Weniger ist mehr...
Vor ungefähr zwei Jahren hat Familie Dengg dem Büro „Architekturhalle“ mit dem
Architekten Raimund Wulz und Ingenieur Manfred König den Auftrag zur Revitalisierung des
,Katzunghauses’ mitsamt Café in der Innsbrucker Altstadt erteilt. Das denkmalgeschützte
gotische Gebäude liegt an einer belebten Ecke in unmittelbarer Nähe zum „Goldenen Dachl“.
Vorrangiges Ziel war es, eine alte Hülle mit neuem impulsiven Inhalt zu beleben. Dahinter
standen klare Vorstellungen der Besitzer über ein neues Café: Übernahme der vorhandenen
Gästestruktur sowie eine eindeutige Formulierung der Ausstattung - gemütlich, einladend,
entspannend und nicht zu modern sollte sie sein.
Wie man am entgültigen Entwurf erkennen kann, wurden diese Überlegungen zu aller
Zufriedenheit erfüllt - der Betrieb erfreut sich von Beginn an reger Zustimmung der Gäste.
Insgesamt 130 m2 umfassen die Räumlichkeiten, welche sich vor allem im Großraum des
Erdgeschoßes befinden, ausgenommen der Nebenräume, wie Produktionsküche, Sanitäranlagen,
Lager usw. im Obergeschoß. Des Weiteren sind hier zwei Salons für private Veranstaltungen
und Schulungen eingerichtet, die im Bedarfsfall gekoppelt werden können. Neben einer
zentral gelegenen Bar mit angrenzendem Thekenbereich für Süßwaren und einer dahinter
liegenden Satellitenküche gehören Sitzbereiche entlang der Wände zur eigentlichen
Grundausstattung des Cafés. Eine besondere Gestaltung der Sitznischen unterhalb der
Rundbögen verfeinert das Ensemble der allgemein dezent gehaltenen Möblierung.
Geht man der Längsseite des Gebäudes entlang in Richtung Eingang, ermöglichen Glaselemente,
welche die gesamte Bogenkonstruktion ausfüllen, immer wieder interessante Einblicke in das
Café. Vergleichbar mit einer Geschäftsauslage, ist es doch hier der Gast, der das
Straßenbild mitgestaltet, den Außenraum durch seine Anwesenheit belebt. Die Gestaltung des
Eingangs mittels eines hölzernen Kubus (Popinga), der sich bis in den Innenraum fortsetzt,
erfüllt verschiedene Funktionen zugleich. Als homogener Bauteil dient er der Akzentuierung,
für den Übergang als Windfang und für den Innenraum bedeutet er zugleich eine intelligente
Lösung zur Raumteilung. Am Boden angebrachte Leuchtkörper begleiten den Gast bis in das
Innere. Bar und Theke stehen quer zum Raum und sind von zwei Seiten aus zugänglich. Eine an
diesen Bereich gekoppelte Satellitenküche ist mit einem Kleinlastenlift ausgestattet, der
direkt mit der Produktionsküche im ersten Obergeschoß und dem Keller verbunden ist.
Großer Wert wurde auf eine einheitliche Wirkung der
Ausstattung des gesamten Cafés gelegt. Mittels Auswahl dezenter Materialien und Farben,
sowie durch den Verzicht jeglicher überflüssiger Accessoires, wird eine angenehme
Atmosphäre erzeugt, die ein breites Publikum anspricht. Neben der einfarbig weinroten
Stoffpolsterung der Sitze sind die Tische aus Granit (Nero Assoluto) und der verwendete
Holzwerkstoff für die Möbel gleich dem des Eingangskubus. Einem Bodenbelag mit dem Anspruch
nach hoher Robustheit ist durch Verwendung von thermisch behandelter Eiche, die
abschließend geölt wurde, zur Gänze Genüge getan. Als Übergang in das obere Geschoß dient
eine großzügig dimensionierte Wendeltreppe, da hier in diesem Bereich alte Bogenstrukturen
freigelegt und sichtbar restauriert wurden. Die Trittstufen sind ebenfalls aus Eiche, so
auch das massiv gebogene Geländer - im Gesamten ein eigenständiges Raumelement.
Im Kontrast zu der eher dunkel gewählten Möblierung
stehen die weiß gestrichenen Wände sowie die Decke aus gelochtem Gipskarton. Als abgehängte
Druckdecke konzipiert erfüllt sie neben der positiven Akustikwirkung eine besondere
Funktion für ein angenehmes Raumklima. Innerhalb einer Stunde wird durch diese Methode ein
siebenfacher Luftwechsel erreicht. Die verbrauchte Luft wird durch eine durchgehende
Öffnung unter der Bankmöblierung in den Hohlboden abgesaugt. Frischluft gelangt über die
Decke in das Café, das heißt, durch leichten Überdruck wird die Frischluft gleichmäßig und
ohne sichtbare Lüftungsgitter durch die zahlreichen kleinen Löcher in den Raum gepresst.
Zur gesamten angenehmen Atmosphäre tragen aber nicht nur diese Rahmenbedingungen bei,
sondern nicht zu vergessen sind die punktuellen weißen Beleuchtungskörper, an Decke oder
Wand angebracht, sowie die nach oben gerichtete Längsbeleuchtung hinter den Sitzen. Sie
zonieren insbesondere in den Abendstunden die Sitznischen in den Außenraum der Gasse hinaus,
heben Augenblicke des Verweilens hervor.