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Farben im Hotel


Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler
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Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler Hotel Daniel / Bilder: © Veronika Stabinger, Peter Riedler

Text: Cornelia Markus-Diedenhofen*
Bilder: Soenne, Aachen/København

Für den Gast eines Hotels ist die Farbwahrnehmung ein unmittelbar emotionales Erlebnis.
Sein erster Eindruck beim Betreten der Hotellobby, der kurze Seitenblick ins Restaurant, der Gang über den Hotelflur und die Neugier auf das, was ihn nach dem Aufschließen hinter seiner Zimmertür erwartet.
Das alles fügt sich im besten Fall zu einem ersten Gefühl, gut angekommen zu sein.

Die Wirkungen von Farben sind so vielseitig wie ihre Einsatzmöglichkeiten: Sie gestalten oder strukturieren Räume, definieren Funktionen, transportieren Emotionen, setzen Akzente, können Erwartungen erfüllen oder enttäuschen, beleben oder wirken bedrückend, schockieren, provozieren oder harmonisieren. Farben vermitteln Wertigkeit von Materialien oder lassen diese „billig“ aussehen.
Farben verändern sich mit dem Licht, wirken unterschiedlich je nach Oberfläche oder Muster. Natürlich ist der Farbgeschmack auch wechselnden Moden unterworfen: Mitte der 1980er-Jahre waren besonders bei Hotelrenovierungen die „farbenfrohen“ Zimmerkonzepte der letzte Schrei. Doch bereits seit den 1990ern haben sich die Vorstellungen auch bei den Bauherren merklich gewandelt. Natürlich gibt es immer noch Ausreißer: Wenn ein Design- oder Themenhotel unter dem Motto „Andy Warhol“ steht, muss sich die Farbigkeit des Innenraumkonzepts selbstverständlich dieser Vorgabe anpassen. Generell gilt jedoch, dass der normale Gast eines „bunten“ Hotels diesen Stil beim ersten Eindruck vielleicht noch als witzig empfindet, erfahrungsgemäß sieht er sich an solchen Farborgien dann jedoch schnell leid. Überfrachtetes Farbenspiel kann leicht zum Chaos geraten. Die Reizüberflutung, die aus dem Kampf der Farben für das Auge entsteht, strengt den Betrachter auf Dauer nur unnötig an.
Farben, die an einem bestimmten Ort „verboten“ aussehen, können dagegen an einem anderen genau die Erlebniserwartung der Gäste treffen: Ein Themenhotel unter dem Motto „Don Giovanni“ wird mit Oper, Drama oder Leidenschaft verbunden. Hier kann es farblich und materialtechnisch dann auch einmal üppiger zugehen als in einem Tagungshotel. Ein anderer Aspekt ist der regionale Faktor: Für ein Hotel in einer Region, wo bisweilen ganze Tage verregnet sind, lässt man beim Innenraumkonzept besser die Finger von Grau-in-Grau-Tönen, sonst erzeugt man bei den Gäste unnötig depressive Stimmungen. An anderen Standorten kann dieselbe Farbwahl wiederum sehr elegant wirken.
Wie ein Mensch bestimmte Farben wahrnimmt und welche Gefühle, Assoziationen oder Erinnerungen sie bei ihm auslösen, ist natürlich individuell verschieden. Fest steht, dass die Farbwahrnehmung des Menschen auch mit seinem persönlichen Reifeprozess verbunden ist. Im Laufe seines Lebens entwickelt er sein Farbempfinden weiter und ändert dabei auch seine Vorlieben für bestimmte Töne. Die frühen Lebensjahre stehen ganz im Zeichen der Primärfarben: Rot, Gelb und Blau sind die Lieblinge der Kinder, Grün kommt als erste Mischfarbe hinzu und erweitert die Palette. Nicht umsonst sind bei der Gestaltung von Kindergärten und Schulen die Grundfarben sehr beliebt. Die „Zielgruppenansprache“ ist also beim Einsatz von Farben in der Architektur ein wichtiger Aspekt! Je älter der Mensch wird, umso vielfältiger und differenzierter werden seine Farberfahrungen, die reinen Primärfarben werden ihm zu simpel, er lernt Abtönungen und Schattierungen schätzen, und damit wandelt sich auch sein Farbgeschmack.
Natürlich gehören die klassischen Farbtheorien und die fundierte Kenntnis der Psychologie der Farben zum theoretischen Handwerkszeug eines jeden Innenarchitekten. Ob nun Ton-in-Ton-Harmonie, Nachbarschaftsharmonie, Querschnittsharmonie oder Akzentharmonie: Gerade für ein komplexes System wie ein Hotel besteht die eigentliche Kunst darin, die Farben und ihre verschiedenen Tonigkeiten im Zusammenspiel mit der Architektur und der Inneneinrichtung ohne Brüche so zu komponieren, dass dem Gast ein Raumerlebnis vermittelt wird, das ihn bewusst oder unbewusst anspricht - und von dem auch später noch ein positiver Eindruck zurückbleibt. Da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, kann man es natürlich nicht jedem bis ins kleinste Detail recht machen. Immer wird es einen Gast geben, der den einen oder anderen Farbton nicht so mag. Wenn jedoch die Gesamtkomposition von Farbigkeit und Innenraumkonzeption stimmt, wird ihm der „ungeliebte“ Ton vielleicht nicht einmal mehr störend auffallen.
Das Innenleben eines Hotels sollte aber zunächst einmal Ruhe ausstrahlen. Bei der Bemusterung sind entsprechend zurückhaltende Töne zu wählen und Farbkonzepte mit eher dezenter Akzentuierung als Blickfang, der bewusst gesetzt wird und an dem sich das Auge festhalten kann, zu erarbeiten. Bei aller Zurückhaltung soll das Farbkonzept am Ende jedoch nicht langweilig oder beliebig sein. Ein stilistischer Akzent oder Eyecatcher kann beispielsweise durch eine anthrazitfarbene Wandscheibe in einem weißen Raum erreicht werden. Ein Gemälde kann die Blicke ebenso auf sich ziehen wie ganz einfache Accessoires: ein orangefarbenes Kissen auf einem hell bezogenen Hotelbett, eine Schale mit Obst auf einem Tisch oder eine Vase mit Blumen im Wandregal. Etwas frechere Tupfer sind natürlich auch erlaubt: So wurde beim neuen Lindner Hotel in Berlin in den Zimmern, die in Grau-Beige-Tönen gehalten sind, für die Kofferablage ein pinkfarbener, hochfloriger Teppich gewählt. Das erschlägt den Gast nicht gleich beim Betreten des Zimmers, doch es wird sich ihm als kleine und ungewöhnliche Besonderheit dennoch einprägen.

Wo Farben „funktionieren“ Farbe mit Leitfunktion, ein praktikables Mittel zur Orientierung in Krankenhäusern, bei Parkhäusern oder Tiefgaragen, ist im Hotel eigentlich kein Thema. Die Farbwahl von Räumen oder Hotelbereichen kann jedoch durch bestimmte Funktionen „mitbestimmt“ werden. Wer möchte in einem schwarzen Raum sein Frühstück einnehmen? Frühstücksrestaurants, in denen man sich für den Tag stärkt, verlangen nach leichteren, freundlichen Farben wie beispielsweise lichten Grüntonen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Manches Grün reflektiert das Licht unvorteilhaft und kann so „Blässe“ auf dem Gesicht erzeugen, die den Gast kränklich aussehen lässt. Pastellige, helle Töne, die in den Frühstücksraum passen, würden dagegen in einer Hotelbar, wo man den Tag bei einem Cocktail ausklingen lässt, zum echten Stimmungskiller: Hier sind gedecktere Töne gefragt, die sich zum Beispiel gut mit Rot- oder auch Gold- oder anderen metallischen Akzenten vertragen. Auch Fine Dining verlangt entsprechend edles Ambiente - eine Raumdecke mit Blattgold-Finish ist da sicherlich nicht deplatziert. Blau eignet sich klassischerweise für Hotelpools: Nicht jeder Gast würde entspannt in einem rot gefliesten Pool schwimmen! Als ruhiger Ton wird blau auch gerne für die sachliche Atmosphäre von Tagungsbereichen eingesetzt. Farbige Knalleffekte und unruhige Muster sind hier tabu, denn schließlich soll konzentriert gearbeitet oder zugehört werden.
Farbe in Kombination mit natürlichen wie künstlichen Lichtquellen eröffnet dem Planer ungeahnte kreative Gestaltungswelten. Auch Kunstlicht ist bei den heutigen technischen Möglichkeiten ein vielfältig genutztes Stilmittel für die Innenarchitektur: Licht zur Wegeführung, Streiflicht, indirektes und direktes Licht, Lichtakzente als Punktbeleuchtung, flächiges Licht, Lichtbänder, gedimmtes oder farbiges Licht - bei gekonntem Einsatz werden dadurch Materialoberflächen, Formen oder Räume zum visuellen Erlebnis.

Der Boom der letzten Jahre, überall buntes Licht einzusetzen, ist allerdings kritisch zu sehen, denn es besteht hier immer die Gefahr, die Schwelle zum Kitsch zu überschreiten. Wenn die Harmonie von Architektur und farbigem Licht jedoch gewahrt bleibt, können damit gestalterische Motive effektvoll in Szene gesetzt werden. Beim Hallenbad des Golfhotels Öschberghof in Donaueschingen wird lineares, blaues Licht zum bestimmenden Raumelement: Wie durch einen Sucher blickt man von der leicht abgedunkelten Eingangsschleuse aus auf die markante Stirnseite des Bades mit ihrer anthrazit gespachtelten Vorsatzschale. Sie ist mit einem waagerechten Lichtschlitz versehen, der sich über die gesamte Wandbreite erstreckt. Das leuchtend blaue Licht, das von ihm ausgeht, strahlt gleichzeitig Wärme und Dynamik aus und verleiht dem Raum so eine einmalige Atmosphäre.

* Dipl.-Ing. Cornelia Markus-Diedenhofen gründete 1985 das gleichnamige Innenarchitekturbüro, das sich schwerpunktmäßig mit Neubau, Umbau und Sanierung von Hotels, Restaurants und Golfclubs beschäftigt.


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