Campus Greenwich University London

8. Juli 2016 Mehr

Tageslicht zum Studieren.
Überlegungen zur optimalen Versorgung mit Tageslicht beeinflussten wesentlich Form und Kubatur des Neubaus der Bibliothek und der Architekturfakultät auf dem Campus der Greenwich University in London von Heneghan Peng Architects, Dublin. Das Konzept für das Kunstlicht unterstützt die Orientierung im Inneren des komplexen Gebäudes.

Das neue Bibliotheks- und Unterrichtsgebäude für die Architektur-Schule der Greenwich University in London verdankt seine kamm- beziehungsweise streifenartige Struktur nicht nur Blickbeziehungen, Raumwirkungen und der umgebenden Bebauung auf dem Areal einer Unesco-Welterbestätte. Eine wesentliche Rolle für den Entwurf von Heneghan Peng Architects aus Dublin spielte auch die optimale Versorgung mit Tageslicht.

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Bei dem geforderten Gebäudevolumen und den zahlreichen Funktionen, die untergebracht werden mussten, stellte dies ein schwieriges Unterfangen dar. Nicht zuletzt deswegen waren Lichtplaner bereits in der Wettbewerbsphase ein Teil des Planungsteams. Gebäudestruktur und die verwendeten Materialien sollten die bestmögliche Tageslichtversorgung für die Studierenden gewährleisten. Die optimale Tagesbelichtung sollte ohne Hightech-Maßnahmen umgesetzt werden. Gerade beim Neubau einer Architekturfakultät sollte nämlich aufgezeigt werden, dass auf ökologische Fragestellungen mit einer optimalen Gebäudegeometrie eingegangen werden kann.
Die kammartige Struktur ist in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und löst sich in breitere und schmälere Streifen auf, Gebäude und Innenhöfe wechseln ab. Die Architekten schaffen den Spagat, einen selbstbewussten Bau zu präsentieren, der die wichtige Funktion als Bildungseinrichtung unterstreicht und gleichzeitig gekonnt auf die urbane Umgebung eingeht. Zur Straße hin präsentiert sich die Fassade nicht zu dominant und reagiert auf die verhältnismäßig kleinteiligen Bauten der Umgebung. Die Höhe der Gebäude und die Fassadengestaltung variieren je nach Anforderung. Fassadengestaltung und die verwendeten Materialien tragen zur bestmöglichen Tageslichtversorgung bei. In den oberen Etagen dominieren reflektierende Materialien gegenüber Glas. Sie leiten das Tageslicht nach unten. Weiter unten finden sich dann immer mehr Glasflächen in den Fassaden. Ebenso sind die Materialien in den Innenhöfen und auf dem Boden der Höfe lichttechnisch optimiert. Sie agieren wie „Lichtschaufeln“ für die unteren Ebenen, indem sie Tageslicht ins Gebäude lenken. Das Konzept versorgt so die Bereiche für Studieren und Arbeiten ausreichend mit Tageslicht, ohne auf technisch aufwendige Umlenksysteme zurückgreifen zu müssen.

Das Konzept für das Kunstlicht unterstützt die Wegeführung im Gebäude und trägt wesentlich zur Orientierung bei. Der Gebäuderiegel, der die einzelnen streifenförmigen Bauteile verbindet, dient vor allem als Erschließungszone. Beleuchtung mit weißer Lichtfarbe unterbricht jeweils die Korridorzone und macht erkennbar, wenn man sich von einem Gebäuderiegel, der in Ost-West-Richtung verläuft, in den nächsten bewegt.
Grundsätzlich musste eine einheitliche Lichtlösung für das gesamte Gebäude gefunden werden, die eher ein gleichmäßiges Erscheinungsbild garantiert, als auf die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Bereiche individuell eingeht. Nun wechselt direkte mit indirekter Beleuchtung. Licht wird immer von Ost nach West abgestrahlt. So ergibt sich eine leicht asymmetrische Lichtverteilung in den Räumen, was zusätzlich zu einer klaren Wegeführung und zur Orientierung im Gebäude beiträgt. Dieses Konzept sorgt auch in unterirdischen Hörsälen oder Werkstätten, wo kein Tageslicht vorhanden ist, für eine klare Ausrichtung.
Aufgrund des überschaubaren Budgets kamen klassische Leuchtstofflampen und Halogen-Metalldampflampen zum Einsatz. Für die allgemeine Grundbeleuchtung sorgen ausgeblendete Spiegelrasterleuchten mit asymmetrischer Lichtverteilung in den Lichtfarben 3000K und 4000K. Indirekt-Leuchtenbänder mit asymmetrischer Lichtverteilung strahlen in den Lichtfarben von 3000K in Möblierungszonen und 4000K in den Erschließungszonen. Halogen-Metalldampflampen (Strahler) können in großen Hörsälen an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. Die Einbau-Downlights in den Korridorzonen sind als Halogen-Metalldampflampen ausgeführt. In den Kernen der Stiegenhäuser ergänzen Wallwasher die erwähnten Lichttechniken für spezielle Signaletiksysteme.

Fotos: ©Hufton & Crow
Text: Peter Zöch, Bartenbach lighting design

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Kategorie: Licht

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