Human Centric Lighting

16. Mai 2017 Mehr

Wer in einem Büro arbeitet, für den ist der eigene Schreibtisch ein wichtiger Ort. Um effizient arbeiten zu können, braucht man nicht nur eine gute und rückenschonende Sitzgelegenheit, sondern auch den richtigen Platz für den Computer und das richtige Licht am Arbeitsplatz. Künstlich erzeugtes Licht beansprucht die Augen, wodurch die Leistungsfähigkeit abnimmt. An und für sich sind das nur Binsenweisheiten, aber gerade in den einfachsten Dingen sind oft viele Fehlerquellen und auch Chancen verborgen. Nicht ohne Grund wurde in der Überarbeitung der europäischen Norm EN 12464-1 „Beleuchtung für Arbeitsstätten in Innenräumen“ das Thema Tageslicht mit eingearbeitet.

 

Lichtplanung mit Sprachsteuerung

Philips Hue mit Apple Siri Sprachsteuerung

 
Im menschlichen Körper läuft jeden Tag das gleiche Programm ab. Die „innere Uhr“ bestimmt Schlaf- und Wachphasen, aber auch Herzfrequenz, Blutdruck und Stimmung – ein Rhythmus biologischer Prozesse, der wesentlich vom Licht gesteuert und unterstützt wird. Diese periodische Wiederkehr in der menschlichen Chronobiologie nennt man circadianen Rhythmus. Der bekannteste circadiane Rhythmus ist der Schlaf-Wach-Rhythmus. Im Volksmund ist er als die „innere Uhr“ bekannt.
Im Laufe eines Tages ändert sich nicht nur die Lichtintensität, sondern auch die spektrale Zusammensetzung des Lichtes. Natürliche Lichttemperatur, Lichtfarben und eine der Tageszeit angepasste Lichtintensität tun dem Menschen wohl. Je nachdem, wie das Licht abgestimmt ist, kann es eine beruhigende Wirkung entfalten oder die Produktivität fördern. Falsches Licht kann – das weiß man mittlerweile aus wissenschaftlichen Untersuchungen – Probleme und Störungen im menschlichen Körper verursachen. Vor allem das blaue Licht von Computerbildschirmen ist ein Verursacher für diese Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.

 

 Artemide, „Spectral Light“ Design von Philippe Rahm

 

Nur ein Bruchteil des natürlichen Lichts dient dem Sehvorgang. Der überwiegende Teil gelangt in den Organismus und kurbelt den Stoffwechsel an, regelt den Hormonhaushalt, das Immunsystem, den Zellstoffwechsel sowie Atmung, Puls und Körpertemperatur. Dabei wirken vor allem die Hormone Cortisol und Melatonin. Entsprechend den circadianen Rhythmen variiert die menschliche Leistungskurve und erreicht morgens gegen 10 Uhr ihren Höhepunkt und nachts gegen 3 Uhr ihren Tiefpunkt.

 

Human Centric Lighting Planlicht Butler

Planlicht,“Butler“

 

Seit ungefähr zwei Jahren sind die internationalen Lichtmessen fast ausschließlich vom thematischen Schwerpunkt „Human Centric Lighting“ (einer anderen Bezeichnung für das biodynamische Licht) geprägt. Innovative Leuchtenhersteller haben schon früh auf die medizinischen Erkenntnisse über die Lichtwirkung reagiert und entsprechende Lichtsysteme für Human Centric Lighting (HCL) angeboten. Bislang kannte man es nur in medizinischen und pflegerischen Bereichen, jetzt zieht HCL auch am Arbeitsplatz ein. Leuchten in Büros, Hotels, Shops und Wohnungen passen im Tagesverlauf die Farbtemperatur der Leuchte kontinuierlich an. Das erhöht die Leistungskraft der Nutzer und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus. Vergleichbare Technologien gibt es auch bei Tischleuchten, die ebenfalls automatisch den Tageslichtverlauf abbilden. All diese effizienten Leuchten bringen biodynamisches Licht an Büroarbeitsplätze und decken einen Temperaturverlauf von 3.000 K bis 6.500 K ab.

 

Human Centric Lighting Stengh Licht AG

STENG LICHT AG, „OPTIMAL HCL“

 

 

Die passende Lichtfarbe zum circadianen Rhythmus

In Arbeitsräumen wird immer öfter biologisch wirksames Licht verwendet, denn es wirkt positiv auf den Menschen. Die aktivierende Wirkung des Lichts wird am Tage gewünscht, während zum Feierabend hin eher warme Töne angesagt sind. Dazu muss Licht hell genug sein, flächig von oben und vorne einfallen, dem Tageslichtspektrum mit seinem Blauanteil ähneln und sich tageszeitgemäß in der Farbe anpassen. Leuchten, bei denen sich die Lichtfarben zwischen warmweiß und tageslichtweiß nach Bedarf einstellen lassen, sind bereits erhältlich. Moderne dynamische Beleuchtungssysteme z. B. auf LED-Basis können das Tageslicht vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang simulieren. Dazu stellen sie Licht in unterschiedlicher Lichtfarbe sowie Beleuchtungsstärke bereit. Auch die Lichtrichtung kann sich dabei von indirekt-diffuser zu mehr direkter Abstrahlung der Leuchten verändern. Die Beleuchtung wird damit dem circadianen Rhythmus des Menschen angepasst. Dabei variiert nicht nur die Farbtemperatur von entspannend bis zum eher aktivierenden Lichtanteil, sondern auch die Beleuchtungsstärke nimmt mit 500 bis 1.500 Lux darauf Rücksicht.

 

Human Centric Lighting Regent Torino

Regent, „Torino LED“

 

Viele moderne Leuchten integrieren sich auch in größere, weitgehend autark arbeitende Lichtmanagementsysteme. Sie lassen sich häufig mit einer App über Smartphones oder Tablet-Computer steuern. Die einzelnen mit Sensorik und Dimmer ausgestatteten Leuchten kommunizieren drahtlos miteinander und können mit einer App zu Beleuchtungsgruppen zusammengefügt werden. So lassen sich mühe- und kabellos unterschiedliche Beleuchtungsszenarien im Raum über Smartphone oder Tablet realisieren. Während Osram auf herkömmliches WLAN zur Steuerung seiner Leuchten setzt, geht die Artemide-Technologie unter dem Titel „optical wireless“ ganz neue Wege der IT-Vernetzung. Sie verwendet – vom Auge unbemerkt – sichtbares Licht für die Übertragung von Daten.

 

Human Centric Lighting Ridi Deckenanbauleuchte Norea

Ridi, großflächige Deckenanbauleuchte „Norea“ mit Tunable White

 

Biodynamisches Licht aus der Röhre

Auch vor dem Retrolook macht HCL nicht halt: Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne launcht ein Berliner Start-Up-Label nun sein erstes Produkt – LICHT 1.
 Im puristischen Design der neu interpretierten LED-Röhrenlampe treffen sich smarte Lichttechnologie und nachhaltige Handwerkskunst. Die Leuchte bildet das gesamte Spektrum des Tageslichts ab und taucht Arbeits- und Lebensräume in natürliches Licht. Helligkeit und Farbtemperatur können mit einer App den individuellen Wünschen und Ansprüchen je nach Situation angepasst werden. Größe, Farbe und Material der nachhaltig produzierten Lichtquelle können je nach individuellem Geschmack gewählt werden.

 

Human Centric Lighting Kien LICHT1

 Kiën „LICHT 1“

 

 

Text: Peter Reischer

 

 

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Kategorie: Licht, News