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Berliner Minimalismus
Minimalismus ist keine Stilrichtung, sondern vielmehr
eine Haltung, eine Form des Seins. Minimalismus ist eine fundamentale Reaktion auf Lärm,
visuelle Sinnesüberflutung, Unordnung und Geschmacklosigkeit. Minimalismus ist das Streben
nach der Essenz der Dinge, nicht deren Erscheinung.
Diese „Design Philosophie“ stammt von dem in London
arbeitenden Architekten Claudio Silvestrin, und die Umsetzung seiner Haltung ist seit 1.
Juli 2005 im neu renovierten und umgebauten Hotel Lux 11 in Berlin Mitte zu sehen, erleben
und erspüren. Der für die Inneneinrichtung verantwortliche Architekt kooperierte in
homogener Weise mit dem Berliner Büro MK-Architekten, und das Resultat ist ein Gegenpol zum
Berliner Großstadtstrudel. Das nunmehr als Hotel genutzte Gebäude existiert in der
Rosa-Luxemburg-Straße seit 1862 und diente während des Kalten Krieges dem KGB als
Telefonbespitzelungszentrale. Nach der Wende verwaiste der Prachtbau und wurde daraufhin
von der Chambers Group (Anm. der Red.: Hospitality Industry Consultants mit Firmensitz in
Seattle) gekauft. Heute präsentiert sich das von der Lux-11-Betriebsgesellschaft geführte
Haus in neuem Glanz und vor allem Luxus. Grundkonzept des 72 Zimmer umfassenden Hotels ist
das eines Apartmenthotels mit einer Vielzahl an - extra zu bezahlenden - Zusatzangeboten.
So steht beispielsweise Roomservice zur Verfügung, allerdings nur gegen Aufpreis. Ein für
Häuser dieser Größe übliches Angebot gibt es allerdings im Dienstleistungsbereich: Passt
die Frisur oder die Kleidung nicht in das schicke Hotel, kann kurzerhand der im Haus
situierte Aveda Frisör besucht werden oder im Ulf Haines store dem Mode shopping
nachgegangen werden.
Die Zimmer selbst sind geschmackvoll am Puls der Zeit eingerichtet und variieren in ihrer
Größe von 28 bis 65 Quadratmeter, beinhalten allesamt eine kleine Küche und einige sogar
Balkone. Das Konzept der integrierten Küche basiert auf der Idee der langfristigen
Zimmervermietung. Grundsätzlich wünschen die Betreiber, die Räumlichkeiten des 7 Geschoße
umfassenden Gebäudes für Wochen und Monate an internationale Gäste zu vermieten. Wohlfühlen
würde man sich bestimmt in den diversen Apartments. Alleine die Farbwahl der Räume ist eine
außergewöhnliche: Die Betonflächen erscheinen lindgrün, während alle Holzelemente - in
hellem Beige - die Räume scheinbar in sich selbst ruhen lassen. Durch die einheitlich grüne
Betonstruktur entsteht eine monolithische Raumwirkung, die von einem Holzband durchquert
wird. Dieses wiederum beige Band dient dazu, die Kernzone der Zimmer, nämlich das Bett,
Schreibtisch und Sitzgelegenheit, optisch zu verbinden. Die Möblierung der Zimmer wird von
kubischen Formen dominiert, deren Farbwahl ganz dem Pastell-Grundkonzept unterliegt.
Waschtisch, Küchennische und Sofas wurden in weißen- und beigen Tönen gehalten, lediglich
die unterschiedlich hohen Tische präsentieren sich in kräftigem Naturholz.
Bei Verlassen der Zimmer und des Hotels passiert man die Rezeption, die ebenfalls äußerst
minimal gehalten wurde. Ein schlichtes Pult dient als 24-Stunden-Info-Stand und hier erhält
der Gast neben hausinternen Informationen Wissenswertes über aktuelle Geschehnisse der
pulsierenden Stadt Berlin. Kaum hat man das Lux 11 verlassen findet man sich im Zentrum der
urbanen Geschehnisse, denn die Hackeschen Höfe und der Prenzlauer Berg, bekannt für eine
kreative Modeszene und eine lebhafte Gastronomielandschaft, sind nur wenige Gehminuten
entfernt. Trotz der Nähe zur dichten Bar- und Restaurantszene wird in naher Zukunft auch im
Lux 11 ein Raum für Feinschmecker zu finden sein, nämlich das „Kuchi“, ein in Berlin
beliebtes Sushi-Asien-Restaurant, das im Hotel seinen 4. Berliner Standort finden wird.
Boardinghouse Lux 11
Rosa-Luxemburg-Straße 9, 11, 13, Berlin
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| Bauherr: |
Dr. Mebes & Wullinger Immobilien G.m.b.H. |
| Entwurf und Ausführung: |
Müller und Keller G.v. Architekten m.b.H., Berlin |
| Entwurf Innenarchitektur: |
silvestrinsalmso, London |
| Bebaute Fläche: |
4.500m² |
| Planungsbeginn: |
2002 |
| Fertigstellung: |
2005 |
| Fotos: |
© www.diephotodesigner.de |
| Text: |
Sandra Knöbl |
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