Gespräch von Sandra Knöbl mit Familie Leeb und Klein
Schon im hotel style 8A (Dezember 2004) berichteten wir über das
Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe. Mitte September wurde nun der chinesische Teeturm
eröffnet, was Anlass gab, mit den Hoteliers Karin Leeb und Martin Klein über ihr Haus zu
sprechen. Das Hotel Hochschober wurde 1929 gegründet und wird heute wie damals als
Familienbetrieb geführt. Über die Jahre hinweg entstand aus dem traditionellen Kärntner
Hotel allerdings eine Urlaubswelt der besonderen Art. Der Gast kann hier zwischen einem
umfangreichen und vielschichtigem Entspannungsangebot wählen: Zirbensauna, beheiztes Seebad,
Tee und Meditation im neuen Chinaturm, Massagen und Akupunktur, Whirlpool im Alpenstrand,
Hamam, traditionelle Musikabende mit Musikern in Tracht - um nur ein paar „Programmpunkte“
zu nennen.
Doch das Hotelangebot alleine macht noch lange keinen glücklichen Gast, es ist vor allem
der Umgang mit den Gästen. Ungekünstelte Freundlichkeit und entspannt professionelle
Atmosphäre von Seiten der Mitarbeiter überzeugen in diesem am See auf 1763 m gelegenen Haus.
Im folgenden Gespräch erzählen die Hoteliers über die Kunst der Gastfreundschaft und über
zeitgenössische Mitarbeitermotivation.
Als Gast in Ihrem Haus wird man von allen Mitarbeitern äußerst
freundlich und ungekünstelt empfangen. Wie schafft man als Hotelier, diese sympathische
Atmosphäre und Mitarbeitermotivation herzustellen?
Karin Leeb: Ich glaube, was wir im Hotel tun, ist in vielen
Fachmagazinen als Wirtschaftsprofil zu lesen. Der positive Umgang und die gelebte
Motivation im Umgang mit Mitarbeitern werden zwar immer gepredigt, gelebt wird in der
Praxis aber meist anderes. Uns ist besonders wichtig, dass auch in Stress-Situationen der
gute Umgangston erhalten bleibt. Die Art und Weise wie die Kollegen miteinander sprechen
ist wichtig, der Lehrling mit dem Küchenchef und umgekehrt. Die Mitarbeiter sind in unserem
Haus genauso wichtig wie die Gäste. Ich glaube, nur dann kann eine gute Atmosphäre im Haus
entstehen und erhalten bleiben. In einem Ferienhotel wie wir es sind muss sich der
Mitarbeiter wohl und verstanden fühlen, anders ist es nicht möglich, die Botschaft des
Wohlfühlens beim Gast ankommen zu lassen.
In Businesshotels sind Effizienz, Schnelligkeit und reibungsloser Ablauf wichtig, die
Beziehung zum Gast steht eher im Hintergrund. Bei uns ist der Bezug zum Gast ein wichtiger
Erfolgsfaktor. Eine psychologisch begleitete Gästeumfrage mit der Frage nach den
Attraktionen des Hauses sagte aus, dass es nicht das Angebot wie Hamam und Seebad unsere
Gäste anzieht, sondern die Art und Weise wie unsere Mitarbeiter agieren.
Martin Klein: Neben den Unternehmensstrukturen, die meine Frau schon erwähnte, sind im
Hinblick auf unsere Mitarbeiter natürlich auch faire Bezahlung, gute Unterkunft und
wertschätzende Kommunikation von großer Bedeutung. Leider hat diese Strategie bei vielen
Hotels noch nicht gegriffen, denn es ist noch oft der Fall, dass der Chef in
Stress-Situationen auch mal unter der Gürtellinie schimpft. Ein weiterer wichtiger
Motivationsfaktor ist es, die Mitarbeiter in Entscheidungen des Unternehmens einzubinden,
denn nur dann kann der Beruf gelebt werden.
Leeb: Wir haben außerdem eine Mitarbeiterakademie ins Leben
gerufen. Diese beruht auf einem Konzept der Fortbildung im Rahmen der persönlichen
Weiterbildung, Kommunikation und fachlichen Schulung. Die fachliche Schulung wird nicht von
Fachkräften von außen vorgenommen, sondern von hausinternen Kollegen. Wir wollen keine
Abteilungen im Haus, sondern fließende Kommunikation und fachübergreifendes Verständnis.
Nachdem unser Haus ein komplexes ist, kann ein Mitarbeiter diese Vielschichtigkeit nur
verstehen, wenn er das Haus auch aus der Perspektive des Gastes kennt. Deswegen erhalten
neue Mitarbeiter ein zweitägiges Seminar, bei dem sie wie ein Gast das Haus erleben und
alle Angebote nützen können.
Bezug nehmend auf die Vielschichtigkeit Ihres Hauses, warum wurden
gerade exotische Elemente wie das türkische Hamam und der chinesische Teeturm am Turracher
Bergsee verwirklicht?
Klein: Hinter diesen baulichen Entscheidungen steckt großes
Interesse und ebenso großer Respekt gegenüber fremden Kulturen. Die Familie ist schon
früher äußerst viel gereist und hat folglich versucht, diese Kulturen in den Kärntner
Kontext einzubringen. Ich glaube, dass mit Geschick verstanden wurde, die Faszination der
anderen Kulturen in das hiesige Umfeld zu übersetzen. Schaut man sich das Hamam an, so
passen die Zeremonien und das Ambiente äußerst gut zum Leitbild unseres Hauses, also zum
Entspannen und Relaxen, und ich glaube, das funktioniert überall auf der Welt. Beim
chinesischen Teehaus war es genauso. Hat man die Atmosphäre in einem Teehaus in China
einmal erlebt, dann versteht man die Faszination eines solch ruhigen Hauses in einem
stressigen Umfeld wie Shanghai. Wir überlegten uns dann, wie man dieses Gefühl der Oase in
ein Hotel integrieren kann. Nach siebenjähriger Planungszeit ist es uns nun gelungen, den
Chinaturm am See unseren Gästen zur Verfügung zu stellen.
Um den
Turracher Bergsee sind einige Hotels angesiedelt. Welche Rolle spielt das Hotel Hochschober
inmitten dieser Tourismuslandschaft?
Leeb: Ich glaube, der Ort selbst ist
teilweise Grund, hierher zu fahren. Hier ist es zwar idyllisch, eine touristische
Infrastruktur im gewohnten Sinn ist allerdings nicht vorhanden. Ich denke, wir haben uns
als Destination einen Namen gemacht. Die Turracher Höhe ist sicherlich wichtig als
Gesamterlebnis, es gibt Wanderwege, Mountainbikemöglichkeiten und ein Skigebiet, aber ich
glaube, unsere Gäste kommen wegen uns und nicht wegen der Turracher Höhe.
Klein: Man muss außerdem betonen, dass
die Leebs, nunmehr Senior-Chefs, immer wahnsinnig aktiv waren, und in den 1960er-Jahren,
als Hallenbäder ungewöhnlich waren, wurde ein solches hier gebaut. Ich glaube, damit hat
sich das Hotel schon vor 40 Jahren einen Namen in der Tourismuswelt gemacht und in Folge
kontinuierlich entwickelt.
Nachdem der
Chinaturm nun fertig gestellt ist, gibt es schon neue Visionen bezüglich baulicher
Erweiterungen?
Klein: Wir haben schon wieder neue
Ideen im Kopf, die haben allerdings nichts mit spektakulären Erweiterungen oder dem
Implantieren fremder Kulturen zu tun. Wir haben eher kleine Veränderungen vor, die
hauptsächlich mit der Hebung der Zimmerqualität und einer möglichen Tiefgarage zu tun haben.
Welche Gäste
möchten Sie grundsätzlich ansprechen, und zielen Sie auf eine bestimmte Altersgruppe ab?
Klein: Durchschnittlich sind unsere
Gäste 52 Jahre alt, was sehr jung am Sektor Ferienhotel ist.
Leeb: Manche behaupten, dass, seitdem
wir selbst Kinder haben, unser Hotel kinderorientierter wurde. Wir möchten jetzt nicht
unbedingt ein Kinderhotel werden, es besteht allerdings die Möglichkeit, mit Kindern hier
Urlaub zu verbringen, da wir bestimmte Einrichtungen speziell für Kinder haben.
Mir ist die Kindertoilette im Rezeptionsbereich aufgefallen, und fand das sehr sympathisch,
dass mit einer kleinen WC-Tür und niedrigem Waschbecken auch auf kleine Gäste reagiert wird.
Klein: Wir versuchen einfach auf die
Bedürfnisse der Gäste einzugehen, ohne eine spezielle Gruppe ausschießen zu wollen. Wir
sind auch nicht Mitglied von Kooperationen, die eine klare Zielgruppe ansprechen.
Meine letzte
Frage ist eine etwas persönlichere: Was bedeutet für Sie, Hotelier zu sein?
Leeb: Ich bin mit dem Hotel aufgewachsen,
mein Mann wiederum kommt aus einer anderen Branche - er war lange Physiotherapeut in
München. Meine Großeltern und meine Eltern waren schon Hoteliers, und für mich bedeutet es
zu Hause sein. Als Kind hatte ich sicher mit dem Hotelleben zu kämpfen, da die Eltern nicht
immer genug Zeit für uns Kinder hatten. Später musste ich dann diese Prägung aus der
Kindheit verarbeiten und habe mich dann aber doch entschlossen, selbst Gastgeberin sein zu
wollen.
Klein: Man muss auf alle Fälle gerne
Gastgeber sein und muss Gefallen am Leben auf dieser Bühne finden. Man kann sicher kein
überzeugter Hotelier werden, wenn man sein Haus nicht gerne für Gäste öffnet und es somit
zum Gasthaus macht. Aber ich glaube, dass wir damit keine Probleme haben, und für mich ist
es am Schönsten, wenn sich ein Gast verabschiedet, und sagt, dass es ihm bei uns gut
gefallen hat. Das ist für mich nun seit drei Jahren so, und ich hoffe, in 30 Jahren
empfinde ich noch immer in derselben Form.
Bilder: Archiv Hotel, Sandra Knöbl
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