Die Südtiroler Falkensteiner Unternehmensgruppe betreibt 26 Hotels &
Resorts - zumeist im 4-Sterne-Bereich - und ist mit rund 8.500 Betten in Südtirol, Österreich,
Kroatien und Tschechien vertreten.
Falkensteiner Hotels und Resorts bestehen aus Hotellandschaften in vier
Kategorien: Das klassische Ferienhotel bietet Erholung, Sport, Natur und Genuss, die Falkensteiner
Clubhotels tragen den Namenszusatz Funimation (Spaß und Animation), Städte-Reisende begrüßt die
Hotelkette mit den Falkensteiner Stadthotels, und um dem allgemeinem Wellnesstrend zu folgen darf
natürlich auch nicht das Wellnesshotel im Sortiment fehlen. Das jüngste Mitglied der Hotelkette
ist ein Hotelhybrid aus Business und Wellness -Betrieb, der durch seine sensible wie
anspruchsvolle Architektur positiv im kärnternischen Landschaftsbild auffällt. Wie kam es, dass
das Hotel-Unternehmen plötzlich mit dem Carinzia die sehr angepasste und konservative
Türmchenformensprache der bisherigen Häuser bricht? Welche Überlegungen auch immer angestellt
wurden, äußerst professionell suchten die Planer nach einem passenden Entwurf und einer daraus
folgenden baulichen Lösung für das zu entstehende Hotel Carinzia. 2003 veranstaltete die Hotel
Carinzia GmbH einen Architekturwettbewerb, zu dem sechs Büros geladen wurden. Das Wiener
Architekturbüro Arkan Zeytinoglu überzeugte die Auftraggeber mit einem Projekt, dessen Konzept auf
landschaftlicher Reflexion, Respekt und Akzeptanz gegenüber der Natur und einer sichtbaren
Kommunikation zwischen Innen- und Außenräumen beruht.
Das Raumprogramm war von Seiten der Hoteliers streng definiert, 160 Zimmer und einen
Restaurantbereich für 320 Gäste galt es integrativ in der dörflichen Infrastruktur zu entwickeln.
Die Architekten planten ein Hotel, das stolze 200 Meter Länge aufweist. Allerdings erscheint der
Baukörper durch seine V-Form feiner und eleganter als die bebaute Fläche von 5.238 m2 vermuten
lassen würde. Das Hotel Carinzia ist ein Haus aus Stahlbeton, auch wenn die wahre Identität durch
eine durchgängige Holzfassade geleugnet wird. Nicht nur an der Fassade kokettiert das Haus mit
Materialien, die in der Umgebung vertreten sind. Schieferstein, Lärche, Eiche und sehr viel Licht
sind die Zutaten, aus denen das Carinzia gemacht wurde. Vor allem das Inszenieren von
Lichtstimmungen - Tageslicht wie künstliches Licht - verwandelt das Hotel in Bühnenbild artige
Raumsequenzen. Ein schönes Beispiel dafür bietet der um das Atrium sitzende Gangbereich. Hier
wurde nicht mit klassischen Geländern gearbeitet, stattdessen erstreckt sich dicht angeordnete
Holzlattung vom Boden bis zur hohen Decke. Durch die Beleuchtung des Ganges erscheint dieses
„vollflächige Geländer“ beinahe mystisch fragil. Zeitgenössische Mystik wird auch im Hotel eigenen
Wellnessbereich versprüht: Auf 2.500 m2 werden spezielle Paar-Behandlungen angeboten, zur Auswahl
stehen ein „privat Spa“, ein „Euroasia“-Bereich mit Wasserbett und Whirlpool aber auch der
Vitalis-Bereich. Eine weitere Besonderheit wird wassertechnisch im Wellnessbereich geboten: 7
Pools stehen den Gästen für unterschiedlichste Wasservergnügen zur Auswahl. Kneippkuren, ein
Wasserkanal und Entspannungsbecken sind in der Saunawelt vertreten, Sportbecken im Außenbereich,
78 m2 Indoor Pool und ein 15 m2 kleines Kinderbecken decken die Bandbreite der
Wasserspielmöglichkeiten ab. Die Relation zwischen Kinderbecken und den übrigen Pools zeigt, dass
das Carinzia nicht unbedingt ein Kinderhotel ist. Vielmehr wurde hier alles getan, um gut
situierten Jung-Karrieristen ein angemessenes Ambiente zu bieten. „Space for Emotion“ ist das
Credo, und vor allem bei näherer Betrachtung der 11 Zimmertypen steht fest, dass hier genug Platz
für jede Art der Emotion ist. Die schlichteren Juniorsuiten bestehen aus Wohn- und Schlafraum, zu
empfehlen sind allerdings die sieben glamourösen 80 m2 großen Seniorsuiten. Eine Zimmerlandschaft,
bestehend aus Sauna, Liege und Whirlpool, wird in einem farblich weiß-rot-schwarz kontrastierenden
Ambiente geboten. Speziell zeigt sich auch die Emotion Suite, bestehend aus Wohnzimmer und zwei
Schlafzimmern, die mit einem Himmelbett plus Wasserbett aufwarten.
Am traditionellsten ist wohl die klassische Seniorsuite, auch sie trumpft mit 2 Schlafzimmern und
einem Wohnzimmer auf. Hier dominieren allerdings nicht ausgefallene Schlafmöglichkeiten, sondern
erdige Farben und helles Leder am Betthaupt. Sehr durchdacht ist die Anordnung, beziehungsweise
Kombinationsmöglichkeit der Zimmer. Siebenmal ist es möglich Senior- und Standardsuiten zu
kombinieren, zehnmal ist das Zusammenschalten der Standardzimmer möglich. Die Möglichkeit der
logistischen Kommunikation war den Planern wie Betreibern aber nicht nur räumlich Hotel intern ein
besonderes Anliegen. Es kommt ja gerade bei HotelNeubauten sehr oft vor, dass die dem Tourismus
gewidmeten Häuser nicht von der einheimischen Bevölkerung angenommen werden. Da das Carinzia ganz
anders aussieht als die umgebenden Häuser, könnte man meinen, dass das Hotel missgünstig von der
Bevölkerung betrachtet wird. Laut Projektleiterin Ariana Grüll ist aber genau das Gegenteil der
Fall, und möglicherweise ist auch eine Pizzeria an dem Wohlwollen „schuld“. Als Pendant zur
Bar-Lobby fungiert eine Pizzeria, die das Hotel Carinzia flankiert. Diese öffentliche
gastronomische Stätte funktioniert ein bisschen wie eine Botschaft light - Gäste und Einheimische
können bei Verlangen Kontakt aufnehmen - und mit 2 Schlafzimmern pro Suite steht einem längeren
Kennenlernen ja auch nichts mehr im Weg.
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Falkensteiner Hotel Carinzia
Tröpolach 156, Hermagor/A |
| Bauherr: |
Hotel Carinzia G.m.b.H. |
| Planung: |
Architekturbüro Arkan Zeytinoglu, Wien |
| Statiker: |
Bautech Zanon, Zams/A |
| Projektmanagement: |
Michaeler & Partner, Vahrn/I |
| Bebaute Flä,che: |
5.238m² |
| Nutzfläche: |
14.714m² |
| Baubeginn: |
Juli 2004 |
| Fertigstellung: |
Juli 2005 |
| Fotos: |
© Alexander Koller |
| Text: |
Sandra Knöbl |
Ausstattung:
|
Elektroinstallation, Brandmeldeanlage, Daten- und Videotechnik: |
buchholzer + partner elektroanlagenbau g.m.b.h. |
| Textile Ausstattung: |
Backhausen interior textiles G.m.b.H. |
| Tischler: |
Wolte & Partner G.m.b.H. |