Smart Things

9. April 2015 Mehr

 

Das Internet der Dinge wird Tag für Tag zu unserer gelebten (und erlebten) Realität. Immer mehr elektronische Geräte haben heutzutage Internet oder wenigstens Intranetzugang. Kühlschränke, die Lebensmittel nachbestellen, wenn diese zur Neige gehen, LED-Lampen, die sich per Smartphone vom anderen Ende der Welt schalten und dimmen lassen, als WLAN-Hubs fungieren, oder gar untereinander kommunizieren, um durchs Haus wabernde, abgestimmte Farbverläufe zu erzeugen. Let‘s party!

Ein Hersteller von Smart-TVs gab erst kürzlich wieder eine Warnmeldung aus, dass vermeintlich ausgeschaltete Geräte mit aktivierter Raumüberwachungsfunktion dennoch Video- und Audiostreams ins Netz schicken. Auch Echo, die neue Sprachassistenz-Box von Amazon hört mit, was im Raum gesprochen wird. Man kann etwa Musik- oder Filmwünsche äußern, die dann umgehend erfüllt werden. Andererseits wird dadurch auch jegliche andere – eigentlich private – Information zugänglich und nutzbar. Damit sind beileibe nicht nur NSA und Konsorten gemeint, sondern wirtschaftliche Interessen. Bei solchermaßen flächendeckender Info-Ernte können entscheidende Trends frühzeitig erkannt und strategisch beantwortet werden. Was soll man von dieser Entwicklung halten? Irgendwie ist sie doch verheißend und bedrohlich zugleich. Ist der Preis für mehr Bequemlichkeit und unmittelbare Verfügbarkeit der Verlust unserer Privatsphäre? Die Gefahr besteht.

 

 

Lichtnetze

Am Sektor Licht tut sich auch einiges zum Thema Vernetzung, und da sind nicht bloß die sich smart vernetzenden Leuchtmittelschwärme gemeint. PoIP (PoE) – im Klartext Power over Ethernet – ist ein neuer Trend, der sich im Zuge der Effizienzsteigerung der LED entwickelt hat. Im IT-Bereich hat sich diese Technologie schon seit einigen Jahren verbreitet, etwa um Drucker, Webcams, Raumsensoren, Telefone und andere Geräte ohne eigenen Stromanschluss zu betreiben. Die wachsende Leistung dieser Technologie und der schwindende Energiehunger der Leuchtdioden ermöglicht es, erstmals Leuchten zu bauen, die ausschließlich über die Netzwerkschnittstelle betrieben werden können. Installationstechnisch ist das eine sehr interessante Sache, weil nur ein Kabel je Leuchte erforderlich ist, das dafür aber immer direkt zum PoE-Switch geführt werden muss. Die Anschlussleistung ist noch begrenzt, in der Profi-High-Power-Variante auf immerhin max. 25,5 W und auch die Kabellängen sind relevant. Die Effizienz soll sich jedoch in den kommenden Jahren noch deutlich steigern.
Die Leuchten, seien es Deckeneinbau oder Stehleuchten, können neben Raumlichtsensoren auch Präsenzmelder enthalten und damit nicht nur das Beleuchtungsniveau automatisch absenken, sondern diese Verläufe auch nachvollziehbar machen. Dieses Echtzeitfeedback über die Raumnutzung bietet vielfältige Möglichkeiten der Kontrolle und Steuerung: Es können Energieverbrauchsmuster dokumentiert und optimiert werden. Das könnte – und wird – in Zukunft sicherlich auch erzieherisch genutzt werden. Schlechte Angewohnheiten, etwa die Wäsche zur falschen (= Stoß-)Zeit zu waschen, oder exzessive Kühlung beziehungsweise Heizung könnte dann mit tageszeitabhängigen Stromtarifen sanktioniert werden – Angebot und Nachfrage auch hier.

 

Pionierarbeit

Für wen ist so ein System nun geeignet? Der durchschnittliche Konsument wird davon sicher heillos überfordert sein, vorerst wenigstens. Erst ab einer gewissen Menge an Leuchten in einem Gebäude ist die kritische Masse erreicht, ab der solche Systeme Sinn machen. Für Facility Manager von großen Bürogebäuden ist dieser neue Ansatz durchaus vielversprechend. Die Beleuchtungsanlage kann so nahtlos in das restliche Haustechniksystem integriert werden.
Ob sich dieser Ansatz am Markt durchsetzen wird, steht noch in den Sternen. Es werden zurzeit schon einige größere Projekte in verschiedenen Ländern umgesetzt, die ausschließlich mit PoE-Systemen beleuchtet werden. Wir werden berichten.

 

Text: podpod design / Fotos: Philips

 

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Kategorie: Kolumnen, Licht

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