An schönen Wintertagen besuchen bis zu 60.00 Skifahrer
das Skigebiet der Axamer Lizum nahe Innsbruck. Die Anlagen wurden für die Olympischen Spiele
1976 erbaut und befinden sich mittlerweile in einem erneuerungswürdigen Zustand. Als einen
zentralen Punkt des Gebietes bedurfte es dem Abriss und kompletten Neuaufbaus des so
genannten „Hoadlhaus“-Restaurants.
Der Entwurf dafür stammt vom Architekten Klaus Mathoy
und gibt einen Solitärbaukörper gekoppelt an die bestehende Bergstation vor. In nur sechs
Monaten Bauzeit konnte das Gebäude in einer Seehöhe von 2.350 Metern im Dezember 2003
fertig gestellt werden - an einem Platz, wo die Natur der Architektur den Hintergrund gibt,
wo die Aussicht zum Verweilen, zu einer Rast einlädt.
Auf direktem Weg gelangt man mit der Standseilbahn oder
dem Sessellift an die Schmalseiten des Restaurantgebäudes. Treppenaufgänge leiten den
Besucher weiter in das über einem Sockelbereich, dem Kellergeschoß, liegenden erhöhten
Hauptgeschoß. Dieses ist in zwei thermisch getrennte Bereiche unterteilt. Einerseits die
nach Südwest orientierte Sonnenterrasse mit den überdimensionalen Rolltoren und
andererseits ein nach Nordost ins Tal ausgerichteter Selbstbedienungs-Teil mit weiteren
Sitzmöglichkeiten.
Um die Aussicht in alle Richtungen von den insgesamt
600 Sitzplätzen zu ermöglichen und einen energieeffizienten Wintergarten-Effekt zu erzielen,
wurde das Restaurant als Glaskörper ausgebildet: Die Raumhöhe von maximal 8 Metern sowie die
Konstruktion mit einer 60-Grad-Neigung ermöglichen eine optimale Sonneneinstrahlung. Der
Terrassenteil kann an sonnenreichen Wintertagen durch sieben Glas-Alutore im Format 6 x 8
Meter über eine gesamte Front geöffnet werden. Dabei fahren diese in eine Holzzwischendecke
im Dach des Gebäudes. Als Besucher des Restaurants begibt man sich auf eine vom Wind
geschützte Sonnenterrasse zum Essen und taucht gleichzeitig ein in eine von hier oben
unendlich scheinende Tiroler Bergwelt. Ausgestattet ist der Sitzbereich mit fix montierten
Bänken und Tischen, allesamt aus einem einheitlichen Material, nämlich unbehandeltes
Zirbenholz mit Edelstahlverbindern. Da Zirbenholz normalerweise einen rustikalen Ruf hat,
konnte diesem mit einer modernen Konstruktion entgegengewirkt werden. An den Bänken, die
entlang der Gänge stehen, wurden Rückenlehnen aus Rundpolstern - mit blauem Kunstleder
bespannt - angebracht. Sie sind nach der Südsonne orientiert und laden zum längeren
Sonnenbad ein. Zwischen den nebeneinander gereihten Sitzmöglichkeiten unterteilt eine
räumlich vergleichsweise niedere Holzbox den Gesamtraum auf Augenhöhe. In ihr werden die
für die Tischbedienung benötigten „Accessoires“, wie Salz-Pfeffer-Streuer, Servietten usw.,
aufbewahrt.
Der Zugang in die zweite Hälfte des Restaurantgebäudes, welche dauerhaft thermisch
geschlossen bleibt, erfolgt in der Mitte über zwei automatische Schiebetüren mit
Luftschleuse. Auch am Bodenbelag vollzieht sich der Wechsel vom Holzriemenboden im
Wintergartenbereich hin zu einem strapazierfähigen blauen Teppichboden.
In den eigentlichen 200 m2 umfassenden SB-Bereich
gelangt man auf Höhe der Kassen. Er ist von allen Seiten einsehbar und ermöglicht durch den
Verzicht von sichtnehmenden Zwischenwänden einen kompletten Durchblick durch das gesamte
Gebäude, bis hinaus in die Ferne zur Stadt Innsbruck. Der Einsatz von Holz als warmes
Material im Gegensatz zu Stahl oder Blech, auch zwischen Deckenbereich und Konstruktion
ersichtlich, vermittelt einen angenehmen Gesamteindruck der Räumlichkeiten - um nicht zu
sagen man gewinnt den Eindruck der Neuinterpretation einer Skihütte. Verwendete Materialien
für die Einrichtung sind vorwiegend Lamellen aus Zirbenholz in horizontaler Anordnung sowie
Edelstahlbleche zur Verkleidung der verschiedenen Theken. Trennwände aus Gipskarton dienen
als Raumteiler zwischen dem Küchen- bzw. Spülbereich und dem Rundgang des SB-Bereiches.
Es gibt keine Decken, die Räume bleiben nach oben hin
offen und sind bestens belichtet. Nur im Sommer schützt ein Sonnenschutz vor übermäßiger
Erhitzung bzw. Blendung. Die Küche schließt direkt an die Essensausgabe von warmen
Gerichten an, so können die in einer großen Pfanne zubereiteten Speisen extra frisch
angeboten werden.
Zur Gewinnung von Heizenergie dient neben einem
Erdwärmetauscher die Geräteabwärme der Küche mittels Wärmerückgewinnung. Die Zentrale dafür
liegt im Untergeschoß, wie auch die übrigen Nebenräume. Ebenfalls im Untergeschoß befindet
sich eine Art Stube und eine Snack-Bar, genannt „Schneebuffet“, für den schnellen Hunger
zwischendurch. Hier können sich Skifahrer an der Außenseite des Restaurants Kleinigkeiten
holen, um damit in den dafür angebotenen Sonnenliegestühlen direkt im Schnee unterhalb der
Wintergarten-Terrasse zu verweilen. So oder so, hier an diesem Ort wird jeder kulinarische
Genuss verbunden mit dem Genuss des Augenblicks.