In Klagenfurt, in unmittelbarer Nähe zum Landhaus, dem Sitz der Kärntner Landesregierung,
ist ein unter Denkmalschutz stehendes Renaissancepalais vom Architekten Herbert Missoni
(TEAM A GRAZ) zum “Palais Hotel Landhaushof” umgestaltet worden.Seit Anfang des 16.
Jahrhunderts wurde das auf einen mittelalterlichen Kern zurückgehende Gebäude mehrmals
aus- und umgebaut sowie verschiedentlich genutzt. Erbaut wurde der Landhaushof für die
ersten Klagenfurter Burggrafen Moritz Rumpf und August Paradeiser. Letzterer ließ um 1550
die Renaissance-Arkaden errichten, die sich nun nach behutsamer Renovierung in alter Pracht zeigen.
1580 erwarben die Kärntner Landstände das “Paradeiserhaus”, um es als “Generaleinnehmeramtshaus”
zu nutzen. Ab 1778 diente es dann den k. u. k. Behörden als “Tabak- und Salzamt”, ab 1935
war es Polizeikaserne und letztlich der Sitz der Bundespolizeidirektion in Kärnten.
Im Jahr 1999 erwarb die Hoteliersfamilie Rainer das historische Gebäude vom Bund und
ließ es nach den Entwürfen des Architekten Herbert Missoni von TEAM A/Graz zum
Luxusstadthotel umbauen. Mit dem im Volksmund als “Salzamt” bezeichneten Hotel in der
Klagenfurter Innenstadt hat sich die Gastronomenfamilie, neben der “Südrast” bei
Arnoldstein und dem “Hotel Rainer” in Feldkirchen, nun ein drittes touristisches Standbein
geschaffen. Das Gebäude mit dem dreigeschoßigen Arkadenhof und der barockisierten Fassade aus dem
18. Jahrhundert war in keinem guten Zustand. Nach intensiver Auseinandersetzung mit den
Möglichkeiten des alten Hauses und der Besichtigung von Stadthotels im In- und Ausland, wie
etwa das Hotel Widder in Zürich, wurde das ehrgeizige Projekt in Angriff genommen. Die
Vorgaben des Bauherrn an die Gestaltung und das Niveau des Hauses waren außerordentlich
hoch. Dem gegenüber stand ein Budget, das bezogen auf die Anzahl der beherbergbaren
Hotelgäste nur ein Achtel dessen betrug, was z. B. im Hotel Widder verbaut werden konnte.
Neben der Schaffung von Kellerräumen für Lager und Haustechnik unter dem Hof war auch
die Unterfangung der Fundamente mit Betoninjektionen notwendig. Die vorhandenen
Dippelbaumdecken wurden belassen und durch eine mit den Holzbalken verdübelte
Stahlbetonauflage verstärkt.
Im Erdgeschoß wurde eine hochwertige Self-Service-Gastronomie etabliert, die sowohl vom
Hotel als auch direkt von der Straße zu erreichen ist. Der dreigeschoßige Arkadenhof aus
den Jahren um 1550 mit Aufstockung aus dem 19. Jahrhundert wurde mit einer Stahl- und
Glaskonstruktion überdeckt, mit einem gläsernen Lift versehen und birgt ein
Bedienungsrestaurant samt Cafehaus. Im 1. Stock wurden verschieden große Räume für
Veranstaltungen geschaffen und mit unaufdringlich integrierter moderner Präsentationstechnik
versehen. In den Etagen darüber sind Zimmer unterschiedlicher Konfiguration und Größe
situiert, von denen jedes seinen eigenen Charakter erhielt, der durch seine Lage, die
Ausstattung der Bäder mit verschiedenen Marmoren oder Glasfliesen, unterschiedlichen
Raumfarben mit passenden Stoffen und gleichartigem Möbeldesign erreicht wird. Die
Grundeinrichtung der Zimmer wurde vom Architekten entworfen und mit der “Wiener Werkstätte”
gestaltet und zum Teil mit alten Bilder und Antiquitäten kombiniert. Im ausgebauten
Dachgeschoß mit Dachterrasse wurde ein Wellnessbereich untergebracht, der einen traumhaften
Ausblick auf die Dächer und Türme der Stadt Klagenfurt bietet.
Sämtliche Räume des Hotels sind klimatisiert und verfügen über Fußbodenheizung. Die
Zimmer und Flure sind mit Parkettböden aus Nuss und Eiche, die Hallen und Labn sowie das
Erdgeschoß mit heimischen Steinböden ausgestattet. Im Hof wurde der im Haus vorgefundene
Pörtschacher Marmor-Boden, der typisch für Klagenfurt ist, wieder verlegt. Ein wahres
Kleinod findet sich dann im mittelalterlichen Kellergewölbe: Dort ist neben dem frei
zugänglichen Weinlager, quasi als “gemeinsame Visitenkarte” des Gastronomen und des
Architekten, das Gäste-WC mit besonderer Sorgfalt gestaltet. Überraschend bei den
Sanierungsarbeiten war die Entdeckung der barocken Farbenpracht in den unteren
Farbschichten der Gemäuer, wofür bis zu 19 Farbschichten abzutragen waren. Die dabei
freigelegten Malereien blieben erhalten und sind an vielen Stellen im gesamten Haus zu
bewundern. Historisch bedeutend ist die Auffindung eines Wappensaales, der Ende des 16.
Jahrhunderts den Versammlungen der Landstände diente und auf dessen Wänden die Wappen der
Marktgrafen freigelegt werden konnten. Entsprechend dem neuen Raumkonzept beherbergt der
ehemalige Wappensaal heute Luxus-Suiten, in denen die freigelegten Wappen bewundert werden
können.
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Palais Hotel Landhaushof
Landhaushof 3, A-9020 Klagenfurt
|
| Bauherr: |
Südrast Dreiländerecke Hotel- und Restaurationsbetriebsges.m.b.H. |
| Design, Planung & Bauaufsicht: |
TEAM A GRAZ, Arch. DI Herbert Missoni |
| Restaurator: |
W. Campidell Ges.m.b.H., Feistritz/Drau |
| Küchenplanung: |
Fritz Stiasny, Wiener Neudorf |
| Stoffe, Vorhänge, Dekoration: |
StoffARTen Farbmühle Frießnegg, Feldkirchen/Kärnten |
| Brunnenstein: |
Hartwig Weißhaupt, Bildhauer, Wölfnitz |
| Hotel: |
ca. 60 Betten |
| Gastronomie: |
ca. 150 Sitzplätze |
| Seminarbereich: |
für 50-100 Teilnehmer |
| Kellergeschoß: |
Weinkeller und WC-Anlage im Gewölbekeller Haustechnik und Lagerräume im neu errichteten Hofkeller |
| Erdgeschoß: |
SB-Gastronomie “Salzamt” mit Selbstbedienung, Schauküche, Labn-Theke und Speisestüberln, Arkaden-Hof als Bedienungsrestaurant mit Bar, Hotelrezeption |
| 1. Obergeschoß: |
"Alpe Adria"- Veranstaltungs/Seminarbereich mit flexibler Trennwand, Stüberl “Triest” und “Laibach”, 2 Gästezimmer |
| 2. Obergeschoß: |
13 Gästezimmer und Suiten, Wappensaal-Zimmer |
| 3. Obergeschoß: |
12 Gästezimmer und Juniorsuiten |
| Dachgeschoß: |
Sauna-Wellnessbereich mit Dampfbad, Solarium und Dachterrasse, Wohnung mit Dachterrasse |
| Gesamtnutzfläche: |
ca. 3.200 m² |
| Planungsbeginn: |
Ende 1999 |
| Bauzeit: |
Mitte 2001 bis Ende 2002 |
| Bilder: |
Paul Ott, Herbert Missoni |
| Text: |
Walter Laser |