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Barock und Moderne im Einklang
Nordburgenländische Weine sind von einer
Geschmacksvielfalt geprägt, die sich seit 2003 auch räumlich im erweiterten und
renovierten Weinkulturzentrum Gols widerspiegelt. Der am Neusiedlersee liegende Winzerort
beherbergt 250 Weinbaubetriebe, wovon 70 im Vollerwerb tätig sind. Diese Vielfalt an
Weinliebhabern und Erzeugern fragte natürlich nach einem adäquaten Ort der Repräsentation
und des gesellschaftlichen Zusammenkommens.
Für dieses umfangreiche Vorhaben konnte das älteste
Haus des Ortes, ein 1793 errichtetes barockes Schmuckstück, von der Gemeinde Gols erworben
werden. Selbstredend verlangt ein Haus mit derartig langer Geschichte nach einer
zeitgenössischen Adaptierung, weshalb professionelle Planer sowohl mit der Renovierung des
Altbestandes als auch mit einem Zubau beauftragt wurden. Heute erstrahlt das
Weinkulturzentrum in neuem Glanz und beherbergt unterschiedlichste Funktionen. Neben der
Sanierung des Altbestandes errichtete man eine Gemeindebibliothek mit umfangreicher
Weinabteilung, ein Tourismusbüro, einen Verkaufsraum, und auch einen großzügigen
Degustationsraum mit Vinothek. Die neuen Räumlichkeiten ahmen hochbautechnisch zwar die
barocke Altsubstanz nach, viel stärker artikuliert sich jedoch eine Innenraumgestaltung,
die bühnenbildartig den Wein wie eine großartige Solistin präsentiert. Der alte
Gewölbekeller erfuhr im Lauf seines mehr als 200-jährigen Bestehens einige Änderungen, die
an unterschiedlichen zueinander gebauten Gewölben und verschiedenen Bauarten und
Oberflächen (Ziegel, Kalksandstein und Sichtbeton) zu erkennen sind. Um die Räume optisch
zu verbinden wurde nun die gesamte Bodenfläche mit sägerauem Kalkstein aus St. Margarethen
belegt, was wiederum den vier ehemaligen barocken Wohnräumen eine gewisse
Zusammengehörigkeit gibt.
Der Übergang zwischen Altbestand und Neubau ist ein mittels Verbindungsgang sanft
erzeugter. Über eine rostige Stahlblechkonstruktion - formal modern, durch die Oberfläche
jedoch eine Hommage an die Vergangenheit - wird man in die neuen Räumlichkeiten geleitet.
Um weder mit dem Produkt Wein noch mit der alten Gewölbestruktur zu konkurrieren, führten
die Innenarchitekten die Regalsysteme der Vinothek als transparente Glaskonstruktionen aus.
Diese variabel anzuordnenden Regalsysteme beeinflussen die generöse Raumstruktur
keineswegs und werden zusätzlich in den Randzonen der Räume durch „Uplights“ dezent in
Szene gesetzt. Kurios wirken am ersten Blick die Lagerflächen für weitere Weinflaschen,
die in ihrer Ausformulierung an Packkisten erinnern. Diese aus Seekieferplatten
angefertigten Präsentationsregale weisen durch ihre Schienenführung höchste Flexibilität
auf. Eine beinahe mystisch-ritterliche Atmosphäre wird hier vor allem durch die spezielle
Deckengestaltung erzeugt: Gehämmertes Messingblech, an einigen Stellen leicht angebürstet,
spiegelt das Licht in einer diffusen und wohligen Form wider. Großzügiger Hingucker des
Degustationsraumes: An der Stirnwand wurde die gesamte Wand mit Großaufnahmen von
Weinflaschen bespannt, was Besucher und Weinverkoster dem edlen Rebentrunk gefühlsmäßig
noch ein Stückchen näher bringt.
Das barocke Haupthaus dient gegenwärtig als musealer Bereich für Besucher - die alte
Rauchküche und auch die Stube wurden traditionsgetreu renoviert und dienen im kleinen
Rahmen den Bürgern als Besprechungs- und Versammlungsräume.
Das Weinkulturzentrum Gols ist bei äußerlicher Betrachtung durch Elemente wie Pultdach und
authentische Fassadengestaltung homogen in das Ortsbild eingebettet ist. Bei Betreten der
Räumlichkeiten wird der Besucher jedoch in eine stimmungsvolle Welt des Weines geführt -
gestalterisch am Puls der Zeit und trotzdem respektvoll im Umgang mit der alten Bausubstanz.
Weinkulturhaus Gols
Hauptplatz 20, A-7122 Gols
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| Bauherr: |
Gemeinde Gols |
| Planung: |
Büro i-Arch, (M. Maier & M. Wächter) |
| Umbauter Raum: |
224m³ |
| Planungsbeginn: |
November 2001 |
| Bauzeit: |
15 Monate |
| Fertigstellung: |
März 2003 |
| Fotos: |
© Archiv Architekten |
| Text: |
Sandra Knöbl |
Ausstattung:
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Sämtliche Inneneinrichtungen und Glasarbeiten, Sanierung der alten Stube: |
Karl Gerstmann |
| Ausführung der Elektroinstallationen: |
Ing. Dipl.Ing. Karl Taschner |
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