Wohnen mit Design – Polka

5. Mai 2011 Mehr

Wohnen mit Design - Polka

Es gibt in der Theorie viele Zugänge zum Themenkreis Design: Aber alle – und seien sie noch so unterschiedlich – beinhalten auch eine ästhetische Komponente des Designs. Und wenn man den Begriff „Ästhetik“ als die Lehre vom Erscheinen der Dinge erklärt (und das ist eigentlich heute so üblich), dann befindet man sich sogleich in der Welt von POLKA. Die Dinge erscheinen, haben einen ihnen eigenen Glanz und eine Ausstrahlung. Sie wirken durch und auf die Sinne der Menschen.

We like to observe, we like to surprise, we like to discover, we like to irritate, we like to find solutions, we like to tell stories, we like to entertain, we like to change the point of view. Above all we like to create. And we like things.

Das ist das Credo der beiden Designerinnen Marie Rahm und Monica Singer, die seit 2004 das Label POLKA betreiben. Beide haben aufgrund ihres Elternhauses (Architekten bzw. Hafnerbetrieb) eine gewisse Affinität zu Raum und Raumgestaltung, zum Körperhaften. Das ist auch klar in ihren Arbeiten abzulesen. Sie haben sich beim Studium auf der Universität für Angewandte Kunst in Wien kennengelernt, und seither arbeitet das Duo erfolgreich an Projekten in den Bereichen Produktdesign, Möbeldesign und Visueller Gestaltung für nationale und internationale Kunden, unter
anderen Wittmann, Lobmeyr, Bene, Laufen, Herend, Innermost und Authentics.

POLKA setzt sich mit Alltagsphänomenen und Gebrauchsgewohnheiten auseinander.
Die beiden Designerinnen arbeiten im Spannungsfeld zwischen konzeptionellen Experimenten und dem Entwurf von eleganten und funktionalen Alltagsprodukten – durchaus auch mit Überraschungseffekten gepaart.
Und da sich Design an körperlichen sowie psychischen Bedürfnissen des Menschen orientiert, folgt es dabei nicht allein selbst gesetzten Regeln und Intentionen, sondern muss sich vor allem mit den Interessen jener Gruppen oder Personen auseinandersetzen, für die das Produkt entworfen wird. Wenn es darum geht, ein neues Produkt zu kreieren, zum Beispiel für eine Porzellanmanufaktur, dann steht am Anfang des Gestaltungsprozesses eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Fundus, mit den Inhalten und der Philosophie des Auftraggebers.
Auch ist es ein Anliegen der beiden Designerinnen weiche, feminine Formen in den Gestaltungs- und Formfindungsprozess einzubringen.
Vielleicht als Gegensatz zur puristischen, minimalisierend reduzierten Moderne?
Bei der Ausgestaltung der Zimmer im Wiener „Boutique Hotel Altstadt“ ist dieser Stil in den weichen fließenden Vorhängen und den generösen
Raumeindrücken zu erkennen. Eine Großzügigkeit, die auch durch die offenen, nur durch Glaswände abgetrennten Bäder unterstrichen wird. Der Begriff des Wohnens wird hier – und sei es auch in einem Hotel – mit Hingabe und Bedacht auf ästhetisches Wahrnehmen der einzelnen Möbel und Gegenstände im Raum, behandelt und zelebriert.

 

Interview mit Monica Singer vom Designlabel POLKA

Wie sind Sie zum Design gekommen?
Ich habe an der Angewandten Produktdesign studiert, am Anfang bei Wolfgang Prix (interimistischer Meisterklassenleiter), und dann hat Borek Sipek die Klasse übernommen. Während des Studiums habe ich dann meine Partnerin Marie Rahm kennengelernt. Sie hat bei Ron Arad angefangen und dann auch beim Sipek ihr Studium vollendet.
Vorher hab ich eine Textildesign-Ausbildung in Wien gemacht, aber das war mir dann zu ein- bzw. zweidimensional. Mich hat es interessiert, aus den Materialien auch Objekte zu machen. Mich hat es einfach dahingezogen, am Anfang des Studiums wusste ich noch nicht, wo das enden würde.

Was war die Grundmotivation zu der Zusammenarbeit?
Wie sind beide Teamarbeiter und keine Einzelkämpfer, und wir haben gesehen, dass die Zusammenarbeit ganz gut funktioniert.

Was ist für Sie Design?
Design ist für mich, Objekte, Stimmungen und Räume zu gestalten und Menschen damit zu berühren. Probleme zu lösen, Vorschläge zu liefern, wie man mit Alltagssituationen umgehen kann. Für mich ist es meine Arbeit, mein Lebensinhalt – ich habe den Drang zu schaffen.

Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Objekt und Raum?
Ich finde diese Frage ganz spannend, der österreichische Architekt Frederick Kiesler hat mich sehr inspiriert, speziell seine Korrealismustheorien, die korrealistischen Instrumente (für die Peggy-Guggenheim-Galerie in New York entworfen) die sich einer klaren Kategorie entziehen. Diese Objekte haben auch heute noch eine sehr starke Ausstrahlung, eine Gültigkeit und erzeugen eine Stimmung. Sie sind inspirierend.
Wir setzen uns immer mit dem Raum auseinander, auch der Mensch spielt in unserer Arbeit eine wichtige Rolle, es geht ja schließlich um den Benutzer.

Gibt es soziales Design?
Der Begriff ist eigentlich schwammig und zurzeit ein Modebegriff. Im Idealfall muss man das gar nicht extra betonen, dass ein Design sozial ist. Es geht darum, Dinge zu kreieren, die es zum Beispiel ermöglichen, dass ältere oder sozial benachteiligte Menschen sich wohlfühlen.
Es ist ein Beitrag um Randgruppen miteinzubeziehen und Thematiken, die für eine breitere Masse wichtig sind, aufzuzeigen.

Ist das Thema Nachhaltigkeit bei Ihren Arbeiten ein Bestandteil?
Dieses Thema lässt sich in unserer Zeit gar nicht aus der Arbeit ausklammern. Es ist Teil einer Entwicklung eines Produktes, sich über dieses Thema Gedanken zu machen. Zum Beispiel sind Wittmann Möbel sehr langlebige Produkte, die länger als eine Generation verwendet werden. Diese Aspekte schlagen sich natürlich auch in allen Materialüberlegungen und Ressourcenschonung nieder, aber die Dinge sollen auch im Auge des Betrachters länger überleben können.

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Kategorie: Start

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