Art Nouveau at the Poolside – El Paso

2. Oktober 2018 Mehr

Wie ein bunter Parasol, ein tropischer Fisch an Land, ein Zelt im Himalaja: Egal, was man darin sieht – diese kaum zu bändigende Oberfläche am Eingang des El Paso Westside Natatorium sendet fröhliche Signale aus und belebt den Eingang der historischen Architektur. Geschaffen wurde sie von MARC FORNES / THEVERYMANY, einem Kunst- und Architekturstudio, das sich auf die Verwendung von ultradünnen Materialien und daraus konstruierten, selbsttragenden Strukturen spezialisiert hat. Sie verwenden spezielle Computerprogramme und digitale Fabrikationsmethoden.

 

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Diese leichte Architektur mag als etwas Neues erscheinen, aber sie hat bereits Tradition: In der Tradition der Pariser Art Nouveau gibt es einige Eingangssituationen mit entsprechenden Gestaltungen. In El Paso hat der Künstler diesen Begriff verwendet, aber seine Definition gewechselt. Die Markise wird historisch als eine geschwungene oder lineare Konstruktion aus Stahl, Stoff und Glas beschrieben und dient dem Sonnenschutz. Meist frei stehend oder am Gebäude befestigt, wie die großartigen Gebilde von Hector Guimard für die Pariser Metro am Porte Dauphine und Abbesses. Guimard experimentierte, wie viele seiner Zeitgenossen, mit dekorativen Materialien, neuen Techniken, organischen Referenzen und verwendete industrielle Produktionsmethoden. Die amerikanische Variante spielt mit einer Umkehrung der charakteristischen Tektonik der Pariser Originale. Statt der skulpturalen, aus Eisen gegossenen und mit feinen Glaspaneelen versehenen Struktur, verwendet sie ultradünnes Aluminium statt Glas und bildet einen einzigen Rahmen. Das Licht dringt nicht durch die Glastafeln, sondern zwischen den Paneelen hindurch und erzeugt durch die Projektion der Zwischenräume Muster auf der Architektur und am Boden.

Diese Markise stellt eine räumliche Struktur für den Eingang der Schwimmhalle dar. Sie umrahmt und umarmt ihn. Ein visuelles Zeichen und eine architektonische Schwelle gleichzeitig. Die leichte Aluminiumstruktur verändert den Zugang und die Wahrnehmung des öffentlichen Gebäudes. Die gitterförmig verbundenen, kurvigen Paneele bilden ein farbenprächtiges Vordach und sind ein selbsttragendes strukturelles System. Zwei verschiedene, warme, an einen Honigkuchen erinnernde Gelbtöne und ein blauer Farbton wechseln sich ab, um die schwebende Oberfläche zu bilden. Scheinbar vom Wind aufgebläht wie ein Segel, steigt das ultradünne Gebilde vom Boden auf. An den Fundamentpunkten ist es in zwei aus Stahlbeton gefertigten „Sesseln“ verankert. Diese vor Ort gegossenen Betonteile bilden einen optischen Fixpunkt für das Auge des Betrachters.

Der Sonnenschutz kann unterschiedliche Empfindungen bei den Besuchern auslösen: Kleine Kinder betrachten sie als eine Art Zirkuszelt oder eingefrorenen Fallschirm, jedenfalls als eine kleine Aufregung, bevor es ans Schwimmen geht. Ältere finden eine willkommene Pause in diesem schattigen Eingang, bevor sie zum Wasserturnen schreiten oder sich über den heißen Parkplatz zu ihrem Auto bewegen müssen.

Die Oberfläche der einzelnen Tafeln ist gerade einmal 3 mm stark, sie überlappen sich, um ein diamantähnliches Muster zu erzeugen. Durch die Überlappung erscheinen sie von unten gesehen als durchgehende Bahnen. 240 einzigartige Teile sind in sechs verschiedenen Blautönen, von einem Himmelblau bis zu einem dunklen Blauton gefärbt. Weitere 280 Tafeln sind in fünf Abstufungen von goldgelb bis zu einem erdigen Orange gehalten. In dieser Arbeit stellt sich das Interesse des Studios an der Verwendung von dünnstmöglichen Materialien bei selbsttragenden Strukturen dar. Dies wird durch die zusammengesetzte Kurvatur erreicht, aber auch dadurch, dass es sich um Tafeln mit zwei verschiedenen Dicken handelt. Das 3-mm-Aluminium wird von 4,7 mm starken Teilen verstärkt und die Überlappung erlaubt teilweise eine Verdoppelung der Stärke, um die nötige Steifheit in den Verankerungspunkten zu erzeugen. So können die Lasten abgetragen werden.

Die einzelnen Teile verbinden sich auch in ihrer Größe, längere Streifen reichen hinunter zu den Betonsesseln oder steigen in die löffelförmigen Aufblähungen hinauf. Die Öffnungen dazwischen geben kein direktes Licht unter der Markise, sondern ein Spiel von Streifen und Punkten, eine sich fortwährend ändernde Stimmung unter der texanischen Sonne. Zu jeder Zeit entstehen Räume, die zum Innehalten und Verweilen anregen.

 

 

Text:©Peter Reischer

Fotos:©MARC FORNES / THEVERYMANY

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