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Café-Bar Schipal


In der Weinviertler Kleinstadt Hollabrunn wollte Marion Schipal ein (Abend-)Lokal mit urbanem Flair errichten. Eine Café-Bar mit kleinem Speisenangebot, Internetplätzen, Möglichkeit für Live-Musik-Veranstaltungen, Wechselausstellungen und einer Zielgruppe von jugendlich bis alt, die dieses Angebot zu schätzen weiß.

Nach etwa halbjähriger Suche nach dem geeigneten Standort, in die der Planer Gerfried Schneider bereits eingebunden war, wurde man in zentraler Lage fündig. Die Lokalität konnte auf den ersten Blick kaum durch besondere Reize überzeugen: Das Mietobjekt verfügte über einen karg ausgestatteten Verkaufsraum, mehrere kleine Nebenräume und unterschiedliche Fußbodenniveaus. Abgesehen von unzähligen Steckdosen (ehemals ein Fachgeschäft für Car-Hifi-Anlagen) war keine für eine Gaststätte taugliche Infrastruktur vorhanden. Die zentrale Lage, die großen Auslagenscheiben zum Lothringerplatz, der Hof mit Aussicht in die Weinberge und an erster Stelle die günstigen Mietkonditionen waren dann doch ausschlaggebend für die Standortwahl. Denn als oberster Anspruch galt, hohe gestalterische Qualität mit dem schmalen Budget einer Jungunternehmerin zu vereinen. Das Vorhandene so gut wie möglich nutzen, notfalls entfernen und kostenbewusst adaptieren galt als oberste Maxime. Dennoch sollte ein Lokal entstehen, dem man die Not des niedrigen Budgets nicht ansieht. Deshalb wurden Prioritäten gesetzt, bei welchen Ausstattungsdetails die Reduktion auf das Notwendigste vertretbar ist oder umgekehrt, wo höheres Augenmerk auf Design und Oberflächen gelegt werden soll: so roh und einfach wie möglich, aber so edel wie leistbar überall dort, wo es um die Gastlichkeit des Ambientes geht. Obwohl das Lokal nur abends ab 17 Uhr geöffnet ist, sollten mehrere Nutzungsszenarien möglich sein: als Spätnachmittagscafé für den schnellen Café oder Drink nach Arbeitsschluss, als Internetcafé, als Nachtbar mit regelmäßigen Live-Veranstaltungen und für Vernissagen und Weinpräsentationen.

Um dieses Anforderungsprofil räumlich zu bewältigen und auch fließende Übergänge zwischen den einzelnen Nutzungsszenarien zu bewältigen, wurde das Lokal zoniert: vorne, im Anschluss an den Eingangsbereich und parallel zur Fensterfront eine lange Bar, entlang der Auslagenscheiben ein mit Barhockern ausgestatteter Stehbereich und die Internetplätze mit Flachbildschirmen. Zu dem um zwei Stufen erhöht liegenden Bereich in Richtung Hof wurde die bestehende Mittelwand durchbrochen. Durch diese Offenheit zum straßenseitigen Barbereich wurde eine Hinterzimmer-Atmosphäre vermieden. Dennoch vermittelt der Raum durch die niedrigere Höhe und die Ausstattung als ruhigere und intimere Sitzzone eine differenzierte Atmosphäre. Zum Hof hin schließt im Freien eine Sommerterrasse (Lärchenholzrost) an. Um trotz der verschiedenen Zonen Großzügigkeit und klare Linien zu schaffen, beschränkte sich der Planer auf wenige Materialien und ruhige Farben. Einen Betrag dazu leistet auch der Schwenk von Stehtischen an der Ostseite im vorderen Bereich zu normal hohen Tischen im hinteren Bereich: Durch den Niveausprung bilden die Tischoberkanten eine einheitliche Linie. Und die durchgehende dunkelrote Ledersitzbank, die vorne in Barhockerhöhe zum lässigen Lehnen oder Füße-Baumeln-Lassen einlädt, wird im höher gelegenen Bereich zur kommoden Bank in normaler Sitzhöhe.

Um das Budget zu schonen, wurden die erforderlichen Lüftungsrohre unverkleidet durch den Raum geführt. Industrielle Anmutung hat auch die Fußleistenheizung, die unter den Bänken und im Bereich der Auslagenscheiben geführt wird. An allen “Kontaktflächen” jedoch ist von dieser sparsamen Rohheit nichts mehr zu merken: hier dominieren Holz und Holzwerkstoffe, ohne jedoch in hausbackene Rustikalität abzugleiten. Wandspots mit konischen Edelstahlschirmen bzw. Hängeleuchten mit transluzentem Acrylschirm über der Bar setzen Lichtakzente. Die vollständige Ausleuchtung wird durch drei Baustrahler bewerkstelligt, die zumeist in gedimmter Form als indirekte Allgemeinleuchten fungieren. Die Arbeitsflächenbeleuchtung hinter dem Tresen ist auch davor durch einen Glasschlitz in der Barfront als Lichtband wahrnehmbar. Tische, Bar und Glasregale wurden von lokalen Handwerkern aus industriellen Materialien (dunkelbraun befilmte Sperrholzplatten auf Stahl-Formrohrkonstruktion) angefertigt. Für die Stühle und Barhocker wurde ein konventionelles, preisgünstiges Modell aus italienischer Produktion gewählt. Seine etwas übertrieben eingebuchtete Sitzfläche wurde beim österreichischen Lieferanten plan geschliffen und dunkel gebeizt.

Der Eingangsbereich wurde der Einfachheit halber an der selben Stelle wie im Bestand belassen und durch einen Windfang aus einer gedämmten Formrohrkonstruktion ergänzt. Auch die Fassade blieb bis auf einen neuen Anstrich und das rotbraune Logo unverändert. Alu-Jalousien in den großen Fensterscheiben ermöglichen eine unkomplizierte Regelung des Durchsichtigkeits-Grades.

Fußböden: im Gastbereich Hochkant-Lamellen-Parkett (Eiche), in Küche, Bar und Sanitärbereich schwarzer Industrieboden aus recyceltem Kunststoff (Nicocyl)

Wandverkleidung: im Gastraum Okoumé-Sperrholzplatten

Wände Sanitärbereich: Gipskartonständerwände mit wasserfestem Anstrich

Bar: dunkelbraun befilmte Sperrholzplatten (Wisaform) auf Formrohr-Unterkonstruktion mit integriertem hinterleuchteten Glasstreifen im Tresen

Tische: Wisaform auf Formrohrkonstruktion

Sitzbänke: frei an der Wand hängende Formrohrkonstruktion mit Spanplatten, tapeziert mit dunkelrotem Leder


Resümee

In der Praxis erwiesen sich die verschiedenen angedachten Nutzungsszenarien (Café, Internetcafé, Nachtbar, Live-Veranstaltungen, usw.) als praktikabel: Das Publikum ist gemischt, ändert sich im Laufe eines Abends, es gibt regelmäßig kulturelle Veranstaltungen. Die hintere Zone des erhöht liegenden Gastbereichs zeigt sich bei Live-Konzerten als taugliche Bühne (ein Piano ist vorhanden). Der konische Stehtisch an der Kante zwischen den beiden Zonen wird sowohl als zentraler Treffpunkt als auch als DJ-Station sehr geschätzt.

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Café-Bar Schipal

Lothringerplatz 6, A-2020 Hollabrunn

Bauherrin: Marion Schipal, Hollabrunn
Planung: Gerfried Schneider, Wien
Nutzfläche: 87,17m² (+21,45m² Terrasse)
Sitzplätze: 33 (+18 auf Terrasse)
Planungsbeginn: Jänner 2001
Fertigstellung: Oktober 2001
Bilder: © Andreas Buchberger, Wien
Text: Walter Laser

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