Internet des Lichts

16. September 2016 Mehr

Internet der Dinge
Internet des Lichts.
Die Beleuchtungsindustrie setzt zum Sprung in die digitale Welt an. Ihre Produkte sollen nicht nur digitalisiert für ausreichende Lichtverhältnisse sorgen, sondern zukünftig auch eine Schlüsselfunktion in der digitalen Kommunikation übernehmen. So soll das Internet der Dinge um den Bereich des Internets des Lichts erweitert werden.
Noch heuer soll es so weit sein: Es wird weltweit mehr vernetzte Geräte geben als Menschen. Nach den Berechnungen der Marktforscher des US-Unternehmens Gartner konnten im vergangenen Jahr etwa fünf Milliarden „Dinge“ übers Internet kommunizieren – von Smartphones oder Tablets, intelligenten Stromzählern über Autos oder die Maschinen in den Fabriken. 2016 sollen es nun zwischen sieben und acht Milliarden sein, und damit bald mehr als die 7,4 Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben. Für 2020 rechnen die Analysten sogar mit 24 bis 35 Milliarden vernetzter Geräte. Dieses Internet der Dinge wächst also mit der rasanten Geschwindigkeit von über 40 Prozent pro Jahr. Für Hardware, Anwendungsentwicklung und Systemintegration erwarten die Marktforscher von BI Intelligence in den kommenden fünf Jahren Gesamtausgaben im Wert von 6.000 Milliarden Dollar.

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Warum das Internet der Dinge so boomt, liegt an der Vielzahl der Einsatzgebiete und dem entsprechenden Mehrwert für die Nutzer. Über Smartphones kann man im Internet einkaufen, am Flughafen einchecken oder sich durch die Stadt lotsen lassen. Stromzähler übermitteln selbstständig Energieverbrauchsdaten, Ampeln, Waschmaschinen, Autos oder Züge melden frühzeitig, wann sie gewartet werden müssen, und Leiterplatten in der Fabrik teilen den Bearbeitungsmaschinen mit, mit welchen Bauteilen sie bestückt werden sollen.
Doch mit der Vielfalt steigt auch die Komplexität. Das Problem wird bereits heute sichtbar – man muss nur einen Blick in moderne Büros werfen: Nicht selten gibt es dort neben Rauchmeldern und Thermostaten gleich mehrere Präsenzmelder von verschiedenen Herstellern für die unterschiedlichen Gewerke. Einer sorgt dafür, dass das Licht nur angeschaltet ist, wenn jemand im Raum ist. Ein anderer ist Teil der Sicherheitssysteme, ein dritter fährt Heizung und Klimatisierung herunter, wenn der Raum nicht belegt ist – und vielleicht kümmert sich ein vierter noch um die Jalousien.

Hier setzen findige Leuchtenerzeuger mit der Frage an, ob es nicht schon Infrastruktursysteme gibt, an die man das Internet der Dinge einfach „andocken“ könnte? Und natürlich gibt es überall dort, wo sich Menschen aufhalten, ob in Räumen oder auf der Straße, künstliches Licht aus Leuchten, in denen sich durchaus Platz für den einen oder anderen digitalen Sensor oder Mikrochip finden lässt.
Dabei kann der Stromanschluss der Leuchte auch gleich die Energieversorgung der digitalen Zusätze übernehmen und die Kommunikation erfolgt entweder gleich über die ohnehin vorhandene Datenverkabelung der Leuchten oder drahtlos.
So gesehen ist es durchaus logisch, die überall bereits vorhandene Infrastruktur des Lichts als Basis für das Internet der Dinge zu nutzen.

Mächtiges Instrument für die Lichtbranche
Nach den Protagonisten bietet das „Internet des Lichts“ alle Voraussetzungen, um das Internet der Dinge zu dem nützlichen Werkzeug auszubauen, das es in Zukunft werden kann.
Dazu ein paar Beispiele: Ein einziger Präsenzmelder, unsichtbar eingebaut in eine Leuchte, genügt, um zu erfassen, ob sich jemand im Büro aufhält. Diese Daten werden dann in der Cloud – also auf einem Internet- oder Intranet-Server – gespeichert, ausgewertet und gleichermaßen an Heizung, Lüftung, Jalousien, Sicherheitsmanagement und natürlich die Lichtsteuerung weitergegeben. Diese Informationen bieten dem Raummanagement die Möglichkeit, die Nutzung des Gebäudes zu optimieren und Kosten einzusparen. Je engmaschiger dieses Netz aus Präsenzmelder-Leuchten ist, umso feiner lassen sich die Daten auswerten und nutzen: beispielsweise um Beleuchtung und Klimatisierung für jeden einzelnen Bürotisch perfekt zu regulieren.

Diese Symbiose aus Licht und Sensoren kann natürlich auch außerhalb der Büroumgebung funktionieren: Sensoren in Parkhaus- oder Straßenleuchten könnten melden, wo ein freier Parkplatz ist und dies an Navigationsgeräte weitergeben. Im Idealfall wird der freie Parkraum auch optisch, etwa mit grünem Licht, angezeigt.
Verwendet man dabei kleine Bluetooth-Signalgeber in den Leuchten, lässt sich auch eine Indoor-Navigation realisieren: Mithilfe dieser Funksender kann jeder über eine Smartphone-App seinen Standort auf wenige Meter genau bestimmen – ideal, um sich etwa in großen Einkaufszentren, Krankenhäusern oder Flughäfen zu orientieren. Oder auch nur, um im Baumarkt herauszufinden, wo der Hammer hängt.

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Pilotprojekt wird gestartet
Mit seinen Komponenten und Systemen ist das Unternehmen Tridonic, das Teil der Zumtobel Group ist, seit vielen Jahren Wegbereiter für elektronische Komponenten in der Lichtindustrie. Wie in mehreren Unternehmen der Lichtbranche haben auch dort die Entwickler die Chancen des „Internet des Lichts“ erkannt und wollen mit ihren Produkten einen Mehrwert liefern, der weit über Beleuchtung hinausgeht.
Realisieren wollen sie dies mit der sogenannten net4more-Toolbox, bestehend aus LED-Treibern, Kommunikationsmodulen, Sensoren, Routern, Software und Applikationen, die in Frankfurt im Rahmen der Messe Light + Building 2016 erstmals vorgestellt wurde.
Der entscheidende Vorteil von net4more gegenüber Wettbewerbsprodukten sollen die offene Plattform, Flexibilität und Skalierbarkeit sein. Das System wurde nämlich von Anfang an auf offene Schnittstellen bezüglich Hardware und Software konzipiert. So basiert die Software-Architektur auf dem offenen Standard des Internet-Protokolls IPv6, die drahtlose Kommunikation auf einer Low-Power-Version mit IPv6, die ähnlich wie eine Niedrigenergie-Variante von WLAN mit Vernetzungsfähigkeit funktioniert. Zudem soll net4more das erste System sein, das sowohl drahtgebundene als auch drahtlose Kommunikation ermöglicht – und es ist auch für beliebig große Gebäude oder Flächen skalierbar.
Den Kunden von Tridonic bietet es so die Möglichkeit, ihre eigenen Lösungen, ob Hardware-Elemente oder eigene Apps für Datenauswertung oder Steuerung, in net4more zu integrieren beziehungsweise net4more dafür zu nutzen. Basislösungen wie eine Cloud-Plattform, Apps zur Inbetriebnahme und zur Bedienung sind in net4more bereits enthalten, darauf aufbauend können aber auch zusätzliche Lösungen und Dienstleistungen aufsetzen.

Im kommenden Herbst startet nun gemeinsam mit Partnern die technologische Einführungsphase in Form von Pilotprojekten. Das Partnernetzwerk wird dabei das System mit eigener Hardware, etwa Sensor- oder Kommunikationselementen, und mit eigener Anwendungssoftware verknüpfen. Die Markteinführung von net4more ist für Frühjahr 2017 geplant, dann soll das „Internet des Lichts“ für jedermann erhältlich sein.

Weiterführende Infos
Web: www.tridonic.at

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Kategorie: Licht, News

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