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„Zimmer mit Aussicht in 2.154 m Höhe, die ...“
„Zimmer mit Aussicht in 2.154 m Höhe, die wahrlich
alle Stückerl spielen!“
War der Wanderer und Bergsteiger am Hochschwab bis vor
kurzem noch mit einer betagten 120 Jahre alten Schutzhütte konfrontiert, die von Stahlseilen
in Form gehaltenen wurde und im Wind beängstigend ächzte, so erwartet ihn heute „Hightech“
in Form eines (fast) energieautarken und ökologischen Holzbaus. Wahrlich ein Pilotprojekt
nicht nur für solares Bauen in alpiner Insellage, das hier aufgrund der Leistung jedes
einzelnen beteiligten Professionisten innerhalb von weniger als einem Jahr entstanden ist.
Plumpsklos und Lavoirs als Waschmöglichkeit gehören der Vergangenheit an, seit der
Eröffnung am 2. September 2005 erwartet die Gipfelstürmer moderner Komfort, der viel
Gemütlichkeit ausstrahlt und zudem allen Anforderungen der sensiblen Lage im
Naturschutzgebiet gerecht wird.
Die Geschichte des neuen Schiestlhauses ist bereits
vor seiner Fertigstellung eine lange, und die Liste der Namen all jener, die das Projekt
sowohl finanziell als auch mit fachlicher Kompetenz unterstützt haben, zahlreich.
Die Architekturschaffende Marie Rezac, derzeit Mitarbeiterin bei Treberspurg & Partner
Architekten, war von der Geburtsstunde bis zum Eröffnungsfest, also fünf spannende und
arbeitsintensive Jahre lang, voll involviert in das Projekt Schiestlhaus. Von ihr stammt,
damals noch als ortloser alpiner Studentenentwurf für die TU-Wien zum Zwecke des
Studienfortschritts erstellt, die Idee für ein solches solares Unternehmen hoch droben in
den Bergen. Von weisen Lehrenden und Projektförderern als zukunftsträchtig und
forschungsprojektwürdig erachtet, wurde das Konzept weiterbearbeitet, und mit dem
Österreichischen Touristenclub (ÖTK) der Standort Hochschwab für die Realisierung gefunden.
Ausführungsplanung und Realisierung erfolgte im Rahmen von pos architekten ZT KEG und
Treberspurg & Partner Architekten. DI Marie Rezac, die im Zuge der Bauaufsicht auch mehrmals
pro Monat zu Fuß zur Baustelle aufstieg, blickt heute, nicht zu Unrecht, mit Stolz und auch
ein wenig Wehmut (weil das Unternehmen ja nun abgeschlossen ist) auf das gebaute Ergebnis.
„Die Atmosphäre da oben am Berg hat alle zu einem Team zusammengeschweißt. Bei den
Ausführenden vor Ort gab es überdurchschnittlich viel Zusammenhalt und gegenseitige
Unterstüzung: Jeder hat jedem geholfen. Ich weiß nicht, was für eine Baustelle jetzt noch
kommen kann, die so viel Spannung und Herausforderung bieten wird, aber ich lasse mich
überraschen“, so äußert sich Rezac über das Professionisten-Team, den Verlauf der Arbeiten
und die Zukunft.
Das Schiestlhaus zeigt sich als - für Passivhäuser wohl bekannte - kompakte, zweigeschoßige
Holzkiste mit flach geneigtem Pultdach, dessen Erdverbundenheit durch den massiven Sockel
verstärkt wird. Sowohl für die Konstruktion als auch für die Fassade, die als liegende
Lärchenholzschalung ausgeführt wurde, kommt der Baustoff Holz zum Einsatz. Die
Südfassadenseite wurde als Energie-Fassadensystem ausgebildet und öffnet sich dem
spektakulären Panorama zu. Eine großflächige Verglasung im Erdgeschoß unterstützt die
passive Solarenergienutzung. Die Fassadenintegrierten Solarkollektoren im Obergeschoß
dienen zur thermischen Energiegewinnung. Dem Sockelgeschoß wurde eine 68 m2 große
Fotovoltaikanlage vorgelagert. Die Ost- West- und Nordfassade ist weitgehend geschlossen.
Im Sockelgeschoß befinden sich die Vorrats- und Haustechnikräume, die ein energieautarkes
Bestehen der Hütte gewährleisten. Hier finden unter anderem eine Trinkwasserzisterne, eine
Lüftungszentrale und eine Abwasseraufbereitungsanlage Platz. Wände, Decke und Dach der
darüber liegenden zwei Geschoße sind aus Holzfertigteilen und wurden in jeweils drei Tagen
montiert. Die Materiallogistik dafür wurde ausschließlich durch Hubschraubertransporte
bewerkstelligt, da der Bauplatz weder über Straßenanbindung noch Materialseilbahn verfügt.
Was der Hubschrauber in zwei Minuten schafft, dauert per pedes gute zwei Stunden - der
Aufstieg von der Edelbodenalm bis hinauf zur Hütte umfasst ca. 800 Höhenmeter (wandernd
erlebt man allerdings die unberührte Landschaft mit seinen spektakulären Felsformationen,
seinen Gämsen und Murmeltieren zwar nicht physisch, aber in jedem Fall psychologisch
wesentlich entspannter).
Die innere Raumorganisation weist eine solare Zonierung auf. Häufig benutzte
Aufenthaltsräume und Gästezimmer sind nach Süden orientiert, wohingegen alle Nebenräume,
wie Gänge und Garderoben ins Innere oder nach Norden verlegt sind. Im Zentrum der Hütte
steht die Stube. Die statisch bedingten schräg gestellten Stahlstützen gliedern den lang
gestreckten Raum. Hier rahmt das durchgehende Fensterband die umgebende Bergwelt großzügig
ein und bringt viel Sonne in den Raum. Der gelaugte und geölte dunkle
Eichen-Stabparkettboden harmoniert mit den das Raumklima verbessernden Lehmwänden und den
hellen Holzoberflächen. Farbakzente werden durch die Bestuhlung sowie die teilweise farbig
gestalteten Wände gesetzt. Zur in Nirosta-Stahl ausgeführten Küche, die zur Kreation
ausgefallener Schmankerl einlädt, wurde eine Durchreiche aus mit Phenolharz gehärteten
Kompaktholzplatten entworfen. Was sich der hungrige Wanderer einverleiben kann, wird mit
Kreide auf den verschiebbaren Trennelementen der Theke angekündigt.
Die Schlafräume im Obergeschoß sind mit eigens konzipierten Stockbetten und Ablageregalen
bestückt, wobei stets Bedacht auf Privatsphäre gelegt wurde. Trotz Hüttenidyll in
Zimmerlagern für bis zu 11 Leute erwartet den Besucher moderner, beinahe 5-Sterne-Komfort,
den man in solchen Höhenlagen keinesfalls erwartet und auch nicht für möglich halten mag.
Der Hochschwab ist seit Kurzem nicht nur
landschaftlich was Besonderes.
Im gebauten Ambiente braucht man sich nicht mehr zu wundern, wenn man von der sympathischen,
aus Dresden stammenden Hüttenwirtin im Original sächsischen Akzent empfangen wird und
erfährt, dass der Hüttenwirt eigentlich ein Maschinenbau-Ingenieur ist.
Das neue Schiestlhaus am Hochschwab, Steiermark
Das Projekt ist im Rahmen der Programmlinie
„Haus der Zukunft“ entstanden.
Hochschwab, 2.154 m Seehöhe
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| Bauherr: |
ÖTK-Österreichischer Touristenklub, Wien |
| Entwicklung und Entwurf: |
ARGE solar4alpin: Marie Rezac, Karin Stieldorf, Fritz Oettl, Martin Treberspurg |
| Realisierung: |
pos architekten ZT KEG und Treberspurg & Partner Architekten |
| Pläne: |
pos Architekten ZT KEG |
| Grafiken: |
ARGE solar4alpin / pos architekten ZT KEG |
| Statik: |
Robert Salzer, Hohenberg, Gerald Gallasch, Wien |
| Bauphysik: |
Wilhelm Hofbauer, Karin Stieldorf, IBO, Wien |
| GU Massivbau: |
Geischläger Bauunternehmung, Göstling/ Hochkar |
| GU Holzbau: |
Holzbau Harrer G.m.b.H., Frohnleiten |
| Schlafplätze: |
66-70, im Winterraum 5-8 |
| Sitzplätze: |
70 in Gaststuben + 60-80 auf der Terrasse |
| Nutzfläche: |
Holzbau EG+OG: 335m² |
| Bebaute Fläche: |
333m² |
| Grundstücksfläche: |
2.659m² |
| Bruttogeschoßfläche: |
626m² |
| Fotos: |
© Archiv Treberspurg & Partner Architekten, Geischläger Bau, Pilz Umweltmesstechnik, Alexander Podesser |
| Text: |
Katharina Tielsch |
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