Am Südufer des Wörthersees, am “Kap Sekirn”, ist ein Design-Hotel entstanden, das
auf rund 2.300 m² Nutzfläche ein “Rund um die Uhr”-Individual-Service bietet.
Abseits vom Massentourismus erhebt das aenea durch sein architektonisches und
betriebliches Konzept Anspruch auf höchstes Sterne-Niveau.
Im Kampf um möglichst volle Häuser gibt es viele Strömungen, die Betten belegt und
die Kundschaft bei Laune zu halten. Eine davon stellen die so genannten
“Design-Hotels” dar, die als zusätzliche Differenzierung der Gestaltung und
Ausstattung besonderes Augenmerk schenken. Zu dieser Kategorie, oder zu diesem
Trend, zählt auch das von Architekt Andreas Krainer geplante und von der
Innenarchitektin Sabine Mescherowsky ausgestattete Design Hotel aenea: Hoher
Servicegrad, umrahmt von klassisch-zeitgemäßer Architektur.
Als Grundriss wählte der Architekt eine tortenstückartige Form, durch die eine
optimal breite Seefront erzielt und den dahinter liegenden Wohnvillen freie
Seesicht gewährt wurde. Im geometrischen Zentrum des Areals wurde ein Poolhaus
mit Liege und Relaxflächen sowie ein Fitness- und Massageraum positioniert.
Eine Brücke verbindet das Poolhaus mit dem Hotel und überdacht so den
Eingangsbereich des Hotels. Die sternförmige Anordnung der Wege hebt dieses
Zentrum hervor. So orientiert sich auch der aus Holz gefertigte Steg am
Mittelpunkt des Pools und zeigt lanzenförmig in Richtung See, wobei das Stegende
in 20 Meter Höhe den Blick auf den Wörthersee freigibt. Der Badestrand mit dem
Seepavillon, der an die klassische Wörthersee-Architektur angelehnt als
zweigeschoßiger Holzbau ausgeführt wurde, und die Marina-Anlage mit 28
Anlegeplätzen ist durch einen verglasten Panoramalift zu erreichen.
Restaurant
Im Restaurant kann der Gast wählen, ob er lieber im “Kaminbereich” in behaglich
gedämpfter Stimmung speisen möchte oder doch lieber im Bereich der Raumnischen
mit raumhoch gepolsterter Rückenlehne und mit exponiertem Blick zum See;
introvertiert und abgegrenzt zum restlichen Restaurantbereich oder im
“Fensterbereich mit Panoramablick” mit runden in Weiß eingedeckten Tischen mit
den gepolsterten Armlehnstühlen, die mit hellen Hussen bezogen sind. Als
Tischbeleuchtung dienen Kerzen. Der dunkle Holzdielenboden (Weitzer Parkett)
bildet einen starken Kontrast zur weißen Tischwäsche und der hellen Möblierung.
Der gesamte hintere Restaurantbereich wird geprägt von überdimensionalen,
zylindrischen Leuchtkörpern, die wie Kronleuchter den Verlauf der gesamten
Panoramafront nachzeichnen. Als Trennung zum “Bereich am Kamin” funktioniert
ein zarter transparenter Vorhang in leichtem Kurvenverlauf. Dem Restaurant
vorgelagert ist eine mit Glas überdachte Seeterrasse, die in der Vor- und
Nachsaison beheizt wird; Essen im Freien in den eleganten und bequemen
Fauteuils “Hampton” von Dedon wird so bei jeder Witterung zur reizvollen
Alternative. Etwas unterhalb der Seeterrasse wird es nochmals so richtig
gemütlich: Eine “Loungerie” mit gemütlichen Fauteuils (Hampton) sowie zwei
Himmelbetten (Daydream) von Dedon eignen sich optimal für einen Drink in
entspannter Atmosphäre.
Zimmer mit Aussicht
Drei Materialien – Glas, Metall und Putz sind die wesentlichen architektonischen
Elemente des Hotelbaus. Der weiße Verputz kontrastiert mit anthrazitfarbenen
Blechteilen und setzt Kontraste im Außenbereich, die in der Innengestaltung
wieder zu finden sind. Im Sockelbereich kommt ein besonderes Material,
gestockter Beton, zum Einsatz. “Diese einstige Oberflächenbearbeitung verleiht
den modernen Formen eine traditionelle Materialinterpretation”, betont
Architekt Krainer, der dieses Material für Stiegen, Wände sowie Brüstungen der
Terrassen verwendet hat.
Auf drei Stockwerke verteilt liegen insgesamt 15 Suiten im Ausmaß zwischen 55 und
75 m2, die allesamt über vorgelagerte Terrassen verfügen. Zentrales Element der
architektonischen Umsetzung ist die freie Seesicht: Jeder Punkt im Raum öffnet
einen klaren Ausblick auf die Halbinsel Maria Wörth sowie die Villacher Alpe
bzw. Gerlitzen. Verglaste Sichtschlitze in den Badezimmern holen die
Wörthersee-Landschaft ins Rauminnere. Über den Suiten erhielt der Wohlfühl- und
Relax-Bereich einen prominenten Platz. Er ist nicht, wie so oft, in den Keller
verbannt, sondern breitet seine Entspannungs- und Badezone im letzten
Obergeschoß (4. OG) des Haupthauses hinter einer durchgehenden Glasfront vor
dem Wörthersee-Panorama aus. Zwei dem Relax-Bereich vorgelagerte Türme sollen
ein traditionelles Element der Wörthersee-Architektur in zeitgemäßer
Interpretation darstellen.
Innenraum
Ausgangspunkt der Raumgestaltung ist ein offener, großzügiger Bereich mit Panoramablick auf
den See. “Im Raum wurden Zentren entwickelt, die sich atmosphärisch als Inseln
erkennen lassen”, beschreibt Innenarchitektin Sabine Mescherowsky das Gestaltungskonzept. Unterstützt durch den durchgängigen
Natursteinboden und dem Konzept, exponierte Stellen im Raum (z.B. Kaminbereich) dunkel und erhöht zu gestalten, fügen sich die “Freien Inseln”
im Raum zu einem Ganzen: Lounge, Essen am Kamin, Essen á la carte am Tisch und
in einzelnen Sitzecken, Bar, Bibliothek. Durch die architektonische Anordnung
der Rauminseln ergeben sich immer wieder spannende Aussichten, Durchblicke und
Perspektiven auf den See. Eine ca. 6 Meter lange, hängende Kaminscheibe mit
freier Feuerstelle gliedert den Raum. Durch den offenen unteren Bereich mit
seinem Durchblick bleibt der gesamte Raum wahrnehmbar. Der Schwarz-Weiß-Kontrast
der Architektur wird im Innenbereich als Hell-Dunkel-Kontrast weitergeführt.
Daraus ergibt sich ein Spiel der Materialien: Mittelgrauer norditalienischer
Naturstein und dunkles Holz (Weitzer Parkett) in Kombination mit hellen
Weißtönen bei Decken und Wänden, gepaart mit warmen Beige- und Grautönen,
entwickeln eine puristische, aber keineswegs kühle Atmosphäre. Strenge
Formalitäten werden durch den Einsatz von “warmen und weichen” Elementen
aufgelöst. Mescherowsky setzt die unterschiedlichen Materialien mit ihrer
dezenten Farbigkeit klar und in ihrer Authentizität ein: Holz ist Holz, Stein
bleibt Stein. Dadurch schafft sie eine Klarheit ohne Ablenkung; pur, mit dem
Gefühl von Komfort und Behaglichkeit. Langflorige Teppiche, behagliche Polster
und Ledermöbel sowie dezentes Licht mit Einzelleuchten unterstützen die
Intimität der Rauminseln. Stehleuchten fungieren als direkte sichtbare
Lichtquellen, alle anderen Leuchten sind “unsichtbar” bzw. nehmen sich zurück
und erschaffen somit ein szenenhaftes Licht. Als Akzentfarben wirken warme Rot-
bis frische Grün-Töne, präzise auf Glas oder im Barbereich eingesetzt.
Wellness 4. OG
Der Wellnessbereich, teils aus Stein, zum Teil verglast, bietet verschiedene Pool-
und Saunamöglichkeiten (Finnische Sauna, Aroma-Dampfbad und Hamam-Waschungen).
Die Aktivzonen werden von den Entspannungs- und Rückzugszonen durch einen
transparenten Vorhang mit geschwungenem Verlauf und einer sphärischen
Beleuchtung getrennt. Die Ruheliegen (Hampton) von Dedon mit hellen Polstern
nehmen den Hell-Dunkel-Kontrast wieder auf. Der Wellnessbereich bietet eine
intime ruhige Atmosphäre mit Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten und einen
einzigartigen Panoramablick auf den Wörthersee.
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Design Hotel aenea
Wörthersee-Süduferstr. 86, Sekim, Kärnten |
| Bauherr: |
Karin Lanner, L1 Liegenschaftsdevelopment G.m.b.H. |
| Bauleitung & Planung: |
Andrea Krainer, Klagenfurt |
| Mitarbeiter: |
Harald Waldy, Michael Böhm |
| Innenarchitektur: |
Sabine Mescherowsky, Krefeld |
| Statik: |
Pabinger u. Partner ZT-G.m.b.H. und Wolfesberger |
| Konsulenten: |
Georg Lakata, Heinz Krülle |
| Möbel Außenbereich: |
Dedon / Vertretung A: Möbel PLus G.m.b.H., Ottnang |
| Boden Restaurant: |
Weitzer Parkett |
| Grundstüksfläche: |
24.500 m² |
| Gesamtnutzfläche: |
2.349m² |
| Planungsbeginn: |
2001 |
| Bauzeit: |
Sept. 2001 bis Juni 2003 |
| Fotos: |
© sonne |
| Text: |
Walter Laser |