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Renault Espace


Renault Espace / Bilder: © Renault Renault Espace / Bilder: © Renault
Renault Espace / Bilder: © Renault Renault Espace / Bilder: © Renault
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Im Bereich des Fahrzeugdesigns zählt Renault unumstritten zu den mutigsten und innovativsten Automobilproduzenten der Welt. Abseits vom automobilen Mainstream formen die Franzosen unbeirrt ihre Modelle, bei denen die Form der Funktion folgt, die Innenräume Wohnzimmerflair versprühen und pfiffige Details den automobilen Alltag versüßen. Im architektur-Praxistest nun ein würdiger Vertreter dieser Modellstrategie: die vierte Generation des Espace.

Text: Walter Laser, Bilder: Renault

Beim Abholen des Testwagens bei Renault Österreich am Laaer Berg in Wien kam Wehmut auf: Mein erstes eigenes Auto (vor fast 30 Jahren) war ein aus dem Fuhrpark vom Ziegelproduzenten Wienerberger aussortierter Renault R6, den mein Vater mit mir als Helfer in liebevoller Kleinarbeit wiederbelebte. Der Ersatzteilverkauf von Renault am Laaer Berg war damals eine oft besuchte Adresse: Als Lehrling verdiente ich damals knapp 4.000 Schilling pro Monat, und die komplette Auspuffanlage für den R6 kostete vergleichsweise bescheidene 350 Schilling - dieses Auto ließ sich trotz der mehr als 100.000 Kilometer am Tacho und entsprechendem Ersatzteilbedarf locker leisten, und für zwei drei Hunderter gab es für den 34-PS-Renner so viel Sprit, dass man eine ganze Woche lang mit den Kumpels planlos im „Revier“ herumfahren konnte.
Doch nun zum Ur-Ur-Ur-Enkel meines R6. Getestet wurde ein auf der Privilege-Ausstattung basierendes Sondermodell (20 Jahre Espace in Österreich), das ab Werk noch einmal um Metallisé- und Integral-Lackierung, abgedunkelte Fenster, Einparkhilfe und Tempomat aufgefettet wurde. Im Inneren ist der Espace, der beim Euro-NCAP-Crashtest mit fünf Sternen und 35,11 von 37 möglichen Wertungspunkten hervorragend abgeschnitten hat, bekanntlich ein wahres Raumwunder: Was sich für Fahrer, Beifahrer und Fond-Passagiere an Raum bietet ist unvergleichlich. Einsteigen und Beladung des Espace fällt durch vier große Türen und die geteilt öffenbare Heckklappe - das Fenster lässt sich extra öffnen und so der Einkauf quasi in den Laderaum „schütten“ - besonders leicht, und mit den klapp-, verschieb- und ausbaubaren Sitzen kann der Innenraum zwischen Last- und Personentransport variiert werden.
Große Fensterflächen bieten eine tadellose Rundumsicht, und die elektronische Klimaanlage - mit getrennt einstellbaren Bedienungseinheiten in der Fahrer- und Beifahrertüre - sorgt trotz sonniger Aus- und Einsicht für ausgewogene Temperatur. Zahlreich sind die Ablagemöglichkeiten, die von Brillenhalterungen über verschieden große Fächer und Klappen reichen und in einem verschließbaren Staufach für einen Aktenkoffer in der Armaturenlandschaft gipfeln. Hier zeigt sich wahres Raumgenie, und es liegt die Vermutung nahe, dass die Entwickler, wenn verlangt, auch mühelos einen Drei-Zimmer-Haushalt in einem Wandschrank unterbringen würden.

Wie im Espace üblich liegen die Armaturen mittig im geschwungenen Armaturenbrett und informieren so nicht nur den Fahrer, sondern alle Fahrzeuginsassen über den aktuellen Fahrzeugzustand und diverse Werte. So lässt sich beispielsweise in einer familiendynamischen Diskussionsrunde trefflich über die Differenz zwischen erlaubter und aktuell gefahrener Geschwindigkeit reden - und die Sprösslinge im Fond sind in der Regel unerbittlicher und aufmerksamer als die Gesamtheit der heimatlichen Straßenüberwacher. Wen diese Art der Überwachung stört, kann zur Ablenkung die serienmäßige Funk-Fernbedienung für das Audiosystem nach hinten reichen - und zusätzlich über die Betätigungselemente am Lenkrad kräftig bei Lautstärke und Senderwahl mitmischen.
Motorisiert war unser Testwagen mit dem 2,2-Liter-Dieselmotor mit Automatikgetriebe, der 150 PS auf die Vorderräder bringt und jenseits von 2.000 Umdrehungen ordentlich beschleunigt. Quasi als Gegenspieler zur Beschleunigung fiel das Bremssystem mit seiner hervorragenden Verzögerung auf, das laut Hersteller bei Notbremsungen auch noch vom serienmäßigen Bremsassistenten unterstützt werden soll. Serienmäßig mit an Bord sind auch noch ABS und das Antischleuderprogramm ESP mit der Untersteuerkontrolle USC - so lässt sich’s mit fünf NCAP-Sternen und jeder Menge elektronischer Helferlein und dem überzeugenden Fahrwerk beruhigt reisen.
Wer aber beim ersten Kontakt mit dem Fahrzeug weder fachkundige Einweisung noch die Betriebsanleitung genossen hat, wird zwar die Hürde des Startvorganges mit Key-Card und Start/Stop-Knopf überwinden und losfahren können, spätestens aber beim Abstellen des Fahrzeugs im Manual blättern, um nach dem Handbremshebel zu suchen, der sich weder an gewohnter Stelle noch sonst wo finden lässt. Die Antwort darauf ist einfach: Der Espace hat keine vom Fahrer zu bedienende mechanische, sondern eine elektrische Feststellbremse, die automatisch funktioniert.
Die vierte Generation des Espace hat mit ihrem Charme, den vielen pfiffigen Lösungen und vor allem durch den Innenraum überzeugt. Für Bedienungsanleitungs-Muffel (wie mich) ist es ratsam, dieses Druckwerk beim Espace zumindest durchzublättern, um auch die im Verborgenen werkenden Eigenschaften zu erfahren. Nicht nur der Einstiegspreis von knapp unter c 30.000,- inklusive Steuer und NoVA sollte Van-Fahrer und solche, die es werden wollen, überzeugen.

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