Der Name Murano erinnert sofort an die italienische
Lagunenstadt Venedig, romantische Gefühle an Gondeln, gutes Essen, Flitterwochen und
italienisches Flair werden geweckt. Assoziationen zu dem Handwerk der Glasbläserei, das auf
der kleinen Insel Murano seit mehr als 800 Jahren ausgeübt wird, lässt an edle Glaskunst in
Form von Lustern, Schalen, Gläser und kleinen Figürchen denken. Alles in allem verbindet
man mit Murano Positives, kaum einer weiß, dass grausame Gesetze das Bewohnen dieser Insel
kennzeichneten.
Die im Jahre 1291 wegen des Brandrisikos dieses am
offenen Feuer ausgeführten Handwerks auf die Insel Murano ausgesiedelten venezianischen
Glasbläser hatten neben vielen Privilegien auch ein strenges Verbot zu befolgen: Es war bei
Todesstrafe verboten, die Insel Murano zu verlassen, denn die Kaufleute fürchteten, die
exklusive Kunst der Glasverarbeitung könnte auf der ganzen Welt verbreitet und dadurch
entwertet werden. Der venezianische Geheimdienst setzte Ausreisenden andernfalls nach, um
sie noch im Ausland zu eliminieren. So sind bestimmte Rezepturen bis heute geheim.
Murano kann von trendigen Hotelgästen seit kurzer Zeit nun auch mit Paris in Verbindung
gebracht werden, denn hier hat Jérôme Foucaud, Sohn und Enkel einer Hotelleriefamilie, der
zuvor die Byblos-Hotels in St.-Tropez und Courcheval managte, das Hotel Murano Urban Resort
eröffnet.
Zunächst stellt sich die Frage, warum sich dieses chice Ambiente im Pariser Szene- und
Designerviertel Marais nun gerade Murano Urban Resort nennt? Vielleicht, weil sein Erfinder
ein Italien-Liebhaber ist? Oder weil sich das „dritte arrondissement“ von Paris, ehemals
Überschwemmungsgebiet der Seine, Les Marais (deutsch: Die Sümpfe) nennt, das Hotel am Rande
des Stadtviertels liegt und somit Assoziationen zur Lage von Venedig und Murano hergestellt
werden können? Heißt es so, weil Marais, ob seiner zumeist männlichen Bewohner und Lokale,
an sich schon eine Inselstellung in Paris einnimmt? Oder aber soll das Hotel an sich als
Insel des guten Geschmacks, des edlen und luxoriösen Lebens und des Wohlbefindens inmitten
des regen Treibens der französischen Metropole gesehen werden?
Des Rätsels Lösung ob der Namensgebung habe ich beim Besuch des Murano nicht finden können,
so bleibt es Paris-Reisenden Murano-Besuchern selbst überlassen ihren Assoziationen freien
Lauf zu lassen.
Zwei Jahre wurde über das Konzept für das Hotel nachgedacht, bis zu 500 Pläne erstellt und
in 15 Monaten in enger Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Designern, Dekorateuren und
Handwerkern an den 4.500 m2 Fläche gebaut. Das ehemalige Garagengebäude beherbergt seit dem
Umbau neben den 43 Gästezimmern und 9 Suiten eine Bar und ein stark frequentiertes
Restaurant.
Zwei Suiten mit den wohlklingenden, italienischen Namen „Tiziano“ und „Sophia“ besitzen
sogar je einen eigenen Swimmingpool am Dach. Ein 450-Quadratmeter-SPA-Bereich mit
Schwimmbad wird im Herbst dieses Jahres eröffnet.
Die von der Straße her klassizistisch anmutende, weiße Fassade wirkt nicht wie neu
errichtet, sondern allenfalls wie ein restaurierter Bau aus den Zeiten von Baron
Georges-Eugène Haussmann, jenem im ausgehenden 19. Jahrhundert amtierenden Präfekten, dem
Paris sein heutiges Aussehen verdankt. Kein Dekor eines venezianischen Palastes ist zu
finden, einzig die zahlreich platzierten Gegenstände wie Aschenbecher, Spiegel und
Skulpturen im Innenraum sind aus Muranoglas gefertigt.
Der Gast wird beim Betreten mit einer großzügigen, in weißem Marmor gehaltenen Atmosphäre
im Eingangsbereich empfangen. Das Herz des Resorts bildet die zentrale Lounge, die über ein
Glasdach belichtet wird. Von hier aus erschließt man die Bar, das Restaurant sowie den
Trakt mit den Hotelzimmern. Der Raum zeichnet sich durch seinen sechs Meter langen in die
Mauer versetzten Feuerplatz aus. Dieser Schlitz kann automatisch per Knopfdruck entzündet
werden. Aus weißem Kieselstein geben die Flammen angenehme Wärme ab. Das davor platzierte
sieben Meter lange, weiße Ledersofa verleitet zum Hineinsacken, um nie wieder aufzustehen.
Die Bar ist in warmen wohlharmonierenden bunten Farben gehalten. Abgehängte, mit Stoff
bespannte Deckenelemente strukturieren den Raum.
Der Hauptraum des Restaurant weist eine Raumhöhe von fünf Metern auf, der von gemütlichen
niedrigeren Loungen und einer sonnenbeschienen Terrasse flankiert wird. Stoffbezogene Wände,
Tische aus Inox und weich gepolsterte Sessel mit Armlehnen vermitteln Gemütlichkeit. Eine
zeitgenössische Übersetzung des Barock stellen die röhrenförmigen Beleuchtungskörper dar,
die wie Stalaktiten von der Decke hängen. Unterschiedlichste Farbigkeit kann hier wieder
durch Lichtstimmungen erzeugt werden.
Während der Eindruck der öffentlichen Bereiche sehr hell und freundlich ist, erwartet den
Hotelgast beim Betreten der Erschließungsgänge zu den Zimmern eine Überraschung. Die Gänge
sind nur mit Schwarzlicht beleuchtet und sind somit ganz dunkel. Die Wände sind gepolstert,
falls man sich in der Dunkelheit nicht zurechtfindet und gegen die Wand läuft. Auch der
Aufzug weist eine Besonderheit auf. Die Innenwände sind mit einem flauschig weichen Teppich
verkleidet. Die technische Ausstattung ist am neuesten Stand der Technik - die Räume werden
nicht mit Schlüssel, sondern per Fingerabdruck geöffnet und sind mit Hightech-Raffinessen
bestückt. Flachbild-Fernseher, Bang&Olufsen-Anlage, schnurloses Telefon und
Highspeed-Internetzugang gehören neben dem raffinierten Beleuchtungssystem, mit dem auf
Knopfdruck die Zimmer in Rot, Gelb, Blau oder Pink getaucht werden können, zu den
Highlights. „Jetzt hat Licht die Rolle des gestaltenden Elements übernommen - so können
Gäste das Ambiente selbst bestimmen“, sagt Direktor Jérôme Foucaud. Im Inneren erwartet den
Gast dann wieder viel Licht und Raum. Große Pölster, feine Vorhänge, moderne Bilder, edle
moderne Teppiche und Designermöbel statten die Räume aus.
Die Bäder sind in Schwarzweiß gehalten. Glänzende Chrom-Amaturen heben sich von den matten
Schieferfliesen ab.
Eines ist klar: eingesperrt, so wie in früheren Zeiten
im echten, italienischen Murano, fühlt sich in diesem Hotel niemand. Zwar spiegelt das
Ambiente weder das italienische Flair der Lagunenstadt noch den französischen Lebensstil
wider, aber Luxus und Komfort kann man hier in einer der schönsten, hippesten und
trendigsten Gegenden im Herzen von Paris allemal genießen!