Eine Erleuchtung! – Royal Swedish Ballet

8. Mai 2019 Mehr

Ballett ist eine bewegte Sache, dachte sich offenbar das Team Peter Bilak und Lukáš Timulak und sie entwarfen für das Royal Swedish Ballet eine bewegte Lichtskulptur. Man kann die vielarmige, von Computern gesteuerte und kontrollierte Struktur nicht einfach als Licht oder Leuchter bezeichnen, zu geistig und kompliziert ist der Anspruch an diese „Lichtkonstruktion“.

 

Royal-Swedish-Ballet

 

Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts integrierten die Ballets suédois in Paris Musik, Visuelles, Drama, Film und Poesie in ein holistisches Erlebnis für die Besucher. Für die Premiere des Stückes „Totality in Parts“ am 2. November 2018 in Stockholm, entwickelten Bilak und Timulak in Anlehnung daran ein ganz spezielles Konzept. Statt von der Choreografie ausgehend, das Stück visuell oder musikalisch zu interpretieren, brachten beide von Beginn an ihre Ideen ein. Sie luden diesmal auch die Kostümdesignerin Annemarije van Harten, den Komponisten Hauschka und den Lichtdesigner Tom Visser ein, die Performance vom Anfang an mitzugestalten. Sie konzentrierten sich auf organisatorische Prinzipien der Natur, indem sie die Beziehungen zwischen mathematischen Algorithmen und scheinbar freiem Ausdruck berücksichtigten. Timulak hinterfragt hier die Untrennbarkeit des Individuums von der Gruppe mit ihren sozialen Zwängen. Mit nur minimalistischem Ausdruck nimmt das Stück das Publikum auf eine Reise in die Außenwelt aber auch zum besseren Kennenlernen seiner selbst mit.

 

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Bilak hat die Bühnenausstattung zusammen mit dem Choreografen Timulak entwickelt, dieser war für die Produktion und die Bewegungsabläufe während des Stückes verantwortlich. Da die beiden schon ungefähr 15 Jahre zusammenarbeiten, lassen sich ausgeklügelte Synergien erkennen. Die sechs Meter große Anlage hängt über der Bühne und besteht aus insgesamt 512 Lampen, die entlang von 32 gebogenen Armen in einer Kreisform angeordnet sind. Jedes der 512 Lichter ist einzeln gesteuert und wird von einem separaten Multiplexsystemkanal (DMX) gesteuert. Die Helligkeit jeder Glühbirne kann, entsprechend der Choreografie auf der Bühne kontrolliert werden. Die Arme der Installation öffnen und schließen sich wie die Blütenblätter einer Sonnenblume während der Performance des Royal Swedish Ballet und schaffen so Lichtkonfigurationen mit einer Spannweite über acht Meter. Obwohl die Struktur eigentlich flach ist, erweckt sie doch während der Aufführung den Anschein einer dreidimensionalen Sphäre mit einem kontrollierten Lichtausstoß und wechselnder Farbigkeit.

 

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Das Stück beginnt mit einem Tänzer, der etwas später von einem zweiten begleitet wird. Dann verdoppelt sich die Anzahl auf 4, dann auf 8 und schließlich haben 16 Figuren ihren Platz auf der Bühne. Durch fünfmalige Verdoppelung der Zahl 16 (16 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2) kommt man auch zu der Summe von 512 Leuchtkörpern über der Bühne. Diese Anzahl als zentrales Element über der Bühne lässt sich auch als Molekül, DNA, Blume, die Erde, die Sonne oder das Universum interpretieren. Die Aussage, dass wir trotz aller Einzigartigkeit und Originalität doch ein Teil von etwas Größerem sind, lässt sich sowohl in den Tänzern wie auch in der Lichtinstallation eindeutig ablesen. „Totality in Parts“ erforscht diese Verbindungen und zeigt, wie alles Große aus Kleinem gemacht wird.

 

Text:©Peter Reischer

Fotos:©Peter Bilak

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Kategorie: Licht

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