Mit der Eröffnung der Rathausgalerien im September
2002 ging für die Innsbrucker Stadtväter ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Dank der
Unterstützung des Gesamtplaners ATP Achammer-Tritthart + Partner konnte das
architektonisch anspruchsvolle Projekt des französischen-deutschen Planungsteams Dominique
Perrault und Rolf Reichert letztendlich in die Tat umgesetzt werden. Neben dem Sitz der
Stadtverwaltung und der Einkaufsgalerie ist auch “The Penz” - neu errichtetes
Vier-Sterne-Stadthotel - in den Rathausgalerien beheimatet. Das Interieur stammt von der
Planungsgemeinschaft ATP Innsbruck und der Jiszda Matthäus GmbH, Wien.
Das Businesshotel bildet den Abschluss des
Rathauskomplexes gegen Nordwesten und bietet mit seiner vollständig verglasten Nordfassade
ein fantastisches Panorama auf die Silhouette der Alpen. Mit “The Penz” hat Tirol sein
erstes Designhotel erhalten. Die Gestaltung im Inneren setzt einen atmosphärischen
Kontrapunkt zur kühlen technischen Architektursprache von Perrault und Reichert.
Die Gestalter von ATP und der Jiszda Matthäus GmbH setzten bei der Konzeptionierung der
Innenräume vor allem auf ein ausgewogenes Zusammenspiel von Farben, Materialien und
Lichteffekten. Dunkles Holz, edler Stein und anthrazitgraues Metall verleihen den Räumen
genau die Ruhe, die der kleinteilig strukturierte Baukörper benötigt. Auf kurzlebige
Designspielereien und formalistische Gestaltungselemente wurde zugunsten eines reduzierten
aber wohldurchdachten Gesamtkonzepts verzichtet. Die künstliche Beleuchtung wird als
Stimmungsmacher eingesetzt und verleiht dem Haus seinen einzigartigen Flair. Je nach
Tages- bzw. Jahreszeit, aber auch nach wetterbedingter Stimmung wird die Grundbeleuchtung
unterschiedlich gesteuert. Das bedeutet zum Beispiel, dass an heißen Sommertagen kühles,
helles Licht in Blautönen allein schon optisch erfrischend wirkt. Während abends oder im
Winter Licht in warmen Gelb- und Orangetönen für eine entspannend heimelige Atmosphäre
sorgen. Die lichttechnische Umschmeichelung des Gastes beginnt bereits mit der
“Stimmungsschleuse - wie die Architekten es bezeichnen - am Haupteingang.
Ein Lichttunnel leitet den Ankommenden ins Foyer und setzt sich in vielen
Beleuchtungs-Ideen von thematisch variablen Leuchtwänden über Lichtinseln bis zur
individuell steuerbaren Beleuchtung im Hotelzimmer fort.
Die Zimmer selbst sind eher klein. 96 sind es an der
Zahl, jedes besitzt in etwa nur 18,5 Quadratmeter. Die Architekten haben bewusst versucht,
gemütliche Wohnräume zu schaffen, die die Gäste relativ einfach an ihre individuellen
Wünsche und Bedürfnisse anpassen können. Wie zum Beispiel das höhenverstellbare,
multifunktionale Glastischchen, das sowohl als Couchtisch als auch in Form eines Tabletts
für das Frühstück im Bett genutzt werden kann. Ebenso ist auch der an der Wand
verschiebbare TV-Flatscreen zu sehen: Alles Dinge, die helfen sollen, die starren
Einrichtungsschemen traditioneller Hotelzimmer zu durchbrechen. Das Zimmer soll nicht nur
als Schlafkoje dienen, sondern auch tagsüber eine Anlaufstelle bzw. Ruhezelle für den Gast
sein. Das winzige Bad ist über eine Glasscheibe optisch mit dem Zimmer verbunden und
verfügt über ein intelligentes, sehr kompaktes Ablagesystem. Der Raum wird dadurch nicht
als beengend wahrgenommen. Auch die Fenster sind - heute leider keine
Selbstverständlichkeit mehr - zu öffnen. Auch der außen liegende Sonnenschutz kann vom
Gast verschoben werden, die gewünschte Beschattung bzw. Besonnung des Zimmers damit
individuell gesteuert werden. Alle Zimmer verfügen über E-Mail- und Internetanschluss.
Zu den Zimmern gelangt man über zwei Panoramalifte an der Nordfassade des Gebäudes mit
unmittelbarem Blick auf die Berge. Das Gebäude besitzt vier Geschoße mit Hotelzimmern. Den
krönenden Abschluss des durchgängigen Designkonzepts bildet das fünfte Geschoß mit der
American Bar “5th Floor”, dem Restaurant und der Lounge. Nach Westen hin öffnet sich der
Raum mit einer großzügig geschnittenen Panorama-Terrasse. Durch Schiebeelemente kann man
in der obersten Etage Bereiche räumlich trennen, verkleinern, vergrößern, neue Durchblicke
schaffen und mit der Perspektive auf die Gebirgswelt spielen.
Eine Besonderheit im “The Penz” stellen die Gänge dar.
Hier wurde besondere Sorgfalt in die Gestaltung gelegt. Die langen Gangbereiche vor den
Hotelzimmern wurden mit Holz und Sisalteppich am Boden und unterschiedlichen
Beleuchtungszonen rund um jeden Zimmereingang strukturiert und optisch verkürzt. So wird
räumliche Qualität für den Benutzer geschaffen und der Eindruck eines rein zweckmäßigen
Verkehrsweges neutralisiert.
Das neue Innsbrucker Stadthotel ist nicht nur eine
architektonische sondern auch eine städtebauliche Bereicherung für den historischen
Altstadtkern. Es stellt eine Schlüsselstelle im städtebaulichen Konzept für den neuen
Rathausplatz dar. Die von ATP forcierte Entscheidung, den Baukörper in den
Adolf-Pichler-Platz ragen zu lassen, erwies sich als städtebaulicher Kunstgriff. So konnte
die Shopping-Mall bis zum Marktgraben weitergeführt werden, wodurch ein so genanntes
Dead-End der Rathausgalerien verhindert werden konnte. Die daraus resultierende Steigerung
der Besucherfrequenz macht das neue Penz-Hotel nicht nur zu einem Treffpunkt für
Geschäftsreisende, sondern auch zu einem urbanen Anziehungs- und Treffpunkt für die gesamte
Stadtbevölkerung.
The Penz **** Businesshotel
Adolf-Pichler-Platz 3, A-6020 Innsbruck
|
| Auftraggeber: |
August Penz |
Gesamtplanung, Entwicklungskonzept und architektonische Begleitung des gesam. Rathauskomplexes inkl. Hotel: |
ATP Innsbruck |
| Wettbewerbsentwurf, Architektur: |
Dominique Perrault, Paris; Reichert/Pranschke/Maluche Architekten GmbH, München |
| Innenarchitektur PENZ Hotel: |
ATP Innsbruck in Planungsgemeinschaft mit Jiszda Matthäus GmbH, Wien |
| Bruttogeschoßfläche: |
4.615m² |
| Bruttorauminhalt: |
16.399m³ |
| Zimmergröße: |
18,50m² |
| Planungsbeginn: |
Frühjahr 2002 |
| Ausführungsbeginn Interieur: |
Juni 2002 |
| Fertigstellung Interieur: |
August 2002 |
| Eröffnung: |
September 2002 |
| Fotos: |
© Thomas Jantscher |
| Text: |
Tom Cervinka |