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Melange zum Sehen und zum Trinken


Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele
Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele
Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May / Bilder: © Rainer Zottele

Die Melange, wohl die beliebteste und meistkonsumierte österreichische Kaffeespezialität, assoziiert man unmittelbar mit dem dazugehörigen Flair und der Atmosphäre des Wiener Kaffeehauses. In der pannonischen Tiefebene des Burgenlandes kann man die Melange nun nicht nur schmecken und trinken, sondern im Farb- und Materialkonzept eines neu eröffneten Kaffeehauses auch sehen!

Nicht ganz uneigennützig erfüllte sich der Konditor Franz Peter May, der sich selbst als passionierten Kaffeehausgänger bezeichnet, mit der Eröffnung seines eigenen Kaffeehauses einen lang gehegten Traum - nämlich das Arbeiten mit dem Vergnügen zu verbinden. Seit acht Generationen bäckt die Familie bereits für das Städtchen, neben zwei Bäckereien bzw. Konditoreien und dem Kaffeehaus werden in der Zukunft auch noch 4-Sterne-Fremdenzimmer im Obergeschoß vermietet werden. Im Rohbau bereits vorhanden und von außen als Zimmer mit eigenen Loggien ablesbar harren sie noch ihrem Innenausbau.
Für sein Vorhaben konnte Franz Peter May den in Deutschland geborenen und in Steyr aufgewachsenen Architekten Thomas Abendroth gewinnen. Vielleicht gerade deshalb, weil der Architekt nicht mit der traditionellen Wiener Kaffeehauskultur aufgewachsen ist, konnte er auf analytische Weise alles Wesentliche erkennen und umsetzen, das ein echtes Kaffeehaus eben auszeichnet. Das Projekt stellte eine Herausforderung dar, ist es doch vor allen Dingen die Jahrzehnte alte Patina, die des Wieners wichtigste Institution so gemütlich macht.
Im Außenbereich verschmelzen Alt und Neu in gelungener Weise ohne sich gegenseitig zu be- oder verdrängen.
Als Lückenfüller der Hauptstraße nimmt der neue, hauptsächlich cremefarben verputzte Baukörper etwas mehr als die Hälfte der Bauparzelle ein und trägt damit zur Verdichtung des Ortsteils bei. Der zweigeschoßige Zubau mit Flachdach erstreckt sich entlang der bestehenden Giebelfront des Altbaus mit Steildach. Das Obergeschoß springt an seiner Schmalseite zur Straße hin um 80 cm hervor.
Großzügige, schaufensterartige Verglasungen an den beiden freien Fassadenseiten im Eingangsgeschoß geben den Blick in den Innenraum frei und laden zum Einkehren ein. Straßenseitig verbindet das Schaufensterband den Bestand mit dem Zubau. Das Obergeschoß ist als eigenständiger flacher Kubus durch einen Einschnitt neben den Altbau gesetzt. Ein Metallfassadenband in horizontalen Streifen verbindet die Loggien und führt den Blick entlang der Fassade in die Tiefe. Eine angemessene Überdachung im Eingangsbereich wurde durch den kubischen Einschnitt an der Hausecke erreicht. Hier ist die Fassade mit indischen, kaffeefarbenen Kalksteinplatten verkleidet.
Der Innenraum ist in funktionale Zonen gegliedert. Ein über den Verkaufsraum zu betretender Veranstaltungsraum für Ausstellungen und Seminare weist zwei Fenster zur Straße hin auf und befindet sich im Altbau. Der Verkaufsraum ist rechtwinkelig rund um die Küche situiert. Die Verkaufstheke dominiert den straßenseitigen Flügel des Raumes, wohingegen zum Kaffeehaus hin der Ausschank platziert wurde. Das Kaffeehaus selbst öffnet sich mit einer Fensterfront gänzlich zum Freibereich hin. Das Stiegenhaus zu den Fremdenzimmern und die Sanitäreinrichtungen liegen im hinteren Bereich des Gebäudes und sind vom Kaffeehaus durch eine Zwischenwand abgetrennt. Eine teilweise abgehängte Decke zieht sich als verbindendes Element durch alle Zonen.
Warme braune Farbtöne in unterschiedlichen Nuancen und edle Materialien zeichnen die Gestaltung des Innenraumes aus und schaffen eine gelungene Melange. Der Vollholz Eichenparkett-Boden harmoniert mit der eigens gefertigten Möblierung. Die Tischplatten sind aus eben denselben indischen Kalksteinplatten in der Farbe „Café“ gefertigt, die auch schon als Fassadenplatten im Eingangsbereich ihren Einsatz gefunden haben.
Für die Sitzbänke wählte man cremefarbene und für die Stühle hellbraune Lederbezüge. Die Theke ist aus Nussholz gefertigt und von einem Monolith aus Kunststoff, der als Basis für die Kaffeemaschinen dient, unterbrochen. Einen Blickfang bildet ein beleuchtetes Glasobjekt aus gebogenem Glas in der Ecksituation der Thekenrückwand. Diese skulpturale Lichtquelle mit Glassplittern, die wie Kandiszucker glänzen, macht die gläserne Rückwand im Thekenbereich zu etwas Besonderem. Punktförmige Lichtquellen im Sitzbereich werden von drei geschliffenen Swarovsky-Lustern ergänzt. Spiegelbänder erweitern den Raum und vervielfachen die einzelnen Gestaltungselemente. Ein extra für den Raum und mit dem Architekten und Besitzer abgestimmtes Wandkunstwerk des Fotografen Hans Wetzelsdorfer bildet eines der erwähnenswerten Gestaltungselemente. Digital und malerisch überarbeitet diente eine Fotografie mit Menschen im Kaffeehaus als Basis für dieses Werk. Schlägt man im französischen Wörterbuch nach der Bedeutung des Wortes Mélange nach, so stößt man auf die Übersetzungen Mischung, Gemisch, Gemenge, Verschmelzung und Zwischending, und genau dies findet sich im positiven Sinne baulich realisiert im Neufelder Projekt des Architekten Thomas Abendroth, des Künstlers Hans Wetzelsdorfer und des Bauherrn Franz May wieder.

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Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May

Hauptstraße 67, A-2491 Neufeld/Leitha

Bauherren: Franz Peter May, Neufeld/Leitha
Thomas Abendroth, Wien
Verena Perius, Andreas Hradil,
Peter Krabbe
Wandkunstwerk: Hans Wetzelsdorfer, Neufeld/Leitha
Nutzfläche: 418m²
Überbaute Fläche: 358m²
Umbauter Raum: 2.830ms³
Planungsbeginn: Jänner 2004
Baubeginn: Dezember 2004
Fertigstellung: Juni 2005
Fotos: © Rainer Zottele
Text: Katharina Tielsch

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