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„Zimmer mit Aussicht in 2.154 m Höhe, die ...“


Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser
Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser
Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark / Bilder: © Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser

„Zimmer mit Aussicht in 2.154 m Höhe, die wahrlich alle Stückerl spielen!“

War der Wanderer und Bergsteiger am Hochschwab bis vor kurzem noch mit einer betagten 120 Jahre alten Schutzhütte konfrontiert, die von Stahlseilen in Form gehaltenen wurde und im Wind beängstigend ächzte, so erwartet ihn heute „Hightech“ in Form eines (fast) energieautarken und ökologischen Holzbaus. Wahrlich ein Pilotprojekt nicht nur für solares Bauen in alpiner Insellage, das hier aufgrund der Leistung jedes einzelnen beteiligten Professionisten innerhalb von weniger als einem Jahr entstanden ist. Plumpsklos und Lavoirs als Waschmöglichkeit gehören der Vergangenheit an, seit der Eröffnung am 2. September 2005 erwartet die Gipfelstürmer moderner Komfort, der viel Gemütlichkeit ausstrahlt und zudem allen Anforderungen der sensiblen Lage im Naturschutzgebiet gerecht wird.

Die Geschichte des neuen Schiestlhauses ist bereits vor seiner Fertigstellung eine lange, und die Liste der Namen all jener, die das Projekt sowohl finanziell als auch mit fachlicher Kompetenz unterstützt haben, zahlreich.
Die Architekturschaffende Marie Rezac, derzeit Mitarbeiterin bei Treberspurg & Partner Architekten, war von der Geburtsstunde bis zum Eröffnungsfest, also fünf spannende und arbeitsintensive Jahre lang, voll involviert in das Projekt Schiestlhaus. Von ihr stammt, damals noch als ortloser alpiner Studentenentwurf für die TU-Wien zum Zwecke des Studienfortschritts erstellt, die Idee für ein solches solares Unternehmen hoch droben in den Bergen. Von weisen Lehrenden und Projektförderern als zukunftsträchtig und forschungsprojektwürdig erachtet, wurde das Konzept weiterbearbeitet, und mit dem Österreichischen Touristenclub (ÖTK) der Standort Hochschwab für die Realisierung gefunden. Ausführungsplanung und Realisierung erfolgte im Rahmen von pos architekten ZT KEG und Treberspurg & Partner Architekten. DI Marie Rezac, die im Zuge der Bauaufsicht auch mehrmals pro Monat zu Fuß zur Baustelle aufstieg, blickt heute, nicht zu Unrecht, mit Stolz und auch ein wenig Wehmut (weil das Unternehmen ja nun abgeschlossen ist) auf das gebaute Ergebnis.
„Die Atmosphäre da oben am Berg hat alle zu einem Team zusammengeschweißt. Bei den Ausführenden vor Ort gab es überdurchschnittlich viel Zusammenhalt und gegenseitige Unterstüzung: Jeder hat jedem geholfen. Ich weiß nicht, was für eine Baustelle jetzt noch kommen kann, die so viel Spannung und Herausforderung bieten wird, aber ich lasse mich überraschen“, so äußert sich Rezac über das Professionisten-Team, den Verlauf der Arbeiten und die Zukunft.
Das Schiestlhaus zeigt sich als - für Passivhäuser wohl bekannte - kompakte, zweigeschoßige Holzkiste mit flach geneigtem Pultdach, dessen Erdverbundenheit durch den massiven Sockel verstärkt wird. Sowohl für die Konstruktion als auch für die Fassade, die als liegende Lärchenholzschalung ausgeführt wurde, kommt der Baustoff Holz zum Einsatz. Die Südfassadenseite wurde als Energie-Fassadensystem ausgebildet und öffnet sich dem spektakulären Panorama zu. Eine großflächige Verglasung im Erdgeschoß unterstützt die passive Solarenergienutzung. Die Fassadenintegrierten Solarkollektoren im Obergeschoß dienen zur thermischen Energiegewinnung. Dem Sockelgeschoß wurde eine 68 m2 große Fotovoltaikanlage vorgelagert. Die Ost- West- und Nordfassade ist weitgehend geschlossen.
Im Sockelgeschoß befinden sich die Vorrats- und Haustechnikräume, die ein energieautarkes Bestehen der Hütte gewährleisten. Hier finden unter anderem eine Trinkwasserzisterne, eine Lüftungszentrale und eine Abwasseraufbereitungsanlage Platz. Wände, Decke und Dach der darüber liegenden zwei Geschoße sind aus Holzfertigteilen und wurden in jeweils drei Tagen montiert. Die Materiallogistik dafür wurde ausschließlich durch Hubschraubertransporte bewerkstelligt, da der Bauplatz weder über Straßenanbindung noch Materialseilbahn verfügt. Was der Hubschrauber in zwei Minuten schafft, dauert per pedes gute zwei Stunden - der Aufstieg von der Edelbodenalm bis hinauf zur Hütte umfasst ca. 800 Höhenmeter (wandernd erlebt man allerdings die unberührte Landschaft mit seinen spektakulären Felsformationen, seinen Gämsen und Murmeltieren zwar nicht physisch, aber in jedem Fall psychologisch wesentlich entspannter).
Die innere Raumorganisation weist eine solare Zonierung auf. Häufig benutzte Aufenthaltsräume und Gästezimmer sind nach Süden orientiert, wohingegen alle Nebenräume, wie Gänge und Garderoben ins Innere oder nach Norden verlegt sind. Im Zentrum der Hütte steht die Stube. Die statisch bedingten schräg gestellten Stahlstützen gliedern den lang gestreckten Raum. Hier rahmt das durchgehende Fensterband die umgebende Bergwelt großzügig ein und bringt viel Sonne in den Raum. Der gelaugte und geölte dunkle Eichen-Stabparkettboden harmoniert mit den das Raumklima verbessernden Lehmwänden und den hellen Holzoberflächen. Farbakzente werden durch die Bestuhlung sowie die teilweise farbig gestalteten Wände gesetzt. Zur in Nirosta-Stahl ausgeführten Küche, die zur Kreation ausgefallener Schmankerl einlädt, wurde eine Durchreiche aus mit Phenolharz gehärteten Kompaktholzplatten entworfen. Was sich der hungrige Wanderer einverleiben kann, wird mit Kreide auf den verschiebbaren Trennelementen der Theke angekündigt.
Die Schlafräume im Obergeschoß sind mit eigens konzipierten Stockbetten und Ablageregalen bestückt, wobei stets Bedacht auf Privatsphäre gelegt wurde. Trotz Hüttenidyll in Zimmerlagern für bis zu 11 Leute erwartet den Besucher moderner, beinahe 5-Sterne-Komfort, den man in solchen Höhenlagen keinesfalls erwartet und auch nicht für möglich halten mag.

Der Hochschwab ist seit Kurzem nicht nur landschaftlich was Besonderes.
Im gebauten Ambiente braucht man sich nicht mehr zu wundern, wenn man von der sympathischen, aus Dresden stammenden Hüttenwirtin im Original sächsischen Akzent empfangen wird und erfährt, dass der Hüttenwirt eigentlich ein Maschinenbau-Ingenieur ist.


Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark

Das Projekt ist im Rahmen der Programmlinie „Haus der Zukunft“ entstanden.

Hochschwab, 2.154 m Seehöhe

Bauherr: ÖTK-Österreichischer Touristenklub, Wien
ARGE solar4alpin: Marie Rezac, Karin Stieldorf,
Fritz Oettl, Martin Treberspurg
pos architekten ZT KEG und Treberspurg &
Partner Architekten
Pläne: pos Architekten ZT KEG
Grafiken: ARGE solar4alpin / pos architekten ZT KEG
Statik: Robert Salzer, Hohenberg, Gerald Gallasch, Wien
Bauphysik: Wilhelm Hofbauer, Karin Stieldorf, IBO, Wien
GU Massivbau: Geischläger Bauunternehmung, Göstling/ Hochkar
GU Holzbau: Holzbau Harrer G.m.b.H., Frohnleiten
Schlafplätze: 66-70, im Winterraum 5-8
Sitzplätze: 70 in Gaststuben + 60-80 auf der Terrasse
Nutzfläche: Holzbau EG+OG: 335m²
Bebaute Fläche: 333m²
Grundstücksfläche: 2.659m²
Bruttogeschoßfläche: 626m²
© Archiv Treberspurg & Partner Architekten,
Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik,
Alexander Podesser
Text: Katharina Tielsch

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