|
< Zurück
Hotel Habita
Ein fragiler halb lichtundurchlässiger Baukörper nimmt sich wie ein Fremdkörper neben
seinen typisch mexikanischen Nachbargebäuden aus. Eine kommerziell genutzte Straße,
dominiert von Einzelhandel und Bürogebäuden, ist die Kulisse für das Luxushotel Habita in
Mexico City.
Das Architekturbüro Ten Arquitectos wurde 1996 mit dem Umbau eines fünfgeschoßigen
Wohnhauses der 1950er-Jahre in das nunmehrige Hotel Habita beauftragt. Die alte bauliche
Struktur erhielt eine Glasverpackung, die neben ihrer Hüllenfunktion auch zum Raumkonzept
wird.
Die Fassade, bestehend aus der alten Fassade und der neuen Glashülle, ist vieles: Durch
ihre Ausführung als Doppelfassade reguliert sie die Raumtemperatur, und somit war das
Einbauen einer Klimaanlage nicht nötig. Außerdem ist die Gebäudehülle bühnenbildartig bei
der Inszenierung der Aus- und Einblicke eingesetzt worden. Die ursprünglichen Balkone und
Korridore sitzen nun zwischen der alten und der neuen Fassade. Aus der Distanz erscheint
das Hotel wie eine ausdruckslose Maske. Bei näherer Betrachtung wird dieser Eindruck
unterminiert und vielmehr von einem Schattenspiel abgelöst. Diese Schatten stammen
einerseits von Gängen und Balkonen, andererseits von den Umrissen der Gäste. Schmale
Sehschlitze sind die einzigen Durchbrechungen und Schmückungen der Gebäudehülle. Diese
Öffnungen erlauben dem Gast und Nutzer des Hotels die schönen Ausschnitte Mexico Citys zu
sehen, deren Rahmung choreografisch gewählt wurde, während die weniger ansehnlichen
Stadtmomente von der satinierten Glasfassade versteckt werden. In der Nacht erscheint das
Hotel wie eine überdimensionale Stadtlampe, deren Beleuchtungsintensität von der
Gästefrequenz abhängt. Das grundlegende Raumprogramm wurde ganz logisch auf die vorhandenen
Ebenen aufgeteilt: Im Erdgeschoß ist neben dem Restaurant auch eine Lounge und Bar
untergebracht. Die nächsten vier Ebenen sind ausschließlich den Hotelzimmern vorbehalten,
während das letzte Obergeschoß und die Dachterrasse Fitness und dem fantastischen Ausblick
über die Stadt gewidmet sind. Die grundlegende Materialwahl in allen Bereichen ist eine
minimalistische, und speziell in den Gästezimmern wurde ein Spiel aus Sehen und Nichtsehen
inszeniert: jeweils zwei Seiten des Raumes sind mit Glas geschlossen, wobei eine Seite, die
in den Innenhof führende, durchsichtig erscheint, und die nach außen gehende milchig
ausgeführt ist. Die Gestaltung der Räume folgt der zurückhaltenden Außengestaltung. Nicht
ganz dem europäischen Standard entsprechende Sichtbetondecken und Arne Jacobsen Stühle
dominieren den Restaurant- und Barbereich. Doch der eigentliche Magnet des 36 Zimmer
fassenden Hotels ist der auf der Dachterrasse sitzende Swimmingpool. Hier treffen sich
neben Hotelgästen vor allem die Reichen und Schönen der Stadt, die mit schätzungsweise
23-25 Millionen Einwohnern zu einer der weltgrößten zählt. Die Dachterrasse ist
mittlerweile zum beliebten Stadt-Treffpunkt geworden und hat somit zu einer Transformation
der nahen Umgebung beigetragen.
Hotel Habita
Lamartine 201, Colonia Polanco, Mexico City
|
| Bauherr: |
Carlos Couturier, Moises Micha, Jaime Micha, Rafael Micha |
| Planung: |
TEN Arquitectos, Mexico-City + New York |
| Mitarbeiter: |
Enrique Norten, Julio Amezcua, Adriana Díaz,
Rubén Garnica, Bernardo Gómez-Pimienta,
Aarón Hernández, Carlos López, Claudia Marquina,
Sergio Nuñez, Martine Paquin, Francisco Pardo,
Miguel Ríos, Hugo Sánchez. |
| Bauzeit: |
1998 bis 2000 |
| Grundstücksfläche: |
2.500m² |
| Zimmer: |
36 |
| Fertigstellung: |
2000 |
| Fotos: |
© Luis Gordoa |
| Text: |
Sandra Knöbl |
< Zurück
|
|