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Hotel Pension Perfler


Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter
Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter
Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter Hotel Pension Perfler / Bilder: © Wolfgang Retter

Authentischer Minimalismus, oder: Was bedeutet Tradition im Tourismus, und fühlen sich nur an einem Überschuss an Kultur leidende Urbanisten in minimalistischen Hotelräumen wohl? Möglicherweise kann ein Pensionsbetreiber aus Sillian diese Fragen beantworten, denn er hat eine architektonische Perle realisiert.

Sillian ist eine 2.082 Einwohner zählende Gemeinde, die durch ihre geografische Lage anziehend und attraktiv ist. Einerseits passieren viele Motorradbegeisterte auf ihrem Weg in die nahe gelegenen Südtiroler Dolomiten den Ort. Andererseits pilgern jährlich unzählige Städter, Sommer wie Winter, nach Sillian, um unterschiedlichsten sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Trotz seiner idyllischen Ausstrahlung ist Sillian jedoch keineswegs ein verschlafenes Dorf - zeitgemäß präsentiert man sich im Internet, und selbst die Gemeindenachrichten namens „Einblick“ sind neben der Papierausgabe auch als Internetzeitung erhältlich.
Die vormals Privatzimmer vermietende Pension Perfler ist ein Mosaikstein im virtuell fortschrittlich erscheinenden Sillian und zeigt sich seit Herbst 2004 in neuen Kleidern. Durch motivierende Worte von Gästeseite sahen sich die Betreiber erstmals 2002 angespornt, ihr Haus zu verändern. Vorerst beschränkten sich mögliche Bauvorhaben allerdings auf die Errichtung eines Wintergartens und Renovierungsarbeiten im kleinen Maßstab. Doch wie schon so oft brachte die Bereitschaft kleiner Veränderungen an der Bausubstanz plötzlich einen architektonischen Stein ins Rollen: Die Betreiber der Pension kamen zu der Einsicht, dass sie unbedingt einen Architekten brauchen. Nach einigem Umhören und vor allem Umschauen war der zukünftige Planer in Peter Jungmann auch gefunden. Zwei Jahre lang tüftelte der Architekt mit seinen Auftraggebern an einem Projekt, das eine moderne und außergewöhnliche Formensprache rezitieren sollte. Und im März 2004 war es dann so weit: in 2 kurzen Bauphasen wurde die ursprüngliche Pension Perfler um ein sonnendurchflutetes, freundliches und vor allem holzdominiertes Haus ergänzt. Das alte Haus erhielt eine Erweiterung, die mit Schlichtheit und für dieses Bauvorhaben perfekter Materialwahl besticht. Das „Basishaus“, eine klassische Einfamilienhausbebauung aus den Nachkriegsjahren, unterzog man einer zeitgenössischen Überarbeitung, und die nur 235 cm hohen Räume sind nun neu strukturiert und teilweise aufgebrochen.

Obwohl die beiden Häuser sich äußerlich unterschiedlich präsentieren, steht doch ein zarter Vermittler zwischen ihnen: Eine dem kulinarischen Genuss gewidmete Terrasse lädt ein, dem „dolce vita“ zu frönen, während feine weiße Stoffbahnen allzu aggressive Sonnenstrahlen fernhalten. Direkt unter dieser Terrasse befindet sich übrigens eine großzügige Erholungszone, die sich aus Sauna (finnische, Kräuter- und Dampfsauna) und Ruheraum zusammensetzt. Architektonisch ist das Kellergeschoß nicht nur eine Stahlbetonwanne sondern auch eine Wonne: der Natursteinboden lädt zum barfüßigen Herumlaufen ein, und die Sichtbetonwände geben dem Raum die zum Ausruhen notwendige ruhige und schwere Atmosphäre. Von gruseliger Düsterheit kann allerdings nicht die Rede sein, denn harmonische künstliche Belichtung und inszenierter natürlicher Lichteinfall durch die Glasfassade zaubern seidigen silbrigen Glanz und lassen keinesfalls dunkle Keller-Assoziationen aufkommen.

Lichtdurchflutet präsentieren sich auch die im Erdgeschoß sitzenden 8 neuen Zimmer: die Möblierung ist eine reduzierte und gewitzte. Anstatt Möbel „nur“ in den Raum zu stellen, fungieren sie neben ihrer Funktion als Stauraum auch als Raumteiler und machen die Zimmer dadurch vielseitiger in ihrer Nutzung. Auch hier ist Licht ein wichtiges Thema: Einerseits bringen die Lärchenholzmöbel Wärme in die Räumlichkeiten, und gleichzeitig erscheinen die Räume höher als sie in der Realität sind, da Glasoberlichten dem Raum mehr Tiefe geben und Licht in den Raum fließen lassen.

Es scheint, als ob japanisch anmutende Baukörper den Einzug in alpine Gefilde halten, und man kann sich darüber nur freuen. Der Gast kann in Räumen wie diesen atmen, die großzügige Verglasung lässt die überwältigende Berglandschaft beinahe bis ins Badezimmer.

Obwohl die Gäste das neue Haus höchstwahrscheinlich begeistert aufnehmen werden, sind die Ortsansässigen doch noch skeptisch. Vielleicht kann man diese Vorbehalte mit dem Standpunkt des Architekten Jungmann zerstreuen. Er sieht das Verwenden lokaler Materialien als Ausdruck von Regionalität und nicht unbedingt die Form eines Gebäudes. Neues muss gerne gesehen sein, ansonsten kommt es zum Stillstand.


Hotel Pension Perfler

9920 Sillian, Hausnummer 166, Osttirol

Bauherr: Michaela Strieder
Planung, Bauleitung: Peter Jungmann, Lienz
Mitarbeiter: Alfred Baumgartner, Nicole Fanger
Grundstücksfläche: 1.230m²
Bebaute Fläche: 253,5m² Bestand, 469,0m² Neubau
Umbauter Raum: 2.536m³
Planungsbeginn: Frühjahr 2002
Bauzeit: 1. Baustufe: 4 Monate; 2. Baustufe: 2 Monate
Fertigstellung: Herbst 2004
Fotos: © Wolfgang Retter
Text: Sandra Knöbl

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