Die Disco- und Partyszene ist eine sehr kurzlebige
Welt. Was heute noch top angesagt, total hip und trendy ist, kann morgen schon wieder ein
alter Schuh sein, der keinen Party-Tiger mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Nachfrage
nach immer neuen und noch ausgefalleneren Locations ist dementsprechend hoch. Das wusste
auch der neue Betreiber der - mit rund 800 Quadratmeter recht großzügig bemessenen -
In-Diskothek in der Industriezone im Vorarlberger Götzis. Deshalb sollte das “Dos Manos”
mit dem neuen Namen auch gleich ein neues Outfit bekommen. Mit der Umbauplanung wurde das
junge Bregenzer Planungsteam moa - Klaus Metzler und Michael Ohneberg - Architekten betraut.
Was die Gestaltung angeht, wurde den Architekten
größtmöglicher Spielraum eingeräumt, lediglich das veranschlagte Gesamtbudget von knapp
330.000 Euro galt es - ebenso wie die kurz bemessene Umbauzeit von nicht ganz fünf Monaten
- penibel einzuhalten. Für das Dos Manos - zu deutsch zwei Hände - haben Metzler Ohneberg
die Bauaufgabe Diskothek komplett neu interpretiert. Die tanzende Lichtorgel, eine
überdimensionierte Tontechnik für schrille Rhythmen und kraftvolle Bässe sowie viel
schwarze Farbe an den Wänden sind heute ohnehin obligat. Darüber hinaus gibt es aber auch
ein durchgängiges Gestaltungs- und Farbkonzept, das den Besucher in eine üppige Welt voll
Sinnlichkeit und pulsierender Lebendigkeit eintauchen lässt. Moa’s sehen die Diskothek
generell als Ort der Selbstpräsentation, als Anlaufstelle für Kontaktfreudige und
Kontakt-suchende, als Kommunikationszentrum für Junge und Junggebliebene. Dem Rechnung
tragend fiel auch das Konzept für den Entwurf aus: Heiß und farbenfroh, voll Erotik und
Sexualität. Als übergeordnetes Gestaltungsthema dient der Dschungel, dessen Üppigkeit und
Farbenpracht die Architekten in eine künstliche, gebaute Realität übersetzten - ein
Tanzdschungel in der sonst oft allzu nüchternen Atmosphäre einer Vorarlberger Kleinstadt.
Für die Konzeptionierung des Grundrisses wurde das
Motiv der beiden tanzenden Hände - das Lokal-Logo - herangezogen. So ergeben sich zwei
getrennt voneinander bespiel- und begehbare Bereiche, die Kuba-Bar und die Diskothek. Die
architektonischen Eingriffe in die Bar beschränken sich auf das Auskalken der Wände; die
großformatigen Spiegel blieben alle erhalten, ebenso der alte Boden. Die passende
Atmosphäre schafft das Interieur. Ausgesuchte, elegante Karibikmöbel und Utensilien sorgen
für karibisches Flair. Ein Propeller in der Raummitte und ein alter Luster aus der Disco
schmücken die Decke. Furnierte Holzoberflächen an der bestehenden Bar und rote Fauteuils
imaginieren verruchten Luxus.
Die Diskothek greift das Dschungelthema auf. Knalliges
Gelb markiert den Eingang, zieht sich als Leitlinie durch den gesamten Raum und führt den
Besucher bis an die Bar im Zentrum. Wie “dos Manos” (zwei Hände) umarmen zwei Farbkörper -
einer in Grün, der andere in Rot - dieses Zentrum.
Rot-Gelb-Grün, mehr Farben waren ursprünglich nicht gedacht. Doch mit den ersten
Farbversuchen waren die Architekten auf den Geschmack gekommen und ließen ihren kreativen
Farbspielen freien Lauf. Auf diese Weise entstand eine eigendynamische Farbkomposition,
die für die einzigartige Raumstimmung verantwortlich zeichnet. Rot, Orange, Pink, Blau,
Gelb und Grün sind in einem harmonischen Wechsel. Dieses Farbkarussell beschränkt sich
dabei ausschließlich auf die hochglanzlackierten Einbauteile, die Wandflächen im
Hintergrund sind in seidenmattes Schwarz getaucht.
“Die gewählten Farbflächen weiten die Räume in unendliche, delirische Tanz- und
Bewegungshorizonte. Bewegende Farben und ekstatische Musik tragen die Besucher in einen
dampfenden Discodschungel am karibischen Meer”, so beschreiben die Architekten ihr
extravagantes Design. Die Disco versteht sich in ihrer Farbenpracht als Tempel für die
Sinne und nicht als nachtschwarze Höhle, wie das bei vielen vergleichbaren Lokalitäten der
Fall ist. Wie die Tropen: laut, farbenprächtig, gefährlich leidenschaftlich, heiß
orientierungslos.
Die Farben wurden als Beschichtung nachträglich auf
die Oberflächen aufgetragen. Die Einbauten wurden aus biegefähigen Gipskarton und
MDF-Industrieplatten gefertigt. Farbige, transluzente Plexiglasscheiben ergänzen die
Licht- und Farbkompositionen.
Im Frühjahr öffnete das Dos Manos zum letzten Mal
seine Pforten. Von Anfang an war nur eine kurze “Spielzeit” geplant - die Szene der
Nachtschwärmer ist - wie gesagt - kurzlebig.
“Aufhören wenn’s am schönsten ist”, lautet das Motto der Betreiber. Die Investitionen in
den Umbau haben sich trotz des nur knapp zweieinhalbjährigen Bestehens allemal ausgezahlt.
Die junge Stadtbevölkerung von Götzis kann den wilden Coyote-Ugly-Shows und den
feuchtfröhlichen Schaumpartys nur nachtrauern und auf einen neuen Betreiber hoffen. Die
Latte für diesen ist auf jeden Fall sehr hoch gelegt.