Kulturpalast Palatul Cultural in Blaj Rumänien

8. März 2017 Mehr

Kulturpalast

Palatul Cultural / Blaj / Vlad Sebastian Rusu

 

Geschichte

In Rumänien, Siebenbürgen, in der kleinen, 20.000 Einwohner zählenden Stadt Blaj (ehem. Blasenburg) war 1930 der „Palatul Cultural“ errichtet worden. Als Architekt zeichnete der Rumäne Victor Smigelschi verantwortlich. Im Winter 1995 war das Gebäude durch ein Großfeuer fast völlig zerstört worden, seither standen nur mehr die ruinenhaften Außenmauern, Gras und Bäume begannen den Rest zu entsorgen. 2012 beschloss die Gemeinde den ehemaligen Kulturpalast zu restaurieren. Den Wettbewerb für das Projekt gewann der rumänische Architekt Vlad Sebastian Rusu.

 

Palatul Cultural Blaj

 

Grundlagenforschung

Der Kulturpalast von Blaj – seine ursprüngliche Aufgabe war Veranstaltungen der ASTRA Cultural Association zu beherbergen – stand nicht auf der Liste der historischen Baudenkmäler Rumäniens, obwohl er im nationalen Schutzgebiet historischer Architektur liegt. Im Nationalarchiv fand der Architekt einige Victor Smigelschi zugeschriebene Zeichnungen und zwei Fotos, welche die Originalfassade kurz nach der Eröffnung des Bauwerkes zeigten. Leider gab es keinerlei Unterlagen über die damalige Inneneinrichtung, Dekoration und das Design der Eingangs- bzw. Haupthalle.

 

Palatul Cultural

 

Veränderungen in der Zeit

In den früher 60er Jahren nahm man die ersten Veränderungen des Originaldesigns der Haupthalle vor. Man wollte der Stadt ein Kino zur Verfügung stellen und dementsprechend wurde umgebaut. Auch im ersten Stock der Architektur gab es kleinere Änderungen, um hier ein Museum der Ethnografie und Geschichte sowie eine Stadtbibliothek und das Rundfunkzentrum von Blaj zu installieren.

 

Der Plan

Das Gebäude war hervorragend geeignet, um eine flexible Multifunktionshalle im Standard der heutigen Zeit zu beherbergen. Diese könnte sowohl künstlich wie auch natürlich belichtet sein. Eine Vielfalt kultureller Veranstaltungen sollte in ihr stattfinden: Konzerte, Galas, Theatervorführungen, Konferenzen, Ausstellungen etc. Auch sollte das Hauptquartier des Bezirkes Alba der Rumänischen Akademie hier untergebracht werden (Die Rumänische Akademie, 1886 gegründet, ist das höchste Forum der Wissenschaft und Kultur in Rumänien).

 

 

Konzept

Nach der Suche in den historischen Archiven war klar, dass nur die Hauptfassade im ursprünglichen Zustand wieder hergestellt werden konnte. Die gefundenen Fotos boten dafür die Grundlage. Die Ansicht zeigt den Einfluss des sich in den 30er Jahren in ganz Europa ausbreitenden Nationalsozialismus, eine gewisse Schwerfälligkeit mit einer Mischung aus Tradition und klassizistischen Elementen.

Für die Raumstruktur entschloss man sich, das Konzept der nur als Ruine vorhandenen, ursprünglichen Aufteilung wieder zu beleben und zu restaurieren. Das bedeutete, dass auch die Änderungen und Umbauten der 60er Jahre wieder rückgebaut wurden. Es sollte also erstens die Geschichte des Bauwerkes wieder sichtbar gemacht werden und zweitens, ein flexibler Innen- wie auch Außenraum geschaffen werden, welcher den Anforderungen der Gemeinschaft entgegenkam und leicht adaptierbar war.

Generell wurde die Architektur statisch und konstruktiv gesichert und konsolidiert. Die Dachkonstruktion und die Ziegeldeckung wurden erneuert. Eine komplette Sanierung der inneren und äußeren Wandflächen vorgenommen, bei den Tischlerarbeiten musste man sich auf die Restaurierung der originalen Außentür beschränken. Elektrik, Heizung, Sanitär- und Lüftungsanlagen sind den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechend eingebaut. Ein mechanisch gesteuertes System für die Oberlichten und eine moderne Bühneneinrichtung ergänzen dieses Kulturzentrum, dessen Veranstaltungssaal nun ca. 250 Sitze fasst.

Die Haupthalle wurde zu einem Mehrzweckraum gestaltet, in dem man alle Sitzreihen entfernen kann und zusätzliches Tageslicht durch neue Oberlichten generiert wird. Andere kleinere Änderungen wie eine abgehängte Decke in der Halle – sie bildet einen Puffer zwischen dem wiederhergestellten Dachstuhl und dem Raum und reguliert auch den Lichteinfall – sind Notwendigkeiten für einen zeitgemäßen Betrieb eines Veranstaltungszentrums.
Die Ziegelmuster und Ansichten der Wände hat man wiederum unverändert übernommen, bzw. hergestellt. In der großen Halle geben die Bögen, Säulen und Details der großteils unverputzten Ziegelvermauerung heute eine eindrucksvolle Kulisse ab. Neue Holzfenster mit weiß verputzten Umrahmungen, ein wiederhergestellter Balkon mit einer gewellten Balustrade sprechen in ihrer handwerklichen Ausführung für die Sensibilität der Architekten im Umgang mit alter Substanz.

 

 

Refurbishment and Refunctionalizing of the Cultural Palace
Blaj, Rumänien

Bauherr:  City Administration of Blaj
Planung: Vlad Sebastian Rusu
Mitarbeiter: arch. Ilinca Marcu, s.arch. Cătălin Iliescu,
                           s.arch. Teodor Vintilă, s.arch. Raluca Mirea,
                           s.arch. Felicia Todericiu
Statik: Ovidiu Rusu

Grundstücksfläche: 1.765 m2
Bebaute Fläche:  996 m2
Nutzfläche:  1.518 m2
Planungsbeginn:  2012
Bauzeit: 2013 – 2016
Fertigstellung: 09/2016
Baukosten: 1 Mio. Euro

 

Text: Peter Reischer

Fotos: © Cosmin Dragomir

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Kategorie: News, Sonderthema