BAU 2011: IT-Neuerungen und Trends

7. März 2011 Mehr

Die BAU in München ist nicht nur eine Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme, sondern auch die größte Messeplattform für Bausoftware. Grund genug, alles Wichtige für architektur-Leser zusammenzufassen, die keine Zeit für einen Messebesuch vom 17. bis 22. Jänner hatten und dennoch up to date sein wollen…

BAU 2011: IT-Neuerungen und Trends

Auf Europas wichtigster Baufachmesse präsentierten an den sechs Messetagen über 2.000 Aussteller sich und ihre Produkte auf einem 180.000 Quadratmeter großen Gelände. Im Zentrum des Besucherinteresses standen Bauprodukt- und Bautechnologie-Neuerungen. Eines zunehmenden Zuspruchs eines großen Teils der insgesamt 238.000 Besucher erfreute sich ein 6.000 m² großer Ausstellungsbereich in der Halle C3 – die „BAU IT“. Etwa 120 Aussteller und Unteraussteller präsentierten dort neue und bewährte Soft- und Hardware-Lösungen für die Baubranche. Davon stellten etwa 70 Planungs-Software- und -Hardware-Anbieter Produkte und Neuerungen vor, der Rest waren Bauhandwerker-Software-Anbieter. Zu einem Pflichttermin für die Planungs-Software-Branche wird die BAU IT auch deshalb, weil mit über 52.000 Besuchern aus dem planenden Bereich die BAU mittlerweile auch die weltgrößte Fachmesse für Architekten und Ingenieure ist.

Entwicklungen und Trends

Mindestens ebenso interessant wie so manche Soft- und Hardware-Neuerungen sind die auf Messen zu beobachtenden Trends. Gespeist werden sie sowohl durch neue Soft- und Hardware-Technologien als auch durch aktuelle Entwicklungen im Baubereich.
So waren Energieeffizienz und Nachhaltigkeit Top-Themen an fast allen Messeständen. Sie sorgen sowohl in der Bau- als auch der Bausoftware-Branche für neue Impulse. Neben zahlreichen Lösungen für die Gebäudeenergieberatung generieren die „Impulsgeber“ Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sogar eine neue Programmkategorie: Die Ecodesign-Software für die energetische Optimierung von Gebäudeentwürfen wird von immer mehr Anbietern offeriert (siehe architektur 7/10). Die neue Software-Kategorie für das generative Entwerfen und Konstruieren (siehe architektur 4/09) war sowohl im Ausstellungsbereich als auch im Veranstaltungsprogramm der BAU vertreten. Das Thema wurde in einer Podiumsdiskussion im Rahmen des BAU-Forums „MacroArchitecture“ aufgegriffen. Mit der Frage „Werden computergestützte Entwurfs- und Planungsprozesse die Baukultur verändern?“ beschäftigten sich unter anderem Mitarbeiter von Zaha Hadid Achitects, der ETH Zürich und des Laboratory of Visionary Architecture.

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Immer noch im Trend liegt das Mobile Computing. Darunter wird der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien verstanden, die es ermöglichen, an jedem Ort zu jeder Zeit über Mobilfunknetze oder drahtlose lokale Netzwerke auf die Daten anderer mobiler oder stationärer Computer, respektive auf das Internet/Intranet zuzugreifen. Schnittstellen ermöglichen einen schnellen Datenabgleich mit der Bürosoftware. Das rationalisiert Abläufe – etwa dank mobiler Vor-Ort-Datenerfassung und einem automatischen Abgleich mit den Bürodaten.
Auch die Bereitstellung von Soft- und Hardware-Leistungen über Netzwerke wird zunehmend ein Thema. Während beim sogenannten Application Service Providing (ASP) Anbieter eine auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Applikation offerieren, geht Software as a Service (SaaS) einen Schritt weiter, indem Standard-Applikationen via Internet einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt werden. Cloud Computing verallgemeinert dieses Prinzip auf die komplette IT-Infrastruktur (Software, Rechenleistung, Speicherplatz etc.), die bedarfsorientiert zur Verfügung gestellt und nutzungsabhängig abgerechnet wird. Damit haben Planer unabhängig von Zeit und Ort Zugriff auf Programmfunktionen, Rechenkapazitäten, Büro- und Projektdaten, ohne diese lokal vorhalten, warten oder updaten zu müssen.
Die neuen Möglichkeiten des interaktiven und kollaborativen Netzes, des Web 2.0 im Hinblick auf die Präsentation von Büros und Projekten oder die vernetzte Kommunikation werden auch von Bausoftware-Anbietern aufgegriffen. So ermöglichen im Konstruktionsprogramm integrierte Funktionen eine Geo-Verortung und Einbindung von Projekten in Google Earth oder Google Street View (siehe architektur 11/09, S. 80–82). Webbasierte Plattformen für die Projektkooperation ermöglichen eine interaktive Zusammenarbeit zwischen räumlich getrennt operierenden Projektteams. Immer häufiger nutzen Planungsbüros Social Networking-Plattformen wie Xing, LinkedIn und andere, um den Bekanntheitsgrad zu steigern, Kontakte zu knüpfen, auf neue Dienstleistungen hinzuweisen und anderes mehr.
Nahezu über allem schwebt das Building Information Modeling. Das entsprechende Kürzel „BIM“ steht für eine durchgängige Integration planungs-, ausführungs- und nutzungsrelevanter Gebäudedaten in einem zentralen Gebäude-Datenmodell, das den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks berücksichtigt und kontinuierlich fortgeschrieben werden kann. Immer mehr Anbieter sind in der Lage, die Gebäude-, Tragwerks- oder TGA-Fachplanung auf der Basis des BIM-Datenmodells zu realisieren.

Neuerungen im Überblick

Aktuellen Entwicklungen wie der Online-Präsentation oder der Besprechung und Bewertung von Produkten im Web 2.0 zum Trotz – Messen haben noch immer eine wichtige Funktion. Wenn es darum geht, Neuentwicklungen auf den Zahn zu fühlen oder umgekehrt – die Reaktion der Besucher auf neue Versionen zu testen, hinter die Kulissen zu blicken und persönliche Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen, sind Messen wie die BAU IT eine ideale Plattform. Nirgendwo sonst findet man unter einem Dach führende Vertreter der Bausoftware-Branche in einer derart komprimierten Form versammelt wieder. Wird der Besuch gut vorbereitet, erhält man relativ schnell einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Bausoftware. Für alle Daheimgebliebenen fassen die folgenden Abschnitte wichtige Neuerungen eines Teils der BAU-IT-Aussteller zusammen:
Neu bei ArCon Eleco (www.arcon-eleco.de) war ArCon Eleco +2011 Professional mit den Funktionen Baugrube, Bodenplatte und Farbfläche für das farbige Anlegen von Exposé-Zeichnungen. Ein e3d-Import ermöglicht das Einlesen und die Online-Präsentation von 3D-Objekten im Internet. Ebenfalls neu war der ArCon RealTime Renderer für anspruchsvolle Visualisierungen mit ambienten Schatten, Echtzeitspiegelungen und -schatten sowie der Möglichkeit Fotoshop-Plug-ins einzubinden.
Nemetschek AUER – Bausoftware (www.bausoftware.at) präsentierte unter anderem die Versionen 6 von AUER Success, der multifunktionalen Software für AVA, Kostenplanung und -kontrolle, der Software zur Fakturierung und Organisation AUER Regie sowie des Programms zur Baukoordination AUER Safety. Darin enthaltene Standards in Form von Text- und Dokumentvorlagen erleichtern die Arbeit des Koordinators und sorgen für mehr Rechtssicherheit.
Autodesk (www.autodesk.at) war einmal mehr Trendsetter: Neben zahlreichen BIM-Lösungen stellte Autodesk auch eine frei zugängliche Web-Applikation vor, die es Anwendern per Cloud Computing (s. o.) erlaubt, Entwürfe und DWG-Daten über das Internet sowie mobile Geräte wie iPad und iPhone anzuschauen, zu bearbeiten und mit anderen zu teilen.
Bei Graphisoft (www.graphisoft.at) wurde die aktuelle Version der STAR(T)EDITION ARCHICAD vorgestellt, die unter anderem den verlustfreien Datenaustausch mit Ingenieurprogrammen erlaubt. Auch die in ARCHICAD integrierte Teamworkfunktion stand im Mittelpunkt des Besucherinteresses. Mit dem BIM-Server können Planungsteams, unabhängig von der Größe des Projektes, standortunabhängig in Echtzeit zusammenarbeiten. Vom Internetforum World Architecture News in Kooperation mit der BAU ausgezeichnet wurde der EcoDesigner von GRAPHISOFT, ein Add-on für ARCHICAD, mit dem im frühen Planungsstadium der Energiebedarfs eines Gebäudes ermittelt werden kann.
Den Trend zu Freiformflächen in der Architektur greift die aktuelle Version von ARCHline.XP 2010 mit neuen Funktionen auf. Damit lassen sich Netzstrukturen, textile Architekturelemente oder Zeltstrukturen generieren.
Benutzerfreundlichkeit, mehr Leistung, der effiziente Planungsdaten-Austausch sowie die Internet-Einbindung von Allplan 2011 standen bei Nemetschek (www.nemetschek.at) im Fokus. Unter anderem kann jetzt das Layout von Auswertungsreports auf das eigene Büro oder das Projekt angepasst werden. Eine Vielzahl neuer, für Allplan optimierter CAD-Objekte und Texturen beschleunigt die Plan- und Modellgestaltung. Das Programm wurde zusätzlich um weitere Austauschformate wie STL für das Rapid Prototyping und den bidirektionalen Austausch für Google SketchUp und Google Earth erweitert. Ferner wurde die IFC-Schnittstelle optimiert. Cloud Computing war auch am neu gestalteten Nemetschek-Stand ein Thema. Mit der Präsentation des internationalen Internetportals Allplan Connect erhielten Besucher einen Ausblick auf das vernetzte Arbeiten, mit Download-Möglichkeiten von Software-Updates, CAD-Objekten oder Materialien für die Visualisierung. Damit wird künftig auch die Nutzung intelligenter Inhalte „on demand“ ermöglicht. Darüber hinaus bietet Allplan Connect Zugang zum technischen Support und zu einem internationalen Anwenderforum. Die neue Präsentationsplattform Allplan TV bietet künftig zusätzlich ein tägliches Programm an live moderierten Filmen, Interviews und mehr.
Bei ORCA AVA von ORCA Software (www.orca-software.com) war Kostensicherheit und -transparenz das Leitthema. Das AVA-Programm unterstützt Anwender beim Management von Baukosten über eine durchgängige Projektbearbeitung – von der ersten Kostenschätzung und Kostenberechnung bis zur Kostenverfolgung bei der Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. Kosten können nach frei definierten und DIN-Kostengruppen erfasst, auf Basis von Bauelementen berechnet oder zu externen Kostenermittlungsprogrammen, wie dem BKI-Kostenplaner oder den DBD-Kostenelementen importiert werden.
Mit viel Neuem und Produkterweiterndem für den Ingenieurbau wartete RIB (www.rib.de) auf. Das RIBTEC- und das Abacus-Produktportfolio wurden um aktuelle Normen für den Beton-, Holz- und Grundbau ergänzt. Auch die FEM-Systeme für den Hoch- und Brückenbau sowie die CAD-Produkte warteten mit zahlreichen Neuerungen auf.
Mit der Projektmanagement- und Bürocontrolling-Lösung UntermStrich V.09. vom gleichnamigen Hersteller (www.untermstrich.com) kann jetzt auch das plattformunabhängige und lizenzkostenfreie mySQL-Datenbanksystem genutzt werden. Das schafft Geschwindigkeitsvorteile bei Auswertungen und vereinfacht den mobilen Software-Einsatz.
Auch „Hardware“-Anbieter waren vertreten. So präsentierte beispielsweise der erstmals auf der BAU ausstellende Druckerhersteller Epson (www.epson.at) ausgewählte Modelle seiner Großformat-Tintenstrahldruckerpalette der Epson Stylus Pro-Serie.

Messe(n) im Überblick

Die im Zweijahresturnus stattfindende Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme fand vom 17.–22.01.2011 statt. Auf 180.000 m² Ausstellungsfläche präsentierten 2.058 Aussteller aus 46 Ländern den insgesamt 238.000 Besuchern Produkte und Technologien. Auf dem 6.000 m² großen Ausstellungsbereich der Halle C3, der „BAU-IT“-Halle, zeigten rund 120 Bausoftware-Aussteller und Unteraussteller Soft- und Hardware. Nachberichte sowie ein rückblickendes „BAU-TV“ findet man unter www.bau-muenchen.de. Begleitend zur BAU IT wurde auch wieder der Preis „Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft“ verliehen, mit dem zukunftsweisende IT-gestützte Anwendungen, Problemlösungen, Diplom- und Studienarbeiten ausgezeichnet wurden (weitere Infos: www.aufitgebaut.de).
Die nächsten BAU-IT-relevanten Messen: ISH, Frankfurt (15.–19.03.2011, www.ish.messefrankfurt.com), NORDBAU, Neumünster (08.–13.09.2011, www.nordbau.de), DEUBAU, Essen (10.–14.01.2012, www.deubau.de), Swissbau, Basel (17.–21.01.2012 www.swissbau.ch), Build IT, Berlin (21.–25.02.2012, www.build-it.de), Bausoftware-Messe, Wels (01.–03.03. 2012, www.bausoftwaremesse.at), BAU IT, München (14.–19.01.2013)

Kategorie: EDV

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