und vor allem weniger Materialien auszukommen. Die Bauherren, aufgrund ihrer
beruflichen Tätigkeit in der Ski- und Modewelt mit modernem Design vertraut, wünschten sich,
dass ihr Hotel in der Materialwahl zwar traditionell sein soll, aber keinesfalls in Richtung
Tirol-Kitsch auszulegen sei. Die Baudurchführung erschien anfangs zwar äußerst schwierig, da
die Grundstücksgrenzen ausgereizt waren, durch ein ausgeklügeltes Aufteilen der
Hotelfunktionen auf fünf Geschoße konnte das gewünschte Raumprogramm allerdings in das
12.000 m3 umfassende Gebäude aufgeteilt werden. Im 2. Untergeschoß ist eine Tiefgarage
untergebracht, die auch noch ein Drittel des 1. Untergeschoßes einnimmt, die restlichen
beiden Drittel beherbergen einen Saunabereich mit Sanitäranlagen und Räumlichkeiten für Ski
und Schuhe sowie Lagermöglichkeiten. Das Erdgeschoß des als 4-Sterne-Garni geführten Hotels
wurde zur Gänze verglast, um einen Durchblick durch das Hotel zu ermöglichen und die
Geschehnisse dieser Zone, wie auch die in der Fassade ablesbare Stiege, nach außen zu
transportieren. Dem Hotelgast stehen auf dieser Ebene Rezeption, Lounge- und
Frühstücksbereich sowie zwei Junior-Suiten zur Verfügung. Außerdem ist auf dieser Ebene ein
Mietlokal untergebracht, das mittlerweile an eine Parfümerie verpachtet wurde. Über einen
freistehenden Liftturm und das Treppenhaus gelangt man in die oberen zwei Geschoße sowie in
das ausgebaute Dachgeschoß, wo die restlichen 3 Junior-Suiten, ein Appartement und 16
Doppelzimmer untergebracht sind. Von außen betrachtet scheinen die drei oberen Stockwerke
über ihrem gläsernen Sockel zu schweben, und die feine Lärchenholzbeplankung plus filigran
gerahmte Edelstahlbalkone unterstreichen diesen Eindruck. Die Zimmer selbst sind heimelig
und doch schlicht eingerichtet. Die kubische Möblierung wurde aus Kalkeiche gefertigt, die
Böden sind mit dunkel gebeiztem Eichenparkett ausgelegt, während die Wände in frischem Weiß
erstrahlen und von zeitgenössischer - jedoch nicht superabstrakten - Kunst geziert werden.
Um den Gästen immer wieder bewusst zu machen, dass sie sich in einer der schönsten
Berglandschaften Österreichs befinden, wurde versucht, von Standardzimmern abzusehen, und
stattdessen kann jeder Gast durch übergroße Schiebetüren eine grandiose Aussicht auf die
Natur genießen. Der Neubau eines Projektes wie diesem dürfte auch die ansässigen
Professionisten erfreut haben: Die vom OFA-Team gestaltete Innenarchitektur wurde
ausschließlich von heimischen Handwerkern umgesetzt, und es wurden Materialien wie der in
Südtirol gewonnene Silberquarzit verwendet.
Obwohl sich dieses junge Hotel „Skihotel“ nennt, und es ja erst eine Wintersaison alt ist,
soll es auch in den Monaten Juni bis September dem wanderfreudigen Bergvolk als moderne
Herberge zur Verfügung stehen.
Und die Gäste wird dies erquicken, denn seit der Eröffnung im November 2004 ist es
permanent ausgebucht, auch wenn einige alteingesessene Hoteliers von St. Anton das Skihotel
Galzig als Beleidigung des Auges empfinden - die Zeiten hinsichtlich montaner Formensprache
ändern sich erfreulicherweise, und die internationalen Gäste geben den Bauherren wie auch
dem Planer recht.