Bei märchenhaften Lebensumständen bietet sich das Blütenschloss
Gams als ideale Kulisse.
Augenzwinkernd ernsthaft widmen die jungen Hoteliers ihr Haus ganz und gar der Liebe...
Die letzten Jahre dominiert der Überbegriff Wellness immer mehr
sowohl das Programm als auch die Architektur unterschiedlich positionierter Ferienhotels.
Die angebotenen Therapien am Gesundheits- und Wohlfühlsektor jedes hochwertigen Hotels
lassen den Gast ja auch immer entspannen, nur manchmal scheint die Strenge der hinter der
Anwendung stehenden Lehre schwer nachvollziehbar. Ayurveda-Jünger schwören auf Zitronensaft
anstelle des Frühstücks, Freunde des basischen Entschlackens wiederum schlemmen gerade
morgens ungesäuert. Aber es gibt doch ein altes Wohlfühlrezept, bei dem schon unsere
Urgroßmütter wussten, dass dagegen kein Kräutlein gewachsen ist, und es gesund und
glücklich macht: die Liebe. Schon oft wurde sie besungen, ebenso oft versuchte man sich ihr
literarisch anzunähern, aber wie kann man sie mit der doch recht pragmatischen Architektur
erfassen oder ihr zumindest eine Bühne liefern?
Die Junghoteliers Ellen Nenning und Andreas Mennel wussten, dass ihr Hotel Gams zum idealen
Liebesnest werden kann. Im Dreiländereck liegend, genießt das Hotel eine unbezahlbare
Entspannungskomponente: Der märchenhafte, umliegende Bregenzerwald forderte geradezu heraus,
das altehrwürdige Hotel standesgemäß zu erweitern. Grundstock des Gams bilden das 1648
erbaute Stammhaus mit seinen fünf Gaststuben, 28 individuell und liebevoll gestalteten
Zimmern und dem Gewölbekeller mit vorwiegend österreichischen Qualitätsweinen. Ursprünglich
beauftragten die Hoteliers ein befreundetes Architektenteam mit der Planung der
Hotelerweiterung, allerdings gab es von Bauherrenseite formal klare Vorstellungen: Der neue
Teil des Hotels sollte wie ein zeitgenössisches Schloss Neuschwanstein aussehen. Die
Architekten hatten ebenso definierte Entwurfsregeln: Sie verweigern sich grundsätzlich
romantisch runder Architektur, und verloren durch diese Position den Auftrag. Das Samnauner
Planungsteam Jenal wurde sodann um Entwürfe gebeten, und sie wussten die Vision des
Schlosses Neuschwansteins in das gegenwärtige Jahrhundert und einen Hotelkontext zu
übersetzen. Ein zylindrischer Baukörper wurde entwickelt und sollte die 24 neuen
Kuschelsuiten beherbergen. Die Form ist auch logisch begründbar, da jeder riegelartige
Baukörper die wunderschöne Aussicht auf die umliegende Bergwelt nur partiell nutzen würde,
der Hotelzylinder allerdings bietet ein 360-Grad-Panorama. Die schöne Lage im Bregenzerwald
stellte sich in der Planungsphase allerdings als erschwerende Auflage heraus, da
innovative, bauliche Neuerungen im Märchenland Bregenzerwald nicht gerne gesehen werden.
Der Entwurf wurde daraufhin adaptiert, die Behörden überzeugt, und am 14. Februar 2005
(Valentinstag) wurde der Spatenstich vorgenommen. In nur 5,5 Monaten entstand das
Blütenschloss mit seinen 24 Kuschelsuiten, einer 1000 m2 Wellnesswelt namens „Traumwelt Da
Vinci Spa“ mit Romantikgarten und herzförmigem Schwimmteich. Nur, wo liegt das romantische
Geheimnis des Hotels? Wie auch in der Liebe sind es die kleinen Details und Überlegungen,
die am neuen Hotel überzeugen. Durch die Form des Baukörpers genießen alle Gäste bei
Balkonbenützung absolute Privatsphäre, welche durch die vorgesetzte Holzlatten-Fassade und
den weiten Radius des Gebäudes erreicht wird. Auch das Zimmerkonzept scheint in Kooperation
mit Paartherapeuten entstanden zu sein. Das Himmelbett aus wahlweise Holz oder Metall ist
in allen 45 m2 großen Suiten der Mittelpunkt. Um diesen Fokus arrangieren sich der
begehbare Kleiderschrank, das Sofa und der an der Fassade sitzende Whirlpool, von dem aus
man wahlweise die Berge oder die Sterne betrachten kann. Und natürlich gibt es auch einen
Fernseher, allerdings erklärten die Planer, dass sie denselben in einer Art und Weise im
Zimmer platzierten, die ein vom Bett aus Fernschauen unmöglich macht. Sie begründeten
diesen planerischen Gedanken nicht mit technischen Fakten wie Elektrosmog, sondern
vielmehr mit einem bestimmten männlichen Verhalten, dem man hier entgegensteuern wollte.
Also liebe Herren, falls Fernsehen, dann Bitte vom Sofa aus. Weniger erzieherisch
präsentieren sich die Farbkonzepte der Kuschelräumlichkeiten. Es wurde für jede Suite eine
Farbe - Rosa, Grün oder Orange - gewählt, und diese setzte man in unterschiedlichen
Schattierungen im gesamten Raum um. Allerdings darf das Raum- und Farbkonzept an dieser
Stelle nicht mit Kitsch assoziiert werden, es handelt sich vielmehr um „duftige“,
romantische und doch klare Zimmerkompositionen.
Doch nicht nur im neuen Blütenschloss lässt es sich gut und gerne verweilen, auch die 28
Zimmer im Stammhaus wurden sehr sensibel von den Hoteliers selbst eingerichtet. Mit einem
Unterschied zu den neuen Suiten: Hier sind unterschiedlichste Zimmertypologien vertreten.
Vom kleinen Doppelzimmer, dem Standardzimmer mit Balkon bis zum Hochzeitszimmer mit weißem
Himmelbett oder dem Rosenzimmer - die zur Auswahl stehenden Gemächer scheinen so
individuell wie ihre Gäste. Das Thema Romantik setzten die Hoteliers neben den baulichen
Interventionen auch in ihrer preisgekrönten Küche um. In den fünf gründerzeitlichen
Gaststuben werden von Gault Millau mit zwei Hauben ausgezeichnete Speisen kredenzt, und der
dazu passende Wein wartet im 350 Jahre alten Weinkeller darauf, von Prinzessinnen und deren
wachgeküssten Fröschen getrunken zu werden.
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Hotel Gams
Blütenschloss & Da Vinci Spa Platz 44, A-6870 Bezau |
| Bauherren: |
Ellen Nenning, Andreas Mennel |
| Planung |
Architekturbüro Jenal, Samnaun |
| Mitarbeit: |
Stefan File |
| Projektsteuerung: |
Michaeler & Partner, I |
| Statik: |
Werner Zanon |
| Grundstücksfläche: |
7.000m² |
| Bebaute Fläche: |
5.000m² |
| Umbauter Raum: |
9.000m³/ 3.000m³ |
| Bauzeit: |
5,5 Monate |
| Fertigstellung: |
17. 7. 2005 |
| Fotos: |
© Hotel Gams |
| Text: |
Sandra Knöbl |
Ausstattung:
|
| Tischler, Zimmer: |
Voglauer hotel Concept |
| Sauna: |
Silgmann Sauna Wellness |