Das Hotel Beletage im 1. Wiener Gemeindebezirk hat
seine Tore geöffnet. Mit neun Zimmern lädt Robert Hollmann seine Gäste zu Wiener Wohndesign
mit viel Holz und warmen Farben ein. Mitten in der Innenstadt der Bundeshauptstadt entstand
eine Oase der Gemütlichkeit und Besinnlichkeit, die Schauspieler, Theatermacher und andere
Künstler einlädt, von der stressigen Großstadt Abstand zu nehmen und zu relaxen.
Ziel eines Hotels ist wohl in den meisten Fällen, dem
Gast in der fremden Stadt ein Zuhause zu sein. Geborgenheit und Ruhe zu vermitteln waren
deshalb wichtige Kriterien für die Gestaltung der Hotel-Pension Beletage. Die Aufgabe, ein
Hotel mit nur neun Zimmern zu bauen, trägt die dazu nötige Privatheit bereits in sich.
Weitere Ideen ergaben sich aus der Lage: Wie der Name schon sagt befindet sich das Hotel in
der Beletage eines repräsentativen Stadthauses der Jahrhundertwende und liegt zentral in
der Wiener Innenstadt. Dementsprechend sollte der Charakter eines Altbaus gewahrt und
Bezüge zu Wien hergestellt werden. Die Trennung von öffentlich zugänglichen und “privaten”
Bereichen ist in der Architektur ablesbar. Für die öffentlichen Zonen wie Lobby, Küche und
Flur wurden dunkle Farben kombiniert mit einem gedämpften Orange gewählt, während in den
Zimmern helle Farben vorherrschen.
Dem Anspruch, dem Hotelgast ein Zuhause zu bieten, wird der Eingangsbereich gerecht. Er
erinnert mehr an einen privaten Salon, der zum Verweilen einlädt, als an eine Hotellobby.
Im Zentrum dieses Raums befindet sich die Rezeption, die aus einem zweiteiligen, mit
dunkelbraunem Leder bezogenen Pult besteht, das am Abend zusammengeschoben und abgesperrt
werden kann. Eine der Pultaußenwände fungiert als Bibliothek, die dem Eingang zugewandte
Seite weckt Assoziationen an einen Koffer. Funktional teilt dieses Element den
Eingangsbereich des “Salons” mit Klavier und Sitzgarnitur vom hinteren Bereich, der vor
einem offenen Kamin zum Lesen einlädt. Die räumliche Einheit dieser drei Zonen wird durch
die abgehängte Lichtdecke verstärkt, die mit dem schemenhaften Wiener Riesenrad bedruckt
ist. Der Großteil der Wände der Lobby wurde bewusst leer gelassen, einziges
Gestaltungselement ist das Licht, das von der Decke entlang den Wänden herab zu fallen
scheint und den Charme der Altbausubstanz durch deren Unebenheiten sichtbar macht. Wie in
allen öffentlichen Bereichen des Hotels besteht der Boden aus kastanienfarbener Esche und
dazu farblich abgestimmten Möbeln, als Kontrapunkt wurde für Teppiche und Lampen ein warmes
Orange gewählt. Als liebevolles Detail sind selbst die Nähte des Rezeptionspults in Orange
ausgeführt.
Blickfang im angrenzenden Frühstücksraum ist die
offene Küche, die dem Bauherrn, der auf eine spannende Biographie als Konditor, Koch und
Schauspieler verweisen kann, Bühne und Labor ist. Ein mit Leder bezogener Tresen lädt zum
Gespräch mit dem Hotelier und Küchenchef ein - die orange Naht fehlt hier ebenso wenig wie
auf der Sitzbank des Frühstückraums. Der klassischen Wiener Kaffeehausstruktur mit kleinen
Zweiertischen, langer Bank und darüber angebrachtem Spiegel steht ein vier Meter langer
Tisch gegenüber, der sowohl als Buffet wie auch als feierliche Tafel genutzt werden kann.
Ton in Ton mit den dunklen Böden sind die Möbel des Frühstücksraums sowie der Küche aus
dunkel beschichteten Sperrholzplatten gefertigt. Die Kaffeehaustische und die lange
Sitzbank sind im selben Farbton mit Leder bespannt.
Die Zimmer selbst sind gekennzeichnet durch eine sehr
klare, moderne Sprache. Dominiert wird das Zimmer von Beigetönen, die in Kombination mit
dem indirekten Licht und den Stofflampenschirmen eine warme Atmosphäre schaffen. Als
Kontrast zu den hellen Farben wurden die großteils vom Architekten entworfenen Möbel in
dunklem Holz gehalten. Wiener Flair erhalten die Zimmer durch die alten Kastenfenster mit
Holzfüllungen und das Fischgrätparkett, die bewusst erhalten wurden. Im Badezimmer wurden
Steingutfließen verwendet, wie sie in Otto Wagners Stadtbahnstationen zu finden sind. Um
dem Zimmer Ruhe und Struktur zu verleihen, wurde über die gesamte Zimmerlänge eine
Schrankwand aus hellem Eichenholz eingezogen, welche die Zimmertüre, das Badezimmer, den
Kleiderschrank und ein Modul für Safe, Minibar und Fernseher enthält. Die funktionalen
Elemente dieser Wand können somit bewusst ausgeblendet oder inszeniert werden. Das Bett
verfügt über eine lederbezogene Verlängerung im Fußbereich, die zum Sitzen ebenso einlädt
wie zum Abstellen von Koffer oder Taschen. Die reduzierten Schreibtische ermöglichen mit
allen Anschlüssen für moderne Kommunikationsmedien konzentriertes Arbeiten. Jene Badezimmer,
die über Tageslicht verfügen, sind infolge des in Braun- und Beigetönen gehaltenen
Steingutfließenmosaiks als räumliche Einheit mit den Zimmern wahrnehmbar.
Die Farbe Grün hingegen wurde bewusst als Kontrast eingesetzt, um in den fensterlosen
Badezimmern eine morgendliche Frische zu vermitteln.
Je nach Laune des Gastes können die Badezimmertüren geöffnet und das Bad Teil des Zimmers
werden oder das Badezimmer als ruhiger Rückzugsraum benutzt werden.