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Inselflair am Rande der „Sümpfe”


Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort
Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort
Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort Hotel Murano Urban Resort / Bilder: © Ludovic Maisant, Archiv Hotel Murano Urban Resort

Der Name Murano erinnert sofort an die italienische Lagunenstadt Venedig, romantische Gefühle an Gondeln, gutes Essen, Flitterwochen und italienisches Flair werden geweckt. Assoziationen zu dem Handwerk der Glasbläserei, das auf der kleinen Insel Murano seit mehr als 800 Jahren ausgeübt wird, lässt an edle Glaskunst in Form von Lustern, Schalen, Gläser und kleinen Figürchen denken. Alles in allem verbindet man mit Murano Positives, kaum einer weiß, dass grausame Gesetze das Bewohnen dieser Insel kennzeichneten.

Die im Jahre 1291 wegen des Brandrisikos dieses am offenen Feuer ausgeführten Handwerks auf die Insel Murano ausgesiedelten venezianischen Glasbläser hatten neben vielen Privilegien auch ein strenges Verbot zu befolgen: Es war bei Todesstrafe verboten, die Insel Murano zu verlassen, denn die Kaufleute fürchteten, die exklusive Kunst der Glasverarbeitung könnte auf der ganzen Welt verbreitet und dadurch entwertet werden. Der venezianische Geheimdienst setzte Ausreisenden andernfalls nach, um sie noch im Ausland zu eliminieren. So sind bestimmte Rezepturen bis heute geheim.
Murano kann von trendigen Hotelgästen seit kurzer Zeit nun auch mit Paris in Verbindung gebracht werden, denn hier hat Jérôme Foucaud, Sohn und Enkel einer Hotelleriefamilie, der zuvor die Byblos-Hotels in St.-Tropez und Courcheval managte, das Hotel Murano Urban Resort eröffnet.
Zunächst stellt sich die Frage, warum sich dieses chice Ambiente im Pariser Szene- und Designerviertel Marais nun gerade Murano Urban Resort nennt? Vielleicht, weil sein Erfinder ein Italien-Liebhaber ist? Oder weil sich das „dritte arrondissement“ von Paris, ehemals Überschwemmungsgebiet der Seine, Les Marais (deutsch: Die Sümpfe) nennt, das Hotel am Rande des Stadtviertels liegt und somit Assoziationen zur Lage von Venedig und Murano hergestellt werden können? Heißt es so, weil Marais, ob seiner zumeist männlichen Bewohner und Lokale, an sich schon eine Inselstellung in Paris einnimmt? Oder aber soll das Hotel an sich als Insel des guten Geschmacks, des edlen und luxoriösen Lebens und des Wohlbefindens inmitten des regen Treibens der französischen Metropole gesehen werden?
Des Rätsels Lösung ob der Namensgebung habe ich beim Besuch des Murano nicht finden können, so bleibt es Paris-Reisenden Murano-Besuchern selbst überlassen ihren Assoziationen freien Lauf zu lassen.
Zwei Jahre wurde über das Konzept für das Hotel nachgedacht, bis zu 500 Pläne erstellt und in 15 Monaten in enger Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Designern, Dekorateuren und Handwerkern an den 4.500 m2 Fläche gebaut. Das ehemalige Garagengebäude beherbergt seit dem Umbau neben den 43 Gästezimmern und 9 Suiten eine Bar und ein stark frequentiertes Restaurant.
Zwei Suiten mit den wohlklingenden, italienischen Namen „Tiziano“ und „Sophia“ besitzen sogar je einen eigenen Swimmingpool am Dach. Ein 450-Quadratmeter-SPA-Bereich mit Schwimmbad wird im Herbst dieses Jahres eröffnet.
Die von der Straße her klassizistisch anmutende, weiße Fassade wirkt nicht wie neu errichtet, sondern allenfalls wie ein restaurierter Bau aus den Zeiten von Baron Georges-Eugène Haussmann, jenem im ausgehenden 19. Jahrhundert amtierenden Präfekten, dem Paris sein heutiges Aussehen verdankt. Kein Dekor eines venezianischen Palastes ist zu finden, einzig die zahlreich platzierten Gegenstände wie Aschenbecher, Spiegel und Skulpturen im Innenraum sind aus Muranoglas gefertigt.
Der Gast wird beim Betreten mit einer großzügigen, in weißem Marmor gehaltenen Atmosphäre im Eingangsbereich empfangen. Das Herz des Resorts bildet die zentrale Lounge, die über ein Glasdach belichtet wird. Von hier aus erschließt man die Bar, das Restaurant sowie den Trakt mit den Hotelzimmern. Der Raum zeichnet sich durch seinen sechs Meter langen in die Mauer versetzten Feuerplatz aus. Dieser Schlitz kann automatisch per Knopfdruck entzündet werden. Aus weißem Kieselstein geben die Flammen angenehme Wärme ab. Das davor platzierte sieben Meter lange, weiße Ledersofa verleitet zum Hineinsacken, um nie wieder aufzustehen.
Die Bar ist in warmen wohlharmonierenden bunten Farben gehalten. Abgehängte, mit Stoff bespannte Deckenelemente strukturieren den Raum.
Der Hauptraum des Restaurant weist eine Raumhöhe von fünf Metern auf, der von gemütlichen niedrigeren Loungen und einer sonnenbeschienen Terrasse flankiert wird. Stoffbezogene Wände, Tische aus Inox und weich gepolsterte Sessel mit Armlehnen vermitteln Gemütlichkeit. Eine zeitgenössische Übersetzung des Barock stellen die röhrenförmigen Beleuchtungskörper dar, die wie Stalaktiten von der Decke hängen. Unterschiedlichste Farbigkeit kann hier wieder durch Lichtstimmungen erzeugt werden.
Während der Eindruck der öffentlichen Bereiche sehr hell und freundlich ist, erwartet den Hotelgast beim Betreten der Erschließungsgänge zu den Zimmern eine Überraschung. Die Gänge sind nur mit Schwarzlicht beleuchtet und sind somit ganz dunkel. Die Wände sind gepolstert, falls man sich in der Dunkelheit nicht zurechtfindet und gegen die Wand läuft. Auch der Aufzug weist eine Besonderheit auf. Die Innenwände sind mit einem flauschig weichen Teppich verkleidet. Die technische Ausstattung ist am neuesten Stand der Technik - die Räume werden nicht mit Schlüssel, sondern per Fingerabdruck geöffnet und sind mit Hightech-Raffinessen bestückt. Flachbild-Fernseher, Bang&Olufsen-Anlage, schnurloses Telefon und Highspeed-Internetzugang gehören neben dem raffinierten Beleuchtungssystem, mit dem auf Knopfdruck die Zimmer in Rot, Gelb, Blau oder Pink getaucht werden können, zu den Highlights. „Jetzt hat Licht die Rolle des gestaltenden Elements übernommen - so können Gäste das Ambiente selbst bestimmen“, sagt Direktor Jérôme Foucaud. Im Inneren erwartet den Gast dann wieder viel Licht und Raum. Große Pölster, feine Vorhänge, moderne Bilder, edle moderne Teppiche und Designermöbel statten die Räume aus.
Die Bäder sind in Schwarzweiß gehalten. Glänzende Chrom-Amaturen heben sich von den matten Schieferfliesen ab.

Eines ist klar: eingesperrt, so wie in früheren Zeiten im echten, italienischen Murano, fühlt sich in diesem Hotel niemand. Zwar spiegelt das Ambiente weder das italienische Flair der Lagunenstadt noch den französischen Lebensstil wider, aber Luxus und Komfort kann man hier in einer der schönsten, hippesten und trendigsten Gegenden im Herzen von Paris allemal genießen!


Hotel Murano Urban Resort

13 Boulevard du Temple, 75003 Paris

Bauherr: Jérôme Foucaud
Innenraumdesign: Christine Derory & Raymond Morel, Frankreich
Nutzfläche: 4.500m²
© Ludovic Maisant, Archiv
Hotel Murano Urban Resort
Text: Katharina Tielsch

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