Im Herzen der UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt Salzburg, am Eingang
der berühmten Getreidegasse, liegt das art.hotel Blaue Gans. Das 4-Sterne-Hotel ist einer
der ältesten Gastronomiebetriebe der Stadt mit 650 Jahren Tradition. In der touristisch hoch
frequentierten Gasse ragt das Gebäude über vier Stockwerke in den Himmel. Das
mittelalterliche Haus wird zur Gänze als Hotel benutzt, vom Kellergewölbe als
Veranstaltungsraum bis in das Dachgeschoß, das als zweistöckige Suite ausgebaut wurde.
Durch die vortreffliche Lage am Fuße des Mönchsberges,
gegenüberliegend vom Festspielhaus, ist das Hotel während der gesamten Festspielzeit
ausgebucht. Die Zimmer und Suiten des Hauses erweisen sich als behaglich, geräumig, mit
modernstem Komfort ausgestattet. Der Gast wählt zwischen zwei Gestaltungslinien: „art“
(jugendlich trendig) und „land.art“ (soft-gemütlich). Von den Fenstern der Hotelräume sieht
man von der einen Seite auf die bunte von Menschenköpfen überflutete Getreidegasse, von den
Hotelräumen der Westseite aus auf das Festspielhaus, auf die barocke Pferdeschwämme und zur
beeindruckenden Mönchsbergfelswand. Auf dieser Seite befindet sich auch der Gastgarten, der
diesen Sommer eröffnet wurde. Durch einen schönen Gewölbegang, der als moderne Galerie
dient, wird das tiefe Gebäude von beiden Seiten erschlossen. Auch an anderen Orten, wie in
den verwinkelten Gängen, im Stiegenhaus, im Innenhof oder im Kellergewölbe, werden
Kunstprojekte renommierter Künstler, aber auch Projekte von Studenten der Hochschule für
Bildende Kunst präsentiert.
Der Haupteingang mit Rezeption liegt an der Seite der Getreidegasse, wo sich separat ein
Eingang in die neu gestaltete Bar des Architekten Christian Prasser befindet. Dieser gewann
den geladenen Wettbewerb aufgrund des Wagnisses, sich in einem Punkt nicht an die Vorgaben
des Bauherrn zu halten sondern auf sein architektonisches Verständnis zu verlassen. In
diesem tiefen Raum war einst das Café im Stil der Jahrhundertwende, die Bar war an der
Längsseite angeordnet. Der Architekt versetzte die Bar an die Wand, die der Straßenfassade
gegenüberliegt. Daraus ergaben sich infrastrukturelle und organisatorische Erleichterungen.
Das Servier-Personal kann nun vom angrenzenden Restaurant aus direkt mit internem Durchgang
hinter die Bar, um die Getränke zu holen. Der Raum ist somit erschließungstechnisch
beruhigt. Weiteres war so auch Platz für den neuen Eingang von der Getreidegasse aus.
Dieser Bereich des Hotels verlangte nach mehreren Nutzungen. Es sollten sich darin eine Bar,
ein Café, ein Restaurant und ein Frühstücksbereich vereinen lassen. Da der sehr tiefe Raum
von 64 m2 eine schmale Fassadenfront mit nur zwei Fenstern und einem Eingang hat, wurde die
Beleuchtung als prägendes Gestaltungselement verwendet. Zwölf unterschiedliche Lichtquellen
ermöglichen eine geschickte Lichtinszenierung, die je nach Tageszeit die jeweilige Nutzung
des Lokals verdeutlicht. Die italienischen, groß proportionierten, aber dennoch schlichten
Lampen verleihen dem Raum einen besonderen Charakter. Diese sind dreischichtig aus
hellgrauem, transparentem Stoff aufgebaut und können das Licht sehr gut filtern. Sie können
von hellstem Tageslicht bis zur gemütlichen Abendbeleuchtung eingestellt werden. Die
länglichen Spiegel, die an den zwei sich gegenüberliegenden Längswänden in Stehhöhe
angebracht sind, spiegeln das von unten angebrachte indirekte Licht. Die Spiegel
ermöglichen den Gästen, auch wenn sie mit Blick zur Wand stehen, alle Gäste im Auge zu
behalten. Gesehen und gesehen werden!
Die Farbgebung des schon vorhandenen sandsteinfarbenen Bodens, der italienischen, beigen
Lederbänke und Sesseln und die dazu kontrastierenden dunkelgrauen Flächen der Bar und der
Vertäfelung der Wände verleiht dem Raum seine elegante Wirkung. Dieser Hell-Dunkel-Effekt
erzeugt einerseits Wärme, verdeutlicht aber auch den Gegensatz zwischen Alt und Neu. Die
gusseiserne Säule, die in der Mitte des Raumes steht, hat keine tragende Funktion. Sie ist
seit der Jahrhundertwende ein Stilelement des Raumes und wurde als solches belassen. Der
Raum widerspiegelt damit eine zeitgemäße architektonische Sprache, ohne seine Wurzeln zu
verleugnen.
Die Bar und der Barkeeper sind der Focus des eintretenden Gastes. Die vordere Front der Bar
besteht aus dunkelgrauen Zementfaserplatten. Die hintere Wand ist mit einem länglichen
Spiegel verkleidet, die davor stehenden Flaschen werden von unten beleuchtet. Die vielen
Gläser, auch für die Gäste des Restaurants gedacht, sind von oben hängend verstaut. Um das
Frühstücksbuffet zu bereiten kann der untere Teil der Theke hochgeklappt werden. In der
oberen Front der Bar ist ein Rollo angebracht. Dieses wird heruntergezogen und verdeckt in
der Früh den Blick auf die Flaschen und Gläser.
Der Eingangsbereich ist ein eigener, länglicher Kubus. Der obere Bereich der Seitenwände
und die Decke sind aus Glas, der untere Bereich aus Betonfaserplatten. Vom Inneren wirkt
dieser „Vorraum“ wie ein eigener Körper. Dem Eintretenden soll ermöglicht werden, schon
bevor er die Bar betritt, zu sehen, welche Gäste sich darin befinden.
Als Frühstücksraum mit Buffet werden 26 Sitzplätze geboten; falls mehr Plätze benötigt
werden wird das angrenzende Restaurant benützt. Zu Mittag wird nach dem Motto
„gut-günstig-schnell“ ein täglich wechselndes Menü angeboten. Am Nachmittag ist der Bereich
an der hellen Fensterfront mit vier Tischen, einer Lederbank an der Wand und niedrigen
Drehstühlen aus Leder mit Armlehnen als Lounge-Bereich gedacht.
Für den „after work“-Drink und den Abendbetrieb werden die acht Stehtische im italienischen
Bistrostil vom Publikum sehr gut angenommen. Sie erleichtern die Kommunikation, denn auch
das Dazugesellen von „bekannten“ Freunden ist so sehr gut möglich. Dazu werden niveauvolle
Drinks, World Music und Jazz angeboten.
Das an die Bar angrenzende Restaurant, im elegant rustikalen Stil, hat ein Gewölbe,
Wandmalereien und eine Holzvertäfelung. Der Rahmen für die heimisch orientierte Küche
bewegt sich gekonnt zwischen Tradition und Moderne, wie das historische Restaurantgewölbe
oder die modern gestylte Bar eindrucksvoll unterstreichen. Serviert werden heimische
Klassiker sowohl in traditioneller Form als auch pfiffig und geschmackvoll neu
interpretiert. Für Veranstaltungen steht die „Caverne“ für 70 Personen zum Dinieren bzw.
120 Personen für eine Cocktailparty im Steingewölbe mit moderner Bar zur Verfügung. Das
art.hotel Blaue Gans kombiniert auf eindrucksvolle Weise moderne Elemente, zeitgenössische
Kunst und historisches Ambiente.
Es ergibt sich eine reizvolle Symbiose von Alt und Neu, es inspiriert seine Gäste und
schafft persönlichen Freiraum.
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Hotel Blaue Gans
Getreidegasse 43, Salzburg |
| Bauherr: |
Andreas Gfrerer |
| Planung: |
Christian Prasser |
| Mitarbeiter: |
Sonja Ambrosch, Wolfgang Czihak |
| Fläche: |
64 m² |
| Fertigstellung: |
April 2005 |
| Fotos: |
© Christian Prasser |
| Text: |
Brigitte Sponer |
Ausstattung:
|
| Hotellsoftware Fidelio V7: |
Hugin Sweda |
| Lichtplaner: |
LICHT ART G.m.b.H |