Die Melange, wohl die beliebteste und meistkonsumierte
österreichische Kaffeespezialität, assoziiert man unmittelbar mit dem dazugehörigen Flair
und der Atmosphäre des Wiener Kaffeehauses. In der pannonischen Tiefebene des Burgenlandes
kann man die Melange nun nicht nur schmecken und trinken, sondern im Farb- und
Materialkonzept eines neu eröffneten Kaffeehauses auch sehen!
Nicht ganz uneigennützig erfüllte sich der Konditor Franz Peter
May, der sich selbst als passionierten Kaffeehausgänger bezeichnet, mit der Eröffnung
seines eigenen Kaffeehauses einen lang gehegten Traum - nämlich das Arbeiten mit dem
Vergnügen zu verbinden. Seit acht Generationen bäckt die Familie bereits für das Städtchen,
neben zwei Bäckereien bzw. Konditoreien und dem Kaffeehaus werden in der Zukunft auch noch
4-Sterne-Fremdenzimmer im Obergeschoß vermietet werden. Im Rohbau bereits vorhanden und von
außen als Zimmer mit eigenen Loggien ablesbar harren sie noch ihrem Innenausbau.
Für sein Vorhaben konnte Franz Peter May den in Deutschland geborenen und in Steyr
aufgewachsenen Architekten Thomas Abendroth gewinnen. Vielleicht gerade deshalb, weil der
Architekt nicht mit der traditionellen Wiener Kaffeehauskultur aufgewachsen ist, konnte er
auf analytische Weise alles Wesentliche erkennen und umsetzen, das ein echtes Kaffeehaus
eben auszeichnet. Das Projekt stellte eine Herausforderung dar, ist es doch vor allen
Dingen die Jahrzehnte alte Patina, die des Wieners wichtigste Institution so gemütlich
macht.
Im Außenbereich verschmelzen Alt und Neu in gelungener Weise ohne sich gegenseitig zu
be- oder verdrängen.
Als Lückenfüller der Hauptstraße nimmt der neue, hauptsächlich cremefarben verputzte
Baukörper etwas mehr als die Hälfte der Bauparzelle ein und trägt damit zur Verdichtung des
Ortsteils bei. Der zweigeschoßige Zubau mit Flachdach erstreckt sich entlang der
bestehenden Giebelfront des Altbaus mit Steildach. Das Obergeschoß springt an seiner
Schmalseite zur Straße hin um 80 cm hervor.
Großzügige, schaufensterartige Verglasungen an den beiden freien Fassadenseiten im
Eingangsgeschoß geben den Blick in den Innenraum frei und laden zum Einkehren ein.
Straßenseitig verbindet das Schaufensterband den Bestand mit dem Zubau. Das Obergeschoß ist
als eigenständiger flacher Kubus durch einen Einschnitt neben den Altbau gesetzt. Ein
Metallfassadenband in horizontalen Streifen verbindet die Loggien und führt den Blick
entlang der Fassade in die Tiefe. Eine angemessene Überdachung im Eingangsbereich wurde
durch den kubischen Einschnitt an der Hausecke erreicht. Hier ist die Fassade mit indischen,
kaffeefarbenen Kalksteinplatten verkleidet.
Der Innenraum ist in funktionale Zonen gegliedert. Ein über den Verkaufsraum zu betretender
Veranstaltungsraum für Ausstellungen und Seminare weist zwei Fenster zur Straße hin auf und
befindet sich im Altbau. Der Verkaufsraum ist rechtwinkelig rund um die Küche situiert. Die
Verkaufstheke dominiert den straßenseitigen Flügel des Raumes, wohingegen zum Kaffeehaus
hin der Ausschank platziert wurde. Das Kaffeehaus selbst öffnet sich mit einer Fensterfront
gänzlich zum Freibereich hin. Das Stiegenhaus zu den Fremdenzimmern und die
Sanitäreinrichtungen liegen im hinteren Bereich des Gebäudes und sind vom Kaffeehaus durch
eine Zwischenwand abgetrennt. Eine teilweise abgehängte Decke zieht sich als verbindendes
Element durch alle Zonen.
Warme braune Farbtöne in unterschiedlichen Nuancen und edle Materialien zeichnen die
Gestaltung des Innenraumes aus und schaffen eine gelungene Melange. Der Vollholz
Eichenparkett-Boden harmoniert mit der eigens gefertigten Möblierung. Die Tischplatten sind
aus eben denselben indischen Kalksteinplatten in der Farbe „Café“ gefertigt, die auch schon
als Fassadenplatten im Eingangsbereich ihren Einsatz gefunden haben.
Für die Sitzbänke wählte man cremefarbene und für die Stühle hellbraune Lederbezüge. Die
Theke ist aus Nussholz gefertigt und von einem Monolith aus Kunststoff, der als Basis für
die Kaffeemaschinen dient, unterbrochen. Einen Blickfang bildet ein beleuchtetes Glasobjekt
aus gebogenem Glas in der Ecksituation der Thekenrückwand. Diese skulpturale Lichtquelle
mit Glassplittern, die wie Kandiszucker glänzen, macht die gläserne Rückwand im
Thekenbereich zu etwas Besonderem. Punktförmige Lichtquellen im Sitzbereich werden von drei
geschliffenen Swarovsky-Lustern ergänzt. Spiegelbänder erweitern den Raum und vervielfachen
die einzelnen Gestaltungselemente. Ein extra für den Raum und mit dem Architekten und
Besitzer abgestimmtes Wandkunstwerk des Fotografen Hans Wetzelsdorfer bildet eines der
erwähnenswerten Gestaltungselemente. Digital und malerisch überarbeitet diente eine
Fotografie mit Menschen im Kaffeehaus als Basis für dieses Werk. Schlägt man im
französischen Wörterbuch nach der Bedeutung des Wortes Mélange nach, so stößt man auf die
Übersetzungen Mischung, Gemisch, Gemenge, Verschmelzung und Zwischending, und genau dies
findet sich im positiven Sinne baulich realisiert im Neufelder Projekt des Architekten
Thomas Abendroth, des Künstlers Hans Wetzelsdorfer und des Bauherrn Franz May wieder.
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Umbau und Erweiterung des Kaffeehauses May
Hauptstraße 67, A-2491 Neufeld/Leitha |
| Bauherren: |
Franz Peter May, Neufeld/Leitha |
Planung (Architektur und Innenraumgestaltung): |
Thomas Abendroth, Wien |
| Mitarbeit: |
Verena Perius, Andreas Hradil, Peter Krabbe |
| Wandkunstwerk: |
Hans Wetzelsdorfer, Neufeld/Leitha |
| Nutzfläche: |
418m² |
| Überbaute Fläche: |
358m² |
| Umbauter Raum: |
2.830ms³ |
| Planungsbeginn: |
Jänner 2004 |
| Baubeginn: |
Dezember 2004 |
| Fertigstellung: |
Juni 2005 |
| Fotos: |
© Rainer Zottele |
| Text: |
Katharina Tielsch |