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Farbenpracht im Disco-Dschungel


Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich
Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich
Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich Umbau Diskothek Dos Manos / Bilder: © Bildhauer Michael Spaich

Die Disco- und Partyszene ist eine sehr kurzlebige Welt. Was heute noch top angesagt, total hip und trendy ist, kann morgen schon wieder ein alter Schuh sein, der keinen Party-Tiger mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Nachfrage nach immer neuen und noch ausgefalleneren Locations ist dementsprechend hoch. Das wusste auch der neue Betreiber der - mit rund 800 Quadratmeter recht großzügig bemessenen - In-Diskothek in der Industriezone im Vorarlberger Götzis. Deshalb sollte das “Dos Manos” mit dem neuen Namen auch gleich ein neues Outfit bekommen. Mit der Umbauplanung wurde das junge Bregenzer Planungsteam moa - Klaus Metzler und Michael Ohneberg - Architekten betraut.

Was die Gestaltung angeht, wurde den Architekten größtmöglicher Spielraum eingeräumt, lediglich das veranschlagte Gesamtbudget von knapp 330.000 Euro galt es - ebenso wie die kurz bemessene Umbauzeit von nicht ganz fünf Monaten - penibel einzuhalten. Für das Dos Manos - zu deutsch zwei Hände - haben Metzler Ohneberg die Bauaufgabe Diskothek komplett neu interpretiert. Die tanzende Lichtorgel, eine überdimensionierte Tontechnik für schrille Rhythmen und kraftvolle Bässe sowie viel schwarze Farbe an den Wänden sind heute ohnehin obligat. Darüber hinaus gibt es aber auch ein durchgängiges Gestaltungs- und Farbkonzept, das den Besucher in eine üppige Welt voll Sinnlichkeit und pulsierender Lebendigkeit eintauchen lässt. Moa’s sehen die Diskothek generell als Ort der Selbstpräsentation, als Anlaufstelle für Kontaktfreudige und Kontakt-suchende, als Kommunikationszentrum für Junge und Junggebliebene. Dem Rechnung tragend fiel auch das Konzept für den Entwurf aus: Heiß und farbenfroh, voll Erotik und Sexualität. Als übergeordnetes Gestaltungsthema dient der Dschungel, dessen Üppigkeit und Farbenpracht die Architekten in eine künstliche, gebaute Realität übersetzten - ein Tanzdschungel in der sonst oft allzu nüchternen Atmosphäre einer Vorarlberger Kleinstadt.

Für die Konzeptionierung des Grundrisses wurde das Motiv der beiden tanzenden Hände - das Lokal-Logo - herangezogen. So ergeben sich zwei getrennt voneinander bespiel- und begehbare Bereiche, die Kuba-Bar und die Diskothek. Die architektonischen Eingriffe in die Bar beschränken sich auf das Auskalken der Wände; die großformatigen Spiegel blieben alle erhalten, ebenso der alte Boden. Die passende Atmosphäre schafft das Interieur. Ausgesuchte, elegante Karibikmöbel und Utensilien sorgen für karibisches Flair. Ein Propeller in der Raummitte und ein alter Luster aus der Disco schmücken die Decke. Furnierte Holzoberflächen an der bestehenden Bar und rote Fauteuils imaginieren verruchten Luxus.

Die Diskothek greift das Dschungelthema auf. Knalliges Gelb markiert den Eingang, zieht sich als Leitlinie durch den gesamten Raum und führt den Besucher bis an die Bar im Zentrum. Wie “dos Manos” (zwei Hände) umarmen zwei Farbkörper - einer in Grün, der andere in Rot - dieses Zentrum.
Rot-Gelb-Grün, mehr Farben waren ursprünglich nicht gedacht. Doch mit den ersten Farbversuchen waren die Architekten auf den Geschmack gekommen und ließen ihren kreativen Farbspielen freien Lauf. Auf diese Weise entstand eine eigendynamische Farbkomposition, die für die einzigartige Raumstimmung verantwortlich zeichnet. Rot, Orange, Pink, Blau, Gelb und Grün sind in einem harmonischen Wechsel. Dieses Farbkarussell beschränkt sich dabei ausschließlich auf die hochglanzlackierten Einbauteile, die Wandflächen im Hintergrund sind in seidenmattes Schwarz getaucht.
“Die gewählten Farbflächen weiten die Räume in unendliche, delirische Tanz- und Bewegungshorizonte. Bewegende Farben und ekstatische Musik tragen die Besucher in einen dampfenden Discodschungel am karibischen Meer”, so beschreiben die Architekten ihr extravagantes Design. Die Disco versteht sich in ihrer Farbenpracht als Tempel für die Sinne und nicht als nachtschwarze Höhle, wie das bei vielen vergleichbaren Lokalitäten der Fall ist. Wie die Tropen: laut, farbenprächtig, gefährlich leidenschaftlich, heiß orientierungslos.

Die Farben wurden als Beschichtung nachträglich auf die Oberflächen aufgetragen. Die Einbauten wurden aus biegefähigen Gipskarton und MDF-Industrieplatten gefertigt. Farbige, transluzente Plexiglasscheiben ergänzen die Licht- und Farbkompositionen.

Im Frühjahr öffnete das Dos Manos zum letzten Mal seine Pforten. Von Anfang an war nur eine kurze “Spielzeit” geplant - die Szene der Nachtschwärmer ist - wie gesagt - kurzlebig.
“Aufhören wenn’s am schönsten ist”, lautet das Motto der Betreiber. Die Investitionen in den Umbau haben sich trotz des nur knapp zweieinhalbjährigen Bestehens allemal ausgezahlt.
Die junge Stadtbevölkerung von Götzis kann den wilden Coyote-Ugly-Shows und den feuchtfröhlichen Schaumpartys nur nachtrauern und auf einen neuen Betreiber hoffen. Die Latte für diesen ist auf jeden Fall sehr hoch gelegt.


Umbau Diskothek Dos Manos

Industriezone 8, A-6832 Götzis

Bauherr: Fun & Business Bar & Diskothekenbetriebs Ges.m.b.H.
Planung: moa - Metzler Ohneberg Architekten
Planungsbeginn: Juni 2001
Baubeginn: Juni 2001
Fertigstellung: Oktober 2001
Bebaute Fläche: 1.100m²
Fotos: © Bildhauer Michael Spaich
Text: Tom Cervinka

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