Wahl der Leuchtmittel in der Fassadenbeleuchtung

12. April 2011 Mehr

Wahl der Leuchtmittel in der Fassadenbeleuchtung

LED oder traditionelle Leuchtmittel? Den hohen Erwartungen der Bauherren an eine vermeintlich wartungsfreie LED-Lichtanlage stehen eine Reihe von Fakten gegenüber, die in jedem Projekt genau zu untersuchen und abzuwägen sind. Jedes Projekt ist im Detail zu planen und erfordert eine individuelle Lösung, aus der sich die geeigneten Mittel zur Umsetzung ableiten lassen.

Das Kriterium für die Auswahl sollte sein, wie man den gewünschten Effekt mit möglichst sparsamen Einsatz von Ressourcen am besten erreichen kann. podpod design zeigt auf, wie diese Entscheidung gefällt werden kann. Ein wichtiges Element in der Beleuchtung von Orten oder Städten sind Fassadenbeleuchtungen. Können Sie sich vorstellen, in den Abendstunden entlang der Wiener Ringstraße zu flanieren oder auf das Panorama der Salzburger Altstadt zu blicken, ohne einen Stephansdom, eine Oper oder die Festung wahrnehmen zu können? Erst mit der Beleuchtung der uns wichtigen Bauwerke oder Denkmäler von kultureller Bedeutung zeigt die Stadt auch in der Nacht ihre Identität und Einzigartigkeit. Wir genießen die Schönheit und können uns leichter zurechtfinden und orientieren.

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… zu Tode gespart?

Sparen (Wirtschaftskrise) und Energieeffizienz (Kyoto-Protokoll) werden heute immer wichtiger und sind schon fest im öffentlichen Bewusstsein verankert. Dadurch ist der Druck auf die Entscheidungsträger stark gestiegen. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich eine Stadt in Zeiten dieser Rahmenbedingungen Fassadenbeleuchtungen überhaupt noch leisten kann? Das muss unserer Meinung nach mit einem klaren Ja beantwortet werden, da die nächtliche Identität einer Stadt von essenzieller Bedeutung für das Selbstverständnis der Bewohner, aber auch für die kulturelle und touristische Vermarktung ist. Ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen und gleichzeitige Rücksichtnahme auf die Tier- und Pflanzenwelt sollten allerdings die Basis sein.

Die Architektur des Lichts

Zu Beginn der Planung einer Fassadenbeleuchtung, die von erfahrenen Lichtplanern ausgeführt werden sollte, wird eine Analyse des Gebäudes erstellt. Es sollte nie alleine für sich, sondern immer im Zusammenspiel mit dem Umfeld und den Sichtachsen betrachtet werden. Bei der Beleuchtung gilt es darauf Rücksicht zu nehmen, dass weder die Gebäudebewohner noch die Passanten oder die Anrainer geblendet oder gestört werden.
In der Entwurfsphase wird die Vision entwickelt, wie das Gebäude in der Nacht in Erscheinung treten soll. Ein Fachmann kann anhand verschiedener Darstellungstechniken für den Bauherrn das Bild des Endresultates visualisieren. Eine qualitätsvolle Lichtplanung zeichnet sich dadurch aus, mit effizienter Lichttechnik den gewünschten Effekt unter schonendem Einsatz der Ressourcen zu erreichen. Es gibt jedoch keine Pauschalrezepte, die gelungene Fassadenbeleuchtungen garantieren. Jedes Gebäude hat seine eigene Bedeutung und Besonderheit, seine spezielle Geometrie und Materialität, mit denen man mit dem Medium Licht in Dialog tritt.
Im Zuge der Planung werden die Ausführungspläne, die Montagedetails, gegebenenfalls die Ausschreibungstexte und die Schaltszenarien erarbeitet. Die Umsetzung durch konzessionierte Elektriker sollte vom Lichtplaner unbedingt bis zu Fertigstellung betreut werden, da erst die finale Ausrichtung der Beleuchtungskörper ein optimales Endergebnis garantiert.

Anstrahlungstechniken

Immer wieder argumentieren Architekten, dass historische Gebäude für das von oben kommende Sonnenlicht gestaltet wurden und ziehen die Schlussfolgerung, dass Licht von unten unnatürlich sei. Abgesehen von der großen Variabilität des Tageslichts bezüglich Einstrahlwinkel und Lichtfarbe, geht es unserer Meinung nach nicht darum, die Nacht dem Tag gleichzusetzen, sondern sich die Freiheit zu nehmen, losgelöst vom Tageseindruck eine eigene Nachtatmosphäre zu kreieren.
Im Außenraum entspricht unser archaisch geprägtes Bild von Kunstlicht vielmehr den ursprünglichen Feuerquellen oder Fackeln.
Die traditionell eingesetzten Gebäudeflutungen von Lichtmasten oder gegenüberliegenden Häusern aus erfordert aufgrund der großen zu überwindenden Entfernungen hohe Anschlussleistungen der Strahler bei geringer Effizienz. Dabei sind Blendung der Passanten und Bewohner sowie Streulicht mit der damit verbundenen Lichtverschmutzung unseres Nachthimmels nicht zu vermeiden. Zudem erscheint die Gebäudeoberfläche flach. Demgegenüber hat gebäudenahe Beleuchtung große Vorteile, da das Licht, energiesparend und nahezu ohne Lichtimmission, direkt auf die zu beleuchtende Fläche trifft. Es kann die Struktur optimal betont, oder mit Hinterleuchtungen am Objekt plastisch gearbeitet werden. Die sorgfältige, wartungsfreundliche und unauffällige Platzierung der Leuchten an der Fassade muss bei einer qualitätsvollen Lichtplanung berücksichtigt werden. Bei historischen Gebäuden erfolgt dies normalerweise in Abstimmung mit den Behörden und dem Bundesdenkmalamt. Bei Gebäuden mit besonders vorspringenden Gesimsen ist mitunter eine Kombination von gebäudenaher Beleuchtung mit einer zarten Flutung zur Reduzierung der Schlagschatten hilfreich.
Bei moderner Architektur werden zunehmend Fassadenelemente als Medienfassade gestaltet. Die neue LED-Technologie ermöglicht eine künstlerische Inszenierung, aber aufgrund der hohen Anschaffungskosten ist in der Realität die kommerzielle Nutzung schwer vermeidbar, da sich die Flächen als Reklameflächen geradezu anbieten.
Uns erscheint bei dieser sehr verlockenden Technologie in unserem Kulturraum ein behutsamer Umgang wichtig, in dem die Leuchtdichten nicht zu hoch sein sollten und die Bespielung einem kulturellen Anspruch genüge tun sollte. Jede Stadt wäre gut beraten, in einem Masterplan die Richtlinien dafür vorzugeben und jede dieser Anlage in einer Kommission prüfen und freigeben zu lassen.

Zur Wahl der Leuchtmittel in der Fassadenbeleuchtung

Der Einsatz neuester Lichttechnik mit hoch effizienten Leuchtmitteln und Reflektoren für gerichtetes Licht, die je nach Situation sinnvoll eingeplant werden, birgt enorme Sparpotenziale. Aber gerade im Bezug auf Licht geistern viele Un- und Halbwahrheiten durch die Medien, weshalb wir mitunter als Lichtplaner unerfüllbaren Erwartungen gegenüberstehen. Es ist ein frommer Wunsch, alles in LED beleuchtet zu bekommen, um dann die nächsten 20 Jahre die Anlage nie wieder warten zu müssen. Natürlich bietet diese neue Technologie interessante Möglichkeiten, und besonders bei farbigem Licht ist sie konkurrenzlos. Besonders bei großflächigen Beleuchtungen mit weißem Licht kann ein mittelfristiger Einzelausfall durchaus zu größeren Problemen bezüglich Farbhomogenität und Helligkeitsunterschieden führen. Es kann nur mit profunder Sachkenntnis je nach Situation entschieden werden, welches Leuchtmittel für die jeweilige Fassadenbeleuchtung das Geeignete ist. Traditionelle Leuchtmittel wie keramische Metallhalogendampflampen eignen sich wegen der Kompaktheit des Brenners nach wie vor hervorragend für Reflektortechnik zur effizienten Lichtverteilung. Im Zuge der Planung wird vom Lichtplaner ein Wartungsplan erstellt, in dem die Wartungswerte, die Anschlussleistung sowie die langfristige Wartung inklusive der Vorgabe von Gruppentauschintervallen vorgegeben sind.

Die wohlverdiente Nacht

Um auch im Sinne der Chronobiologie dem Menschen und der Natur seine verdiente Ruhephase zu gönnen und gleichzeitig Energie einzusparen, werden üblicherweise in Städten ab Mitternacht die Beleuchtungsniveaus abgesenkt (Nachtabsenkung). Straßenbeleuchtungen werden nach Möglichkeit gedimmt oder bei doppelter Bestückung nur einzeln betrieben und Fassadenbeleuchtungen ausgeschaltet.

 

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Kategorie: Licht

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