Wellness scheint zu boomen. Eine Goldgrube ist Wellness aber
nicht, zumindest nicht automatisch. Wesentlich ist ein professionelles Spa-Management, das
schon bei der Planung beginnt. Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) zeigte
kürzlich bei einem Workshop den Weg zur strategischen Erfolgsplanung.
Österreich gehört zu den Wellness-Meistern. Das bescheinigt eine
Erhebung der European Spas Association aus dem Jahr 2002, in der Österreich mit einem
zehnprozentigen Anteil am europäischen Spa-Markt hinter Deutschland auf Platz zwei rangiert.
Von den Gästenächtigungen in Österreich stammen etwa 10 Prozent aus dem
gesundheitsorientierten Urlaub. Doch der Markt wächst mittlerweile nur mehr eingeschränkt.
Wer vom Wellness-Trend als Hotelier oder Architekt noch profitieren will, muss sich gut
positionieren und strategisch planen.
Elfriede Krempl, pädagogische Leiterin der Akademien der Österreichischen
Hoteliervereinigung (ÖHV) weiß, dass hier noch viel Aufklärungs- sowie Aus- und
Weiterbildungsarbeit zu leisten ist: „In Spa- bzw. Wellness-Anlagen wird enorm viel
investiert. 2004 waren es bei Unternehmen, die Wellness als Kern ihres Angebots sehen, um
Durchschnitt etwa zwei Millionen Euro. Strategische Konzeption, Marketingplanung,
Betriebshandbücher mit Standards und klare Kostenrechnung fehlen jedoch noch weitgehend.“
Die ÖHV hat sich daher dieses Themas angenommen. 20 ÖHV-Diplomhoteliers - Absolventen der
ÖHV-Unternehmerakademie - machten sich vor kurzem in einem Intensiv-Workshop mit
professionellem Spa-Management vertraut.
„Um den Wellness-Bereich profitabel führen zu können, müssen alle Kernbereiche - d. h.
Raumplanung, Positionierung, Konzeption der Angebote, Mitarbeiterförderung zur
Qualitätssteigerung, Verkauf und Profitabilitätsberechnungen - professionalisiert werden.
Passiert das nicht, wird das Endergebnis schlecht aussehen“, warnt Krempl. Negativbeispiele
gibt es viele.
Die häufigsten Fehlerquellen
Doch Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen. Daher zunächst:
- Keine Betriebsphilosophie und keine Corporate Identity
Vielen Wellness-Anlagen fehlt das Alleinstellungsmerkmal. Eine Differenzierung zum
Mitbewerb findet zufällig (z. B. über die Kompetenz der Mitarbeiter) oder überhaupt
nicht statt. Damit werden die Anbieter austauschbar.
- Keine inhaltliche Konzeption
Niemand würde auf die Idee kommen, exakt dieselbe Speisekarte zu führen, wie der
Nachbarbetrieb. Wie kommt es, dass gerade bei der Angebotsgestaltung im
Wellness-Bereich kaum Individualität erkennbar ist? Hier wie dort findet man heute
Lomi Lomi und Hot-Stone-Massagen. Ebenso wenig unterscheiden sich die
Serviceleistungen, die dahinter stehen. Kundenbindung ist so nicht möglich. Sie
erfordert individuelle Dienstleistungen. Als Positivbeispiele sind hier das erst
kürzlich eröffnete Hotel Loisium in Langenlois und das Hotel Schloss Weikersdorf zu
nennen, die ganz spezielle, auf die Besonderheiten des Hotels abgestimmte Therapien
anbieten („Signature Treatment“).
- Unrealistische Einschätzung der Chancen und Erlös-Möglichkeiten
Einen Business-Plan mit realitätsnaher Preiskalkulation, in der Wareneinsätze
(dürfen nicht über 10% ausmachen) sowie Personal- und Overheadkosten berücksichtigt
werden, sucht man in Wellness-Betrieben oft vergeblich. Leider, denn diese Analysen
sind notwendig, um für den Betrieb die richtige Dienstleistungs- und
Preisgestaltung zu finden.
- Fehlende Zielgruppendefinition
Das Angebotsportfolio und die architektonische Gestaltung entsprechen viel zu
selten den Vorstellungen der Zielgruppen. Da werden z. B. Einzelbehandlungsräume
geschaffen, obwohl die Gäste „double-treatment-rooms“ suchen, und statt
ausgefeilter Optik zieht klinische Atmosphäre in die Räume ein.
- Kein Konzept zur Umsetzung von Betriebsphilosophie und Wellness-CI
Die Alleinstellungsmerkmale müssen klar definiert sein und sich auch in der
Umsetzung bemerkbar machen. Dazu braucht es einen Umsetzungsplan und ständige
interne Qualitätskontrollen.
- Mangel an Transparenz, Führung und Steuerung
Um die Umsätze erfassen und den Bedarf planen zu können, müssen die Ablaufprozesse
transparent gestaltet und ein klar strukturiertes Berichtswesen etabliert werden.
Die Auswertungen sollten minutenaktuell abrufbar sein, denn ansonsten mutiert das
Berichtswesen zu einer reinen Dokumentation der Vergangenheit.
- Die Mitarbeiter kennen die Zielsetzung nicht
Ohne Mitarbeiter, die sich mit dem Betrieb identifizieren und die
Betriebsphilosophie leben, steht ein Wellness-Betrieb arm da. Damit ein homogenes
gutes Arbeitsklima entstehen kann, braucht es eine klare personelle Führung,
regelmäßige Besprechungen, Qualitäts-Checks, Schulungen und Zielabsprachen.
Weg vom Prinzip Zufall
Die Hauptreferentin beim ÖHV-Seminar, die auf Spa-Management
spezialisierte Unternehmensberaterin Dagmar Rizzato betonte, dass die Wellness-Abteilung im
Hotel aus dem „Zufallsprinzip“ herausgeführt werden muss. „Schon in der Verantwortung
gegenüber den Gästen und den getätigten Investitionen, aber auch in Relation zu den enormen
Umsätzen, die hier generiert werden.“ Damit spricht sie Elfriede Krempl aus der Seele, der
es ein großes Anliegen ist, dass die wirtschaftlichen Prinzipien, die in den ÖHV-Akademien
praxisnah gelehrt werden, auch auf den Wellness-Bereich ausgeweitet werden: „Was
hochklassige Verpflegung, exzellentes Getränkeangebot, strategische Konzeption, Marketing
und Finanzierungsfragen betrifft, sind die Absolventen der ÖHV-Unternehmerakademie bereits
absolute Profis. Es muss aber auch die Wellness-Abteilung zur Chefsache werden. In den
Business-Plänen darf der Wellness-Bereich nicht fehlen.“ Sie organisierte daher für die
Absolventen der ÖHV-Unternehmerakademie ein dreitägiges Wellness-Seminar, das im Oktober im
Aqua Dome Hotel in Längenfeld, Tirol, stattfand. Die 20 Teilnehmer danken ihr für dieses
Engagement. „In den drei Tagen wurde das Wesentliche mit vielen Praxisbeispielen auf den
Punkt gebracht“, erzählt Cornelia Klammer vom Hotel Klammer’s Kärnten in Bad Hofgastein.
„Für alle, die ein Spa planen, sollte dieses Seminar eigentlich eine Pflichtveranstaltung
sein“, streut auch Daniela Pfefferkorn vom Sporthotel Goldener Berg in Lech/Arlberg Rosen.
Im Seminar konnten die Teilnehmer mit professioneller Unterstützung für die
Wellness-Bereiche im eigenen Betrieb Konzepte, Marketingpläne und Budgets erarbeiten.
Wie geht man die Planung am besten an?
Was beim ÖHV-Seminar ganz klar hervorkam, ist, dass zuallererst
geklärt werden muss, was wem geboten werden soll. Gestartet wird also mit einer genauen
Analyse der Zielgruppen und ihrer Bedürfnisse. Wird ein bestehendes Hotel um einen
Wellness-Bereich erweitert, ist zu bedenken, dass die derzeitigen Hotelgäste nicht
zwangsläufig auch potenzielle Wellness-Gäste sein müssen. Ein Betrieb, der sich auf
Wintersportler spezialisiert hat, muss sich z. B. darüber im Klaren sein, dass er einen
breiteren Zielgruppenmix braucht, um den Wellness-Bereich profitabel führen zu können. Denn
mit Skifahrern allein ist nicht genug Umsatz zu generieren. Der klassische Skifahrer kommt
vor dem Abendessen noch kurz ins Spa. Für einen profitablen Spa-Betrieb braucht man aber
pro Gast und Tag einen Umsatz von 16 Euro, und dafür ist pro Gast eine durchschnittliche
Aufenthaltsdauer von fünf Stunden notwendig. Neben der Auslastung der Räumlichkeiten muss
auch die Auslastung der Therapeuten geplant werden. Dabei unterstützen spezielle
Wellness-Software-Programme, die zusätzlich den Therapeuten über die „Guest History“
(Auflistung aller Merkmale und der in Anspruch genommenen Leistungen eines Gastes)
informiert.
Wichtig ist weiters die Entscheidung, ob ein exklusives oder ein preiswertes Angebot
geschnürt werden soll. Diese Entscheidung hängt klarerweise von der jeweiligen Zielgruppe
ab. Darüber hinaus sollten die aktuellen Trends in die Konzeption einfließen. Im Moment
sind z. B. „Private Spa’s“ im Kommen. Diese flexiblen Behandlungsräume, die entweder zu
zweit oder auch alleine genützt werden können, sind auch in Bezug auf die Profitabilität
erfolgreich.
Sobald die inhaltliche Konzeption steht, sollten die Betriebsabläufe - zumindest im Groben -
festgelegt und mit dem Architekten besprochen werden, damit die Architektur dann auch den
Anforderungen des Betriebs entspricht. Die Erstkonzeption der betrieblichen Abläufe sollte
dann in späterer Folge in das Spa-Betriebshandbuch einfließen, das alle organisatorischen
und qualitativen Aspekte in Standards umsetzt.
Architektur und Raumkonzept
Die Raumkonzeption muss multifunktionalen Anforderungen gerecht
werden, eine einzigartige Atmosphäre vermitteln und den USP (Unique Selling Proposition) im
Vergleich zur Konkurrenz hervorstreichen. Denn moderne Raumgestaltung und Designer-Liegen
allein machen noch keine erfolgreiche Wellness-Anlage. Hier ist, so Krempl, Mut zu neuen
Konzepten gefragt: „Die Architektur sollte, wie die Wellness-Angebote selbst, eine
Geschichte erzählen. Bäder-, Körper und Beauty-Behandlung müssen im Einklang mit der
Architektur ansprechend serviert werden. Wie ein harmonisches Menü.“
Der Geomantie-Experte und Baubiologe Bernd Traber berichtete beim ÖHV-Seminar, wie die
Schwingungen des Raumes das Wohlbefinden in der Wellness-Anlage beeinflussen, und wie die
natürlichen Strukturen mittels Geomantie aufgedeckt und in der Planung berücksichtigt werden
können. Wenn Störfelder wie Wasseradern und magnetische Wechselfelder gefunden werden,
können in den betroffenen Zonen Funktionsräume wie Wäschelager oder Putzraum positioniert
werden. Der Unternehmer kann durch diese Vorsorgemaßnahmen die Erlebnisqualität für den
Wellnessgast im gesamtheitlichen Sinn steigern und gleichzeitig für seine Mitarbeiter die
Arbeitsplatzsituation verbessern.
Im konkreten Raumkonzept kommt der Wellness- bzw. Spa-Rezeption, über die alle Anfragen,
Gästeberatungen und Buchungen laufen, eine besondere Bedeutung zu . Bis zu 80 % des nicht
vorgebuchten Umsatzes werden hier erwirtschaftet. Eine funktionale Spa-Rezeption beinhaltet
einen Beratungsbereich mit Sitzgelegenheit für Gäste und Rezeptionisten, einen Wartebereich
bzw. eine Spa-Lounge, in der auch Getränke konsumiert werden können sowie einen
Back-Office-Bereich. Die Rezeption sollte möglichst im Eingangsbereich zur
Wellness-Abteilung liegen, damit auch Gäste, die keinen Anwendungstermin haben, dort
begrüßt werden können. „Hotels mit einer größeren Bettenanzahl errichten die Spa-Rezeption
mittlerweile in der Hotelhalle und können die Umsätze damit um bis zu 15 % steigern“,
berichtet Krempl.
Meist beinhaltet der Rezeptionsbereich auch ein Wäschelager, wesentlich ist aber, dass hier
- am Ort des Geschehens - auch das Büro des Spa-Managements angesiedelt wird, damit in die
Abläufe eingegriffen werden kann.
Kostenrechnung im Spa-Betrieb
Der Wellness-Bereich sollte nicht nur über die Umwegrentabilität
(wie z. B. Saisonverlängerung, höhere Auslastung und bessere Preisdurchsetzung) zum
finanziellen Erfolg des Hotels beitragen, sondern auch als eigenständige Abteilung (so
genanntes „Profit-Center“) profitabel sein. In den USA gibt es bereits eine spezielle
Wellness-Abwandlung des Kostenrechnungssystems Uniform System of Accounts for the Lodging
Industry (USALI), um den Wellness-Bereich auch im Controlling als eigenständige Abteilung
betrachten zu können.
Bei der Berechnung der Rentabilität dürfen neben den Mitarbeiterkosten auch die erhöhten
Kosten für Energie, Reinigung und Wartungskosten während des laufenden Betriebs nicht
vergessen werden. Boris Bongers von Babor Cosmetics GmbH, ein weiterer Vortragender beim
ÖHV-Seminar, ging auf den Kostenfaktor Wareneinsatz ein. Dieser darf maximal 10 Prozent des
Gesamt-Spa-Umsatzes ausmachen. Der Deckungsbeitrag sollte über 90 Prozent liegen.
Durch großzügige Liegeflächen lässt sich der Umsatz pro Gast
erhöhen. Rizzato rät daher, pro Zimmer im Spa-Bereich bis zu 15 Quadratmeter Liegefläche
bereitzustellen. Diese Großzügigkeit fördert das Wohlbefinden des Gastes, der dann gerne
länger im Spa bleibt.
ÖHV macht Profis
Um die Professionalisierung in der Hotellerie voranzutreiben,
bietet die Österreichische Hoteliervereinigung drei praxisorientierte Lehrgänge an. Die
ÖHV-Unternehmerakademie (UNA) richtet sich an Führungskräfte. Nach der Diplomarbeit und der
mündlichen Diplomprüfung wird der Titel „ÖHV-Diplomhotelier“ verliehen. Die vier Kursblöcke
über je zwei Wochen sind auf zwei Jahre aufgeteilt. Als Ergänzung können UNA-Absolventen
die dreitägige ÖHV-Diplomunternehmerakademie (DUA) zu aktuellen Branchentrends besuchen.
Das Wellness-Seminar ist ein Beispiel für das Weiterbildungsangebot innerhalb der
Diplomunternehmerakademie. Die ÖHV-Abteilungsleiterakademie (AKA) bereitet kompetente
Mitarbeiter aus allen Abteilungen des Hotels auf Führungspositionen vor. Sie findet
jährlich in drei Modulen zu je vier Tagen gestaffelt im Zeitraum Mai bis Oktober statt.
Detaillierte Informationen zu den Akademien der ÖHV erhalten Sie
bei Mag. (FH) Tina Brandstetter, 01/533 09 52-29, akademie@oehv.at
sowie unter www.oehv.at.
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