Was haben die Städte Minneapolis, Hamburg, Turin und
Wien gemeinsam? Im letzten Jahr haben in all diesen Städten Luxushotels der Kette
“Le Méridien” eröffnet. Diese zeichnen sich durch ihr durch und durch unikates
Gestaltungskonzept aus. “Art+Tech” - so der klangvolle Name - wurde entwickelt von der
britischen Designerin Yvonne Golds von Real Studios London.
Das erste “Art+ Tech”-Zimmer entstand vor zwei Jahren
quasi als Prototyp im “Le Méridien Russel” in London. Danach wurde das Designkonzept auch
auf einige andere Le-Méridien-Hotels angewendet. Die hohe Akzeptanz, die das innovative
Gestaltungskonzept bei den Gästen genießt, hat die Betreiber veranlasst, in Wien zum ersten
Mal die gesamte Innenausstattung auf der Basis von “Art+Tech” umzusetzen. “Raum zu schaffen,
der nicht nur für luxuriösen Komfort sorgt, sondern die Gäste fasziniert, überrascht und
inspiriert”, so beschreibt Yvonne Golds ihre Gestaltungsphilosophie. Das Geheimnis ihres
Erfolgs liegt dabei in der Kombination von modernster Technologie mit einem minimalistischen
Möbelkonzept und zeitgenössischer Kunst. Letztere spielt im neuen Luxushotel eine tragende
Rolle. Vorrangig österreichische Künstler sind es, über deren Artefakte man hier auf Schritt
und Tritt stolpert. Museen und andere Kunstinstitutionen sind eingeladen, das Hotel als
“erweiterte Galerie” zu nutzen und sich zu präsentieren. Alle Ausstellungsstücke und
Leihgaben sind mit ausführlichen Informationen zum Künstler und seinem Werk versehen. In
regelmäßigen Intervallen werden die einzelnen Kunstwerke ausgetauscht. Die Erfahrung, die
Yvonne Goulds aus ihrer langjährigen Praxis im Bereich der Ausstellungsgestaltung
(Ausstellungskonzeption für die BBC Radio, The Britisch Library oder Daniel Liebeskinds
Imperial War Museum) mitbringt, ist unverkennbar und allerorts im Hotel spürbar.
Doch bevor die Innenausstattung in Angriff genommen werden konnte, galt es zuerst die
bautechnischen und räumlichen Voraussetzungen für ein Hotel dieser Größenordnung zu
schaffen. Das “Le Méridien” Wien umfasst drei Wiener Ringstraßenpalais und eine Ikone der
Nachkriegsarchitektur, das so genannte Böhler-Haus, das zwischen 1956 und 1958 vom kürzlich
verstorbenen Roland Rainer errichtet wurde.
Die drei Ringstraßenpalais wurden Mitte des 19.
Jahrhunderts erbaut (1861-1863) und gehören zur ältesten Bausubstanz an der Wiener
Ringstraße. Ursprünglich wurden sie als reine Spekulationsobjekte errichtet und sollten bei
geringen Baukosten ein Maximum an Fläche bieten, um möglichst hohe Gewinne lukrieren zu
können. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden die Häuser schwer beschädigt und in den
1950er-Jahren wieder aufgebaut und im Inneren stark verändert. Was aus denkmalpflegerischer
Sicht ein großer Verlust ist, gab den Architekten Manfred Wehdorn (Projektentwicklung,
Entwurfs- und Einreichplanung) und Fritz Schwaighofer (Ausführungs- und Detailplanung)
andererseits die Möglichkeit, die alte Bausubstanz grundlegend zu erneuern und für einen
zeitgemäßen Hotelbetrieb zu adaptieren.
Vorrangiges Ziel des Umbaukonzepts war die konsequente Gegenüberstellung von Alt und Neu.
Vor diesem Hintergrund galt es als oberste Prämisse, die historische Bausubstanz - soweit
sie in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt als schutzwürdig erachtet wurde - zu erhalten.
Im Bereich der Palais war dies in erster Linie die Erdgeschoßzone mit ihren historischen
Stiegenhäusern und natürlich die gesamte, straßenseitige Fassade. Das Böhler-Haus blieb
äußerlich gänzlich unverändert, die Umbauarbeiten beschränkten sich hier ausschließlich auf
die interne Raumaufteilung.
Um zusätzlichen Raum zu schaffen wurde der Innenhof zweigeschoßig unterkellert und mit
einem Glasdach überdeckt - heute befindet sich hier das Restaurant “Shambala”. Die Palais
selbst erhielten eine Aufstockung, die nach außen hin lediglich als schmales, durchgehendes
Glasband in Erscheinung tritt. Die dahinter liegenden Zimmer und Suiten bestechen durch
ihre grandiose Aussicht auf die Gärten der Wiener Hofburg und das historische Stadtzentrum.
Wenig verwunderlich, dass sie knapp ein halbes Jahr nach der Eröffnung zu den begehrtesten
Räumen im gesamten Haus gehören.
Die 261 Zimmer zwischen 28 und 40 Quadratmeter und 33
Suiten von 45 bis 65 Quadratmeter übertreffen allerhöchste Standards. Sie sind bis ins
letzte Detail durchgestylt und auf dem aktuellen Stand der Technik. Rosa, Petrol und Oliv
sind die Leitfarben, die als Grundlage für das Gestaltungsdesign dienen. Die Möblierung und
Ausstattung beschränkt sich auf wenige ausgesuchte Materialien. Ahornholz, satinierter
Chromstahl und handgraviertes Glas in sämtlichen Kombinationen prägen das Erscheinungsbild.
Bis auf wenige Einbauelemente ist das Mobiliar zum überwiegenden Teil beweglich. Der Gast
ist damit in der Nutzung der Räume weitgehend flexibel.
Besonderes Augenmerk wurde auf größtmöglichen Schlafkomfort gelegt: Daunendecken und
-kopfkissen, Betten vom international renommierten Möbeldesigner “ligne roset”, 35
Zentimeter dicke Matratzen von “Sealy”.
Alle Bäder verfügen über “Power”-Massageduschen, gläserne Waschbecken und XXL-Badewannen.
Dazu kommt in jedem Zimmer ein 106-Zentimeter-Flachbildschirm, Video on demand, ein
High-Speed-Internetzugang und mehrere Telefone. Neben dem erlesenen Mobiliar trägt vor
allem das ausgeklügelte Lichtkonzept zur außergewöhnlichen Atmosphäre der Räume bei.
Betthäupter aus hinterleuchtetem Glas, in die Wand eingelassene, künstlerisch gestaltete
Leuchtkästen und Schränke mit indirekter Beleuchtung verleihen den Zimmern eine besondere
Note und geben dem Gast die Möglichkeit, je nach Stimmung individuelle Lichtszenarien zu
erzeugen.
Aber auch die öffentlichen Bereiche sind, von der Designerin Yvonne Golds, ins rechte Licht
gerückt. Ihre Gestaltungsphilosophie beruht auf der Idee des Hotels als Theaterbühne.
Demgemäß ist ihr thematischer Zugang nicht nur vom künstlerischen Standpunkt aus, sondern
auch was die Technik betrifft, an die Welt der Bühne angelehnt. Mit unterschiedlichen
Lichtfarben, Beleuchtungsintensitäten, Schatten und Projektionen setzt sie Lichtakzente und
schafft Bereiche mit starken optischen Reizen ebenso wie Ruhezonen und Räume für die Kunst.
Jeder Raum, jede Nische und jeder Winkel wird auf diese Weise zu einem visuellen
Augenschmaus - immer wieder neu entdeckt und anders wahrgenommen. Drei Gastronomie-Outlets
stehen den Gästen und Besuchern des Hotels zur Verfügung. Das “Shambala” - was übersetzt
soviel wie “Quell der Freude” heißt - verfügt über 130 Sitzplätze. Direkt dem Restaurant
angeschlossen ist eine Bar, gleichsam Wartezone, um auf das Freiwerden eines Tisches zu
warten, und Recreation-Area nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag. Ein ungewöhnlicher
Farbenmix aus hellbeigem Leder, violettem und lila Filz - getaucht in eine zartrosa
Lichtwolke - dominiert die Gestaltung von Bar und Restaurant. Ruhige Nischen bieten
Rückzugsmöglichkeiten und gestatten, trotz der Weitläufigkeit des als “Open-Space”
konzipierten Restaurants, Intimität. Zwei Chill-out-Lounges am Übergang zur Bar sind die
absoluten Highlights auf dem Weg in das Restaurant. Die annähernd quadratischen Kuben sind
an drei Seiten von massiven beleuchteten Milchglaswänden umgeben. Die Farbe und damit auch
der Raumeindruck wechselt im Laufe des Tages. So werden aus den tagsüber sachlichen
Gesprächszellen abends lauschige Separees.
Das gastronomische Konzept stammt vom französischen 3-Hauben-Koch Michel Rostang. Zusammen
mit dem oberösterreichischen Haubenkoch Christoph Brandstätter hat er in mehrwöchiger
Zusammenarbeit eine eigenständige Linie kreiert. Die Cuisine Mondial beruht weitgehend auf
österreichischen Produkten und verbindet das Gedankengut der jungen französischen Küche mit
asiatischen und nordafrikanischen Einflüssen. Sozusagen als Einladung an die Wiener sind
die Preise im “Shambala” deutlich unter jenen der typischen Wiener Gourmet-Tempel.
Das Café “Boulevard” zollt der Wiener Kaffeehaustradition Respekt: Graublaue Holztäfelungen,
weiß lackierte Thonet-Bugholzsessel und klassische Kaffeehaustische mit Tischplatten aus
Stahl oder mattem Glas. Zusätzliches “Schmankerl” ist die integrierte Bibliothek - eine Ode
an die Wiener Kaffeehausliteraten. Wer’s ein bisschen zeitgemäßer schätzt, kann sich über
“Wireless LAN” auch ins Internet einlinken.
Mit 130 Hotelanlagen und rund 34.000 Zimmern ist die
Luxushotel-Gruppe “Le Méridien Hotels & Resorts” in 56 Ländern Europas, Asiens, der USA,
der Karibik, Afrikas und des Mittleren Ostens vertreten. Wichtigstes Anliegen der Betreiber
ist es, der jeweiligen örtlichen Kultur und Tradition Respekt zu zollen. Zumindest in Wien
ist dies mehr als gelungen. In jedem Fall wurde mit der Eröffnung des “Le Méridien Wien”
die Latte für 5-Sterne-Hotels hierzulande wieder ein Stück höher gelegt.
Mehr gibt es in der Printausgabe!
Nur ein Abonnement sichert Ihnen
einen regelmäßigen und sicheren Bezug!
Hotel Le Méridien
Opernring 13-15, A-1010 Wien
|
| Bauherr: |
Le Méridien Hotels & Resorts |
| Planung: |
Manfred Wehdorn, Wien Fritz Schwaighofer, Innsbruck |
| Projektentwicklung: |
BIP Breiteneder Immobilien, Wien |
| Projektmanagement: |
Büro Architekt Paar, Wien |
| Konstruktion: |
Universale Bau |
| Innendesign: |
Yvonne Golds, Real Studios, London |
| Bauphysik: |
Büro DI Prause, Wien |
| Haustechnikplanung: |
Ingenieurbüro F. Kainz, Innsbruck |
| Statik: |
Büro Thumberger und Kressmeier, Wien |
| Örtliche Bauaufsicht: |
Büro Thumberger und Kressmeier, Wien Büro Architekt Paar, Wien Büro Ing. Kainz, Innsbruck |
| Fertigstellung: |
November 2003 |
| Fotos: |
© Le Méridien |
| Text: |
Walter Laser |