Licht für sakrale Gebäude

2. Juli 2018 Mehr

Bei der Beleuchtung von Kirchen und Kapellen sind sowohl die Inszenierung des Gebäudes mit seiner Fernwirkung (auch als Landmark) als auch die Innenraumbeleuchtung wichtig und gesondert zu betrachten. Es geht um Raumwirkung und auch Funktionslicht wie Leselicht, „Bühnenlicht“ und beispielsweise auch bei der Nutzung als Ausstellungsraum.

Einige Projektbeispiele hierfür sind: Kloster St. Gabriel, Augustinerkirche Wien, Dom Eisenstadt, Wehrkirche Maria Anzbach, Schlosskapelle Schönbrunn

 

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Dom Eisenstadt

 

Kirchen vereinen eine Vielzahl von Funktionen und Nutzungen. In erster Linie stellen Kirchen den sakralen Rahmen für Messen dar. Für die optimale Beleuchtung ist es wichtig, die liturgischen Aspekte bestmöglich zu kennen und dafür die richtige Stimmung durch Licht zu erzielen. Am Beispiel einer katholischen Kirchenbeleuchtung kann die Lichtstimmung für die Lesung den Fokus der Gläubigen wie von selbst zum Ambo, dem Tisch des Wortes, lenken. Ebenso ist es durch verschiedene Lichträume im Besucherbereich möglich, bei kleineren Messfeierlichkeiten auch nur Teilbereiche des Kirchenschiffes für die Nutzung zu öffnen, indem beispielsweise nur im Hauptschiff das Leselicht aktiv ist und somit eindeutig wahrgenommen wird, dass dieser Bereich zu nutzen ist.

 

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Augustinerkirche

 

Gerade in historischen Kirchen findet oft auch ein Besuch der Räumlichkeiten aus einer touristischen Perspektive statt. In diesem Fall können der Altar, Heiligenbilder oder Statuen das Hauptaugenmerk darstellen. Auch das Gebäude selbst mag das Ziel des Besuchers sein – und dies ist durch die jeweilige Beleuchtung bestmöglich zeigbar und kann so auf subtile Weise seine eigene Geschichte mittels Licht erzählen. Teilweise werden auch Seminare in Klosterräumlichkeiten abgehalten, ebenso wie Hochzeitsfeierlichkeiten und Festtafeln.
Durch die, für gewöhnlich sensationelle Akustik in Kirchen, werden die Räumlichkeiten auch oft für Konzerte genutzt – beispielsweise bespielt durch die vorhandene Orgel oder auch durch Chöre. Dies fordert wiederum eine dafür geeignete Beleuchtung, die sowohl den Organisten und die Orgel oder den Chor zeigt, allerdings auch den Akteuren das Lesen der Noten optimal ermöglicht.

 

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Maria Anzbach

 

Die Außenbeleuchtung von sakralen Bauten stellt oft eine Orientierungshilfe dar. Denkt man in Wien zum Beispiel an den Stephansdom, der uns bei Tag und auch bei Nacht hilft sich zurechtzufinden.
Durch die aktuellen technischen Werkzeuge der Beleuchtung ist es möglich geworden, eine zielgerichtete Beleuchtung zu schaffen. Jeder Lichtstrahl, der nicht am Gebäude vorbeileuchtet, verringert die Lichtverschmutzung, die gerade im Stadtraum zu einem Problem geworden ist. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der geringere Energiebedarf, der notwendig ist, um den sakralen Bau zu illuminieren. Gebäudefarbe und Materialität spielen bei der Wahl der richtigen Lichtfarbe eine entscheidende Rolle – wobei es hier zu beachten gilt, bei einer Änderung der Beleuchtung auf die langjährig gewohnte Lichtstimmung Rücksicht zu nehmen, da es verstörend auf den Betrachter wirken kann, wenn ein ursprünglich mit Natriumdampf-Leuchtmitteln beleuchteter Sakralbau plötzlich in kühlem Weiss erstrahlt.

 

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Schlosskapelle Schönbrunn

 

Durch die kleiner werdenden Beleuchtungskörper und immer exakteren Licht­optiken und Lichtverteilungen ist es nun auch möglich, komplett neue, gebäudenahe Beleuchtungskonzepte zu realisieren. Aus architektonischer Sicht ist und bleibt es allerdings oberstes Gebot, die Architektur des Gebäudes durch die Beleuchtung zu untermalen und diese, auch in den Nachtstunden, in ihrer Erscheinung nicht zu verfremden, sondern die Gebäudestrukturen bestmöglich hervorzuheben und so die Erkennbarkeit als Landmark für den Betrachter zu erhalten.

 

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St. Gabriel

 

Bilder und Text: ©DI Gunther Ferencsin – Ferencsin Lichtdesign

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Kategorie: Licht