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Die Mole des Wohlbefindens am Meer der Wiener


Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger
Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger
Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger Bar- Restaurant Mole West / Bilder: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger

Der Begriff „Mole“ erweckt bei uns Binnenländern Assoziationen an Urlaub am Meer und lässt an Schiffe und Häfen denken. Laut Definition ist eine Mole eine als Wellenbrecher und/oder auf der Leeseite als Anlegestelle für Boote und Schiffe dienende, meistens mit dem Meeresgrund verbundene Stein- oder Holzkonstruktion. Denkt man jedoch an die Mole in Neusiedl am See, so verbindet man mit diesem Ausdruck eine Freibar, ein Restaurant, einen Yachthafen und Gefühle von Entspannung, gutem Essen, einem harmonischen Ambiente, und Geselligkeit werden wach.

Der als Weltkulturerbe deklarierte Neusiedlersee, der mit 250 bis 300 km2 (davon ca. 170 km2 schilffreier Wasserfläche) größte See Österreichs, lockt die Wassersportler in Scharen an. Neben Windsurfern, Bootfahrern, Eisläufern und Eisseglern finden sich Segelbegeisterte und Badenixen ein, um sich sportlich zu betätigen. Infrastrukturelle Einrichtungen für und rund um diese Betätigungen dürfen sowohl für die Bewohner der Gemeinde als auch für die „Zugereisten“ natürlich nicht fehlen. Neben dem Strandbad von Podersdorf zählte die 1926 eröffnete Seebadeanlage in Neusiedl am See zu der ersten Fremdenverkehrseinrichtung am burgenländischen Neusiedler See. Letztgenanntes Bad galt als stark frequentiertes Ausflugsziel vor allem von der Wiener Bevölkerung, führte doch eine an das öffentliche Eisenbahnnetz angeschlossene Kleinbahn auf direktem Wege zum Wasser, das sich auch das Meer der Wiener nennt. Die damalige Anlage hatte von ihrer architektonischen Gestaltung große Ähnlichkeiten zu den zeitgleich errichteten Badeanstalten in Wien, wie zum Beispiel dem Wiener Kongressbad. Als Holzpfahlbau errichtet erstreckte sich die Badeanlage auf mehreren Plattformen. Zwei unabhängige Restaurationsbetriebe waren der Anlage zugeordnet. Der aufkommende Massentourismus führte 1951 zum Abbruch der Anlage und zur Aufschüttung des Areals. In fragwürdiger Formensprache wurde ein neues Seebad errichtet, dem nur ein als Provisorium errichtetes, schilfgedecktes Restaurant zugeordnet war.
Endlich, seit 2004, findet man in der „Mole West“ am betonierten Ende der Seepromenade einen Yachthafen, eine Außenterrasse mit Bar und eine geschlossene Restauration in einem Ensemble, das alle „Stückerl“ spielt, vereint. Auch das Seebad wird dadurch mit neuem Leben erfüllt. Die Architekturbüros Halbritter u. Halbritter ZT GmbH, Neusiedl am See und Halbritter & Hillerbrand ZT GmbH aus Wien zeichnen für dieses Projekt verantwortlich.
Der Architekt Herbert Halbritter setzte sich bereits 1985 intensiv mit der Aufgabe „Restaurant im Strandbad Neusiedl am See“ auseinander, verfasste er doch seine Diplomarbeit an der TU-Wien über eben dieses Thema. Als mittlerweile erfahrener Architekt konnte er nun, beinahe 20 Jahre später, seine Gedanken und Ideen wieder aufgreifen und in zeitgemäßer Formensprache in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Hans Peter Halbritter, seiner Kollegin Heidemarie Hillerbrand und seinen Mitarbeitern realisieren.
Innerhalb eines Jahres wurde die räumliche Lösung eines Baukörpers mit zwei Zonen, dem transparenten für Besucher offenen Bereich und dem geschlossenen Versorgungsbereich (Küche, Büro, Wirtschaftshof, Lager), umgesetzt.
Der Yachthafen ist mit allen Infrastruktureinrichtungen (Stromanschlüsse, SAT/TV-Anschlüsse sowie Duschmöglichkeiten), die ein langfristiges Vorankerliegen ermöglichen, ausgestattet. Die „Mole West“ ist über den Landweg, aber auch über großzügig angelegte Bootsanlegeplätze zu erreichen. Die gesamte Anlage wurde gegen Süden ausgerichtet, sodass von dem großzügig verglasten Innenraum und der anschließenden Terrasse ein optimaler Ausblick unter Berücksichtigung der Himmelsrichtungen gewährleistet wird.
Die dunkelgraue Blechfassade aus vorbewittertem Zinkblech gleicht sich an die Farbe des Sees an und harmoniert mit den im Hafen liegenden Booten ebenso wie mit den verwendeten Holz- und Membrankonstruktionen.
Die Terrasse ist über breite Stufen mit der dreiseitig umlaufenden Steganlage des vorgelagerten Yachthafens verbunden. Seeseitig ist die Steganlage geschlossen, um die Wellen vom Yachthafen abzuhalten und im Winter einen Schutz gegen einen möglichen Eisstoß zu gewährleisten. Die auf Holzpfählen errichteten Freiflächen aus druckimprägniertem Lärchenholz sind großzügig angelegt und bieten die Möglichkeit, weit in den See hinaus zu gehen. Als Beschattungselement für die Terrasse wurde eine Membrankonstruktion gewählt, die der Form des Gebäudes folgt. Die Deckenuntersicht der Terrasse bildet eine bedruckte Folienspanndecke.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit Firmen aus dem Schiffbau, so zum Beispiel mit einer Segelmacherei, konnten innovative Lösungen für die Umsetzung gefunden werden. Im Inneren wird die bedruckte Foliendecke als verbindendes Element fortgesetzt.
Teakholz, dunkelgraues Eternit und Leder sind die bestimmenden Materialien des Innenraums, für den die Architektin Heidemarie Hillerbrand verantwortlich zeichnet.
Als raumgliederndes Element gibt es einen leichten Vorhang. Der Boden ist aus geölten Teakholzstäben, die Wände sind teilweise mit furnierten Teakholzpaneelen verkleidet. Teakholz ist aufgrund seiner guten Eigenschaften im Zusammenhang mit Wasser ein im Schiffsbau gebräuchliches, wenn auch teures, Holzmaterial. Die Möblierung im Barbereich, also die Bar selbst, die Barhocker und Stehpulte sind nach Entwürfen der Architekten gefertigt worden.
Auch auf das Beleuchtungskonzept wurde viel Wert gelegt. So wird die orangene Plane von unten angestrahlt und reflektiert ein sehr warmes Licht. Der Wandel der Tages- und Jahreszeiten kann im Innen- wie im Außenbereich als Schauspiel erlebt werden - die Mole West liefert dafür die geeignete Bühne, auf der die Handlung des Essens und Trinkens von den Gästen als Hauptdarstellern gespielt wird. Diese zur Gänze vom Wasser des Sees umspülte Oase besticht nicht nur durch die Ruhe des Sees und die herrliche Aussicht, sondern vor allem durch die sich unaufdringlich in die Landschaft einfügende Form des Bauwerkes und durch die Wahl der Materialien. Die Erwartungshaltung der Betreiber wurde mehr als erfüllt, und sowohl dem Naturschutz, dem Wasserschutz und dem Landschaftsschutz konnte Genüge getan werden. Damit war die Unterstützung des Neusiedler Gemeinderates, trotz so mancher städtebaulicher Bedenken, gesichert, und heute - nach einjährigem Bestand - offenbart sich das Bauwerk als absoluter Gewinn - nicht nur aus architektonischer Sicht.


Bar- Restaurant „Mole West”

Mole West Gastro G.m.b.H., Strandbad Westmole, 7100 Neusiedl am See

Bauherr: Karolyi & Ehrengruber OEG
Halbritter u. Halbritter ZT G.m.b.H.
(Hans Peter Halbritter, Herbert Halbritter)
Halbritter & Hillerbrand ZT G.m.b.H.
(Herbert Halbritter, Heidemarie Hillerbrand)
Mitarbeit Projektleitung: Gerhard Königshofer
Mitarbeit: Petra Winter
Statik: Gmeiner & Haferl ZT G.m.b.H.
Konstruktion Stahlbau: Lipp Stahlbau Ges.m.b.H.
Künstler: Nikolaus Eberstaller
Lichtplanung: Jungel-Schmid
Planungsbeginn: Jänner 2001
Baubeginn: Mai 2003
Bauübergabe: Mai 2004
Grundstücksfläche: 8.268m²
Bebaute Fläche: 710m²
1.002,71m²M mit Terrasse, Freibar und Steg
ohne Anlegestelle
Umbauter Raum: 1.673m²
Fotos: © Nikolaus Eberstaller, Harri Mannsberger
Text: Katharina Tielsch

Ausstattung:

Küche: Hildebrand
Wolfgang Galant
Konstruktion Stahlbau: Lipp Stahlbau Ges.m.b.H.

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