Das Licht von morgen

17. November 2017 Mehr

Wohin zeigt die Zukunft und welchen Einfluss hat das Licht auf Mensch und Kunst?
Die Digitalisierung in unserem Leben schreitet in allen Bereichen voran. Wir hören von Smart Home Systemen, Internet of Things (IoT), Digitalisierung des Lichts und ähnlichem.

Der Zuwachs an Komfort ist nicht mehr wegzudenken. So ist es mit den neuen technischen Hilfsmitteln plötzlich möglich geworden, auch das Licht auf die jeweilige Situation und Stimmung perfekt anzupassen. Dem spielt auch die Entwicklung der mittlerweile gut etablierten Technologie der LED zu. Die Möglichkeiten der Wahl von Farbtemperaturen (kühleres Licht tagsüber oder wärmeres Licht am Abend) und die Option des Dimmens bieten eine schier unzählige Vielfalt an Stimmungen, in die Räume lichttechnisch getaucht werden können.

 

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Diese Möglichkeiten bedeuten einerseits eine nutzerfreundliche Bedienung, andererseits aber auch das Risiko, dass neue technische Hürden auftreten. Die Steuerung des Lichts via Apps und neue Bedienoberflächen werden immer einfacher und bedienerfreundlicher, dazu gehört allerdings eine gewisse Aufgeschlossenheit zum digitalen Medium. Hier reagiert die Industrie mit Schalterlösungen, die Lichtszenen auf einfachste Weise steuerbar machen.

In dem konkreten Projekt eines Kaffeehauses in Graz wurde eine Lichtsteuerung mitkonzipiert, die auf die jeweiligen Lichtbedürfnisse über den Tag hin reagiert. So gibt es hier beginnend mit einem „Reinigungslicht“ – welches dem Personal ein bestmögliches Arbeitslicht bietet, ohne dabei Passanten den Eindruck zu vermitteln, dass bereits geöffnet ist – eine vollautomatische Sequenzensteuerung über den Tag. Gäste halten sich in den Tageszeiten angepassten Lichtstimmungen auf, endend mit einer Loungestimmung am Abend. Weiters wurde durch die Steuerung die Möglichkeit geschaffen, auf diverse Abendveranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte zu reagieren.
Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. So gab es im Probebetrieb zwei Hürden, die es zu nehmen galt. Zum einen die Lichtquellen in den Hängeleuchten, die im Dimmbetrieb zu flimmern begannen. Dies erzeugt beim Besucher eine Unruhe durch eine erhöhte Belastung des Auges, die zu einer kürzeren Verweildauer führen würde. Durch den Tausch dieser Lichtquellen mit einem anderen Produkt konnte das behoben werden.
Die zweite Schwierigkeit stellte das Eingreifen durch das Personal in die Steuerung dar, da einzelne Lichtstimmungen dauerhaft aktiviert wurden und es somit zu einer Unterbrechung der tageszeitlich angepassten Lichtveränderung kam. Das konnte durch die Anpassung der Schaltzeitpunkte behoben werden.
Diese neuen technischen Möglichkeiten eröffnen ein schier unendliches Feld an kreativen Ansätzen, fordern aber eine umso genauere Betreuung vor der Übergabe des Projektes.

 

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Ähnlich geartet verhält es sich bei der Beleuchtung der Kapelle des Schloss Schönbrunn. Im Zuge von Führungen wird diese mit ihren Fresken und Gemälden sowie dem Hochaltar den Besuchern präsentiert, ebenso finden hier aber auch Gottesdienste, Hochzeitsfeiern und Konzerte statt. Da die lichttechnisch gestalterischen Möglichkeiten im historischen Ambiente schwieriger sind als z. B. in einem Neubau (man bedenke Kabelführungen, Schalterpositionen usw.) wurde hier die lichttechnische Installation ausschließlich vom Gesimse aus mittels digitaler Steuerung vorgesehen. Auf diese Weise ist es möglich, die Beleuchtung für die unterschiedlichen Nutzungen auf einfachste Art abzurufen. In diesem Fall wird auf die agierenden Personen insofern eingegangen, dass der jeweilige Nutzer diverse vordefinierte Szenen auswählen kann, jedoch der Eingriff in die Dimmlevel nur für den Bauherrn gegeben ist.

 

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Als Lichtplaner – wie auch als Architekt – dürfen wir nie außer Acht lassen, wer die Zielgruppe ist. Es steht immer der Mensch, sei es ein Besucher, ein Bauherr, ein Angestellter oder Mitarbeiter, im Mittelpunkt.
Die Beleuchtung von Kunstobjekten z. B. dient ausschließlich dem Betrachter – und jegliche nicht notwendige Exposition des Objektes gilt es zum Zweck der Schonung desselben zu vermeiden. Positiver Nebeneffekt hierbei ist die gleichzeitige Einsparung an Energie und somit eine Schonung von Ressourcen. Dies kann durch eine Präsenzdetektion autonom stattfinden. Eine genaue Planung der Sensoren ist hier das Um und Auf!
Die Wichtigkeit einer Lichtplanung hat sich in der Zwischenzeit bei größeren Projekten etabliert. Die neue Planungsebene ist nun die der möglichen Szenen und die daraus resultierende Vorplanung der dazu notwendigen Steuerung. Diese sollte, um nach der Realisierung des Projektes die bestmögliche Nutzbarkeit zu ermöglichen, bereits im Vorfeld festgelegt werden. Auch hier gilt es, den optimalen Spagat zwischen dem Ansteuern jeder einzelnen Lichtquelle und dem Zusammenfassen mehrerer Lichtpunkte zu Gruppen zu schaffen.

 

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Das höchste Ziel des Lichtplaners ist ein zufriedener Kunde – sei es der Gast im Kaffeehaus oder der Besucher einer Ausstellung, dem, ohne den Grund genau definieren zu können, das Ambiente als schön und stimmungsvoll in Erinnerung bleibt.

 

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Text & Fotos: ©DI Gunther Ferencsin

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Kategorie: Licht

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