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Hotel Daniel in Graz


Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler
Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler
Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler

Das Hotel Daniel in Graz ist leicht zu finden. Es liegt im Schnittpunkt zweier Hauptverkehrsachsen und direkt neben dem Hauptbahnhof. Der mit 7 Stockwerken knapp unter der Hochhausgrenze liegende Hotelturm ist besonders nachts schon von weitem zu sehen. Denn die der Innenstadt zugewandte Loggia-Fassade ist ein Lichtkunstwerk und liegt genau in der Flucht der vielfrequentierten Einkaufsmeile Annenstraße. So wirkt das Hotel als „Citymark“, ganz im Sinne des Stadtplanungsamtes, das in diesem Gebiet eine Hochhauszone in Erwägung zieht.

Vom Bahnhof kommend könnte man das Gebäude eventuell doch übersehen, einfach weil man es in dieser Form nicht erwartet. Die dem Bahnhofspark zugewandte Fassade verschwindet nämlich fast über die ganze Höhe hinter einem Pelz aus wilden Weinranken. Das Hotel ist ein Architektur-Klassiker aus den 1950er-Jahren und wurde heuer nach einer Neukonzeptionierung gründlich revitalisiert. Der Haupteingang wird über die gesamte Gebäudelänge von einer jugendlichen Vespa-Flotte flankiert, die den Gästen leihweise zur Verfügung steht. Das Auto kann also ruhig zu Hause bleiben, vom Bahnhof aus braucht man weder Taxi noch Stadtplan. Aber mitgebracht werden sollten Lust am Design, Lässigkeit und ein junges Gemüt. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Pärchen und gute Freunde/innen. Es gibt nur 2-Bett-Zimmer, 101 an der Zahl. Die einzige Suite, die es früher gab, wurde in 2 Zimmer aufgeteilt. Die Preise sind im moderaten „Budget“-Bereich, die Ausstattung ist von einem Designerstudio. Das ergibt zusammen das erste „Budget-Designerhotel“ in Österreich.
Graz zieht seit dem Kulturstadtjahr 2003 vermehrt Kultur-Touristen an und hat daher einen Bedarf an modern gestylten Unterkünften, die sich auch jüngere Gäste leisten können und ihnen ein Ambiente bieten, das ihrem Lebensgefühl entspricht. Das Berliner Designerstudio Werner Aisslinger, das für die Innenausstattung verantwortlich zeichnet, ging als Sieger aus einem Ideen-Wettbewerb hervor. Die Doppelzimmer gibt es in zwei Größen, die größeren haben üppige 4 m2 Bettfläche und eine Loggia Richtung Annenstraße, die kleineren 160 cm breite Doppelbetten und gewöhnliche Fenster. Die Gestaltung erfolgte nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“. So wurde z. B. auf Schränke verzichtet, stattdessen gibt es ein offenes Garderobemöbel, das keinen Raum verstellt und lässig zu bedienen ist. Es gibt auch kein Badezimmer, sondern offen im Raum stehende, mit Stein verkleidete Waschplätze. Dafür sind die „Rainshower“-Duschen ungewöhnlich groß, um den Erlebniswert zu steigern. Junge Menschen wollen Spaß, daher steht der sinnliche Nutzen im Vordergrund. „Rainshower“-Duschen haben überdimensionierte Duschköpfe und einen Wasserstrahl wie von Regentropfen, so weich und breit. Die Dusche erhält, obwohl innen liegend, Tageslicht über eine lichtdurchlässige Glaswand, die mit Naturmotiven bedruckt ist. Weitere Styling-Elemente sind großzügige Betthäupter mit Filzbezug und integrierten Leuchten, an denen man wirklich bequem lehnen kann. Das Sitzen, Essen, Lesen und Schreiben im Bett erleichtert ein fahrbarer Tisch-Trolly, der wie ein Krankentisch über´s Bett gezogen werden kann. Übliche Tische und Stühle gibt es nicht. Stattdessen filzbezogene und mit Kissen bestückte Bänke, die lang genug sind, um auch darauf liegen zu können und die in Kombination mit den Trollies als Schreibplätze dienen. Die Bänke sind mal blau und mal grün, die Farben allgemein bunt, aber mild aufeinander abgestimmt. Ein besonderes Wohngefühl vermitteln auch die Vorhänge: Vor den Terrassentüren zu den Loggien bestehen die Vorhänge aus feinen weißen Fäden. Sichtschutzvorhänge gibt es zusätzlich. Bei den kleineren Zimmern sind sie wie Schiebetüren verschiebbar und in ein Kastenelement integriert, das auch die Sitzbank enthält.
In den oberen Geschoßen genießt man auf Grund der Lage einen tollen Ausblick auf die Stadt. Für audio-visuelle Vergnügungen bieten die Zimmer außerdem CD- und DVD-Player, TV, Telefon und Internet-Zugang. Die Rezeption, die zugleich die Bar ist, ist rund um die Uhr geöffnet. In diesem Hotel kann man leicht die Zeit und die Stadt Graz vergessen! Das Hotel hat allerdings kein Restaurant, und nun wird doch ein Ausflug in die berühmte Grazer Gastgarten-Szene fällig, am besten auf einer der bereit stehenden Vespas. Für Getränke, Snacks und kleine Utensilien wie vergessene Zahnbürsten sorgt neben der Bar ein Automat. Die gesamte Erdgeschoßzone ist als offener Großraum wie ein Loft angelegt und lädt zum Entspannen oder Plaudern ein. Entweder auf der gut eingewachsenen Frühstücksterrasse, auf einem Liegestuhl am baumbestandenen Bahnhofsvorplatz, einer der Lederbänke entlang der Glasfront, einem der Kaffeehaustische oder auf einem der Designer-Stühle am großen Gemeinschaftstisch. Im Winter ist ein Platz vor dem offenen Kamin zu empfehlen, mit der Bibliothek und dem stimulierenden Wasserbecken. So bietet die Lobby bzw. der „Loft“ unterschiedlich kommunikative Bereiche mit wechselnden Materialien und geschmackvollen Details. Hier sollte es nicht schwer fallen, neue Leute kennen zu lernen und ein städtisches Urlaubsgefühl zu genießen.
Das Besondere an diesem neuen Hotelkonzept ist, dass es gelingt, Designqualität und Kostengünstigkeit zu vereinen. Das „Daniel“ bietet keinen Luxus im herkömmlichen Sinne, aber viel Charme und einen hohen Nutzwert für die anvisierte junge Zielgruppe. Sie findet hier alles, was sie gerne mag und vermisst nichts, worauf sie sowieso gerne verzichtet, z. B. Hotelpagen, förmliche Bedienung, Dekorationen und eine gediegene Speisekarte. Gespart wurde außerdem vor allem in jenen Bereichen, die für die Gäste nicht sichtbar sind. Das Angenehme daran ist, dass dieser Sparwille nicht durchgängig, sondern die Qualität in einzelnen Bereichen erstklassig ist. Zu erwähnen ist hier vor allem der Bereich des offenen Kamins, der in eine geschichtete Natursteinwand eingelassen ist, einen edlen Holzfußboden hat und mit feinen Holzläden ausgestattet ist.
Ingesamt überzeugt das „Daniel“ durch seine lockere Atmosphäre. Zur Eröffnung wurde es von jungen und „stylischen“ Menschen gestürmt. Es verträgt Turnschuhe ebenso gut wie Saisonmode und zeitlose Basics. Das Outfit spielt in Graz eine größere Rolle als anderswo, aber Design ist generell ein Wachstumsmarkt, weil es wie die Mode das Lebensgefühl bestimmt. Es ist daher zu wünschen, dass das „Daniel“ bald viele Nachfolgeprojekte bekommt.


Hotel Daniel

Europaplatz 1, 8021 Graz

Weitzer Hotels Betriebsgesmbh,
Graz
Oliver Massabni, a2 hotelconcept
G.m.b.H., Wien
Interior Design: studio aisslinger, Berlin
PKF hotelexperts G.m.b.H., Wien
Grundstücksfläche: 1.760m²
Bebaute Fläche: 510m²
Umbauter Raum: 10.200m³
Planungsbeginn: Mai 2004
Bauzeit: Jänner bis Juni 2005
© Veronika Stabinger, Peter Riedler
Text: Irmgard Brottrager

Ausstattung:

Hugin Sweda
Xenon
Bachhuber & Söhne
Thumfort
Malerarbeiten: Fasser KG

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