Smart, smarter am smartesten

8. April 2013 Mehr

 

Von 4. – 21. 03. 2013 fanden in Wien bereits zum dritten Mal die Wiener Wohnbaufestwochen statt. Initiiert von Stadtrat Ludwig, dient die Veranstaltung dazu, Errungenschaften und Innovationskraft des geförderten Wohnbaus in der Stadt zu präsentieren und aktuellste Entwicklungen zur Diskussion zu stellen. Dieses Jahr widmeten sich die Wohnbaufestwochen dem Thema ‚Smart City‘.

(v.l.n.r.) Mark Gilbert, George Wagner, Stefano Boeri, Wiel Arets, Jean-Philippe Vassal

Das Thema ‚Smart City‘ ist seit einiger Zeit in aller Munde, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Geprägt wurde der Begriff bereits Ende der 1990er Jahre und damals eher mit der Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien für eine moderne Infrastruktur und neue Formen der Verwaltung in Städten in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu stehen heute insbesondere Energie und Mobilität in Verbindung mit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie für Klimaschutz und Lebensqualität im Mittelpunkt, wenn es um Smart City geht. Dadurch entsteht eine gewisse Verwandtschaft zu bereits bekannteren Begriffen wie ‚Sustainable City‘, ‚Green City‘ oder ‚Klimaneutrale Stadt‘. Betont wird im Gegensatz dazu allerdings vermehrt die Vernetzung und Integration verschiedener Wissensbereiche wie Wirtschaft, Umwelt, Bevölkerungsentwicklung, Verwaltung, Energie und Mobilität.

Dass Wien im internationalen Vergleich in Sachen ‚Smart City‘ nicht schlecht dasteht, beweist nicht zuletzt ein Ranking des US-amerikanischen Klimastrategen Boyd Cohen, demzufolge Wien vor Toronto und Paris unlängst den ersten Platz einnahm. Hätte Cohen nur die Kategorien Innovation, Ökologie und digitale Verwaltung berücksichtigt, wäre Wien dabei von anderen Städten wie New York ausgestochen worden. Ausschlaggebendes Argument war am Ende die hohe Lebensqualität. Diese ist zu einem großen Teil sicher auch dem hohen Standard des Wohnens zu verdanken, welcher nicht zuletzt auf die Verdienste des geförderten Wohnbaus zurückzuführen ist, der in Wien eine lange und erfolgreiche Tradition hat. Auf diesen Lorbeeren darf und will man sich hierzulande allerdings nicht ausruhen.
Veranstaltungen wie die Wiener Wohnbaufestwochen zielen darauf ab, die Wiener Wohnbauforschung als zentrales Instrument und wesentlichen Impulsgeber für Innovation im geförderten Wohnbau in Wien in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Aufgabe der Wohnbauforschung ist es, Grundlagen für ein sozial nachhaltiges Wohnbauprogramm zu schaffen und diese – auch im internationalen Vergleich – immer wieder zu evaluieren, so Wolfgang Förster, Leiter der Wiener Wohnbauforschung und Vorsitzender der UNECE (Commitee for Housing and Land Management) sowie Vorsitzender der Eurocities-working Group Housing.

Mark Gilbert, Jean-Philippe Vassal, Markus Kaplan

In diesem Sinne trat man gleich zum Auftakt der Festwochen in Dialog mit der Stadt Hamburg, die mit ihrer Wanderausstellung ‚Stadt neu bauen. Eine Reise in die Metropole von morgen‘ in Wien Station machte. Mit der ‚HafenCity‘ und der Internationalen Bauausstellung (IBA) ist Hamburg Schauplatz von gleich zwei der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekten in Europa. Intention der Ausstellung ist ein internationaler Austausch über das intelligente Wachsen von Städten.
Der Frage wie die knapper werdenden Energie- und Flächenressourcen sozial orientiert und nachhaltig genutzt werden können, widmete sich die Veranstaltung ‚High life: Das Hochhaus als urbane Wohnform – Internationale Vergleiche und Wiener Kontext‘. In diesem Zusammenhang präsentierte Jean Philippe Vassal (Lacaton & Vassal Architectes, Paris) das in mehrfacher Hinsicht besonders nachhaltige Projekt ‚Tour Bois Le Prêtre‘ in Paris. Das Wohnhochhaus der 60er Jahre wurde vom Pariser Architekturbüro saniert, indem die Fassade entfernt und durch raumhohe Glasschiebetüren ersetzt wurde. Alle Wohnungen wurden zudem durch vorgesetzte Wintergärten und Balkone ergänzt. Durch diesen sowohl ökologisch als auch ökonomisch smarten Ansatz war es möglich, dass die ursprünglichen Bewohner weiterhin in ihren Wohnungen bleiben konnten. Die gesenkten Heizkosten entsprachen mehr oder weniger der Steigerung der Mieten. Stefano Boeri (Stefano Boeri Architetti, Mailand) zeigt hingegen, wie man mit dem Bau eines Wohnhochhauses in Mailand gleichzeitig einen Hektar Wald pflanzen kann.

Muss das schlechte Image von Wohnhochhäusern vielleicht neu überdacht werden? Natürlich kam auch das Thema Seestadt Aspern bei den Wohnbaufestwochen auf seine Kosten. Im Rahmen der Ausstellung ‚Aspern, die Seestadt Wiens – eine Reise in die Zukunft des Wohnens‘ wurden die Projekte des Bauträgerwettbewerbs und der Wohnbauinitiative vorgestellt, welche bis 2018 auf dem ehemaligen Flugfeld entstehen sollen. Keine Smart City ohne Smart Housing. Vielfältige Lebensmodelle und moderne Anforderungen an eine Smart City erfordern neue Konzepte, damit die Wohnqualität hoch und Wohnraum auch in Zukunft leistbar bleibt, so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. „Innovationspotenzial liegt dabei nicht nur in der städtebaulichen Entwicklung sowie der Planung und Architektur von Bauvorhaben, sondern auch im sozialen Bereich und in Wohnformen, die vom Gedanken der Gemeinschaftlichkeit und Mitbestimmung getragen werden.“ Galt die ‚Sargfabrik‘ lange Zeit als einmaliges und einzigartiges Projekt, so zeigen Baugruppen wie B.R.O.T., Que(e)rbau, Seestern Aspern und einige mehr, wie aktuell das Thema derzeit gerade ist. Ihnen wurde in Aspern ein ganzes Baufeld gewidmet und im Rahmen der Wohnbaufestwochen die Veranstaltung ‚Gemeinschaftliches Wohnen hat Zukunft! Baugruppen & mehr‘. Bei der anschließenden Ausstellung mit Marktplatz konnten sich Interessenten bei Ansprechpartnern der einzelnen Baugruppen ein direktes Bild machen. Der ebenso im Kontext der Wohnbaufestwochen erstaufgeführte Film ‚Leben in der Sargfabrik‘ von Alexander Dworschak, Christine Schmauszer und Michael Rieper gilt diesbezüglich als besonders ermutigender Tipp.

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Kategorie: Architekturszene

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